Frau Madonna Ritchie Ciccone ist eine der berühmtesten Menschen auf diesem Planeten. 1982 tauchte sie mit der Single „Everybody“ plötzlich auf dem musikalischen Radar auf und baute fortan an ihrem eigenen Mythos einer der Pop- und Stilikonen schlechthin zu werden. Über ein Vierteljahrhundert ist sie nun mittlerweile nicht mehr aus dem Musikgeschäft wegzudenken. Unzählige Auszeichnungen pflastern seitdem ihren Weg. Sie machte sich allerdings nicht nur als Künstlerin und Sängerin einen Namen, sondern auch als Geschäftsfrau und meist auch als schlechte Schauspielerin. Sie setzte nicht nur immer wieder neue musikalische und modische Trends und Maßstäbe, sondern auch unzählige Skandale begleiteten sie auf ihrem Weg – meist allerdings auch inszeniert. In den letzten Wochen macht sie wieder Reden von sich. Diesmal geht es allerdings ein weiteres Mal um ihr Privatleben. Mittlerweile wurde bestätigt, dass sich Madonna und ihr Ehemann Guy Ritchie scheiden lassen werden. Die Schlammschlacht ist eröffnet und die Presse dürfte sich auf den anstehenden Rosenkrieg freuen, wie ein Kind auf Weihnachten. Der Anfang ist gemacht, die Messer sind gewetzt und beide Seiten haben (natürlich) auch schon einen neuen Partner an ihren Seiten – selbstverständlich wesentlich jünger. Der Fehdehandschuh wurde schon in den Ring geschmissen und man durfte schon von und über einen Sexstundenplan lesen…
Keine leichte Zeit für Madonna also, die demnächst an allen Fronten kämpfen muss und wird. Aufgrund der aktuellen Ereignisse gibt es nämlich nun auch schon die deutsche Übersetzung der Biografie von Christopher Ciccone zu lesen. Schon kurz nach Erscheinen landeten seine Memoiren auf Platz 1 der London Bestseller Liste. Besagter Christopher – der Nachname lässt es schon erahnen – ist übrigens der Bruder von Madonna und war der Queen of Pop so nahe wie kaum ein anderer Mensch. Wer jetzt allerdings denkt, dass hier eine schöne Familienidylle nachgezeichnet wird, der ist völlig schief gewickelt. Nein, es wird auch nicht weiter am Mythos Madonna gebastelt – der wird zerstört.
Man kann nur hoffen, dass man bei der Lektüre von „Meine Schwester Madonna Und Ich“ nicht beobachtet wird. Vermutlich ist man an der ein oder anderen Stelle derart baff, dass man den Mund vor Verwunderung offen stehen hat. Mir ist jedenfalls öfters die Kinnlade heruntergeklappt. Ungeschönt berichtet Christopher Ciccone von seinem Leben. Seinem Leben mit seiner Schwester Madonna. Fans ist er mit Sicherheit ein Begriff, alle anderen werden kaum wissen, dass er fast ihre komplette Karriere begleitet hat. Angefangen hat er in ihren Videos als Tänzer, dann war er nicht nur persönlicher Assistent, sondern auch jahrelang ihr Garderobier während der Tourneen, arbeitete sich dann zum Art und Tour Direktor hoch und richtete letztlich als Dekorateur sämtliche Immobilien von Madonna ein. Natürlich kann man dies in dem vorliegenden Buch alles nachlesen, was sich im ersten Augenblick allerdings wenig spannend liest, entpuppt sich schon auf den ersten Buchseiten als wahres Minenfeld. Christopher Ciccone nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt kaum eine gutes Haar an seiner Schwester.
Sofern man ziemlich unbedarft – soweit dies bei Madonna überhaupt möglich ist – an dieses Buch herangeht, wird man nicht nur sein blaues Wunder erleben, sondern seinen Spaß haben. Bücher über Madonna gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer, aber diese Art hier ist völlig neu – versprochen! Hat man das Buch einmal zur Hand genommen, wird man es kaum wieder weglegen wollen und verschlingen.
Unter dem Strich ergibt sich ein Bild von Madonna, welches man so ähnlich schon immer im Hinterkopf hatte. Christopher Ciccone beschreibt seine Schwester als von erhgeizzerfressendes Monster. Er berichtet dabei selbstverständlich immer aus seiner Perspektive. Natürlich muss man auch gehörig zwischen den Zeilen lesen. Christopher scheint sich selber ausschließlich in der Opferrolle zu sehen und bettelt regelrecht um Mitleid. Auch betont er gerne mal, wie wenig finanzielle Entlohnung er von Madonna bekommen hat. Auf das Gesamtvermögen von ihr bezogen mag das stimmig sein, aber ganz so wenig hat auch der gute Christopher nicht abgegriffen, das wird im Verlaufe der knapp 350 Seiten mehr als deutlich.
Was erfährt man über Madonna? Im Grunde alles, was ihr Bruder auch weiß, er spart hier nichts aus. Selbst vor E-Mail-Konversation der beiden macht er nicht Halt und der bitterböse Wortlaut findet sich hier ebenso wieder, wie ein Blick hinter die Kulissen der Ehen und Beziehungen von Madonna. Von dem geschätzten Sean Penn bekommt man ein ganz neues Bild, wie auch von Guy Ritchie, der zwischen den Zeilen wie ein Schwulenhasser wirkt. Christopher lässt auch an dem guten Guy kein gutes Haar und macht ihn letztlich für das Ende der Beziehung zwischen ihm und Madonna verantwortlich.
Natürlich finden sich auch die inszenierten Skandale wieder. Wer den Film „In Bed With Madonna“ bisher als einen intimen Einblick in die Welt von Madonna gehalten hat, wird hier wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Christopher beschreibt bis in kleinste Detail, wie alles für die Kameras inszeniert war, selbst vor dem Grab der verstorbenen Mutter machte sie kein Halt. Ebenso beschreibt er die einzelnen Phasen, wie Madonna Menschen in ihr Leben lässt, die für sie arbeiten, nur um sie dann zum Schluss fallen zu lassen. Details, die man so sicher noch nie gehört hatte. Wer sich schon immer gewundert hat, warum Madonna nicht so oft auf Promiveranstaltungen anzutreffen ist und lieber die Zeit mit ihrem Team verbringt, wird hier vielleicht ganz andere Antworten finden, wie man sie eigentlich vermutet hat. Madonna möchte halt als einzige Person im Mittelpunkt stehen und duldet keinen anderen neben sich.
Ob es um Yoga, Freundschaften oder Kabbala geht, Madonna muss immer die Beste und Größte sein – ungesunder Ehrgeiz. Ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein hat sie zwar, wie man auch vermuten konnte, allerdings reicht dies nicht mehr dafür, um Angestellten zu kündigen, dafür sucht sie sich dann andere Lakaien.
Fazit: Dieses Buch hat die volle Punktzahl verdient! Eine wirklich kurzweilige und spannende Lektüre über einen der größten Stars der Gegenwart. Das Bild, welches man hier von Madonna erhält, ist alles andere als positiv. Man nimmt Christopher Ciccone jedes hier geschriebene Wort ab, einzig und alleine nervt sein Selbstmitleid, aber das kann man geflissentlich überlesen. Endlich mal eine Biografie über einen Star, die nicht in den üblichen Chor des Jubelns und Lobes einstimmt. Wohltuend anders, offen und erfrischend! Ein Blick hinter die Fassade von Madonna, wie man ihn noch nie hatte.
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