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Christoph Geisselhart: Maximum Rock The Who (Band 3) Tipp
(Hannibal Verlag)


Autor: schlimm / Wertung: 12 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

The WhoChristoph Geisselhart legt den dritten Band von “Der Herr Der Ringe” der Rockmusik vor. Es gibt nicht viele derart detaillierte und umfangreiche Biografien über einen Musiker oder eine Band. Hat es überhaupt jemals ein Werk ähnlichen Ausmaßes gegeben? Die Geschichte der verrücktesten Rockband der Welt – so der Buchuntertitel – findet mit der Abhandlung der Jahre 1978 bis 2009 ein (vorläufiges) Ende. Bücher über The Who gibt es viele, aber nicht in diesem Umfang und erst recht nicht auf Deutsch! Ehre, wem Ehre gebührt.

Band 3 steht den anderen beiden in nichts nach. Christoph Geisselhart hat akribisch die ganzen Ereignisse ab 1978 zusammengetragen und niedergeschrieben. Man merkt zwar, dass Geisselhart ein Hardcorefan ist, aber trotzdem gibt es auch so manchen kritischen Unteron. Es dürfte aber auch klar sein, dass ein solch epochales Werk eben nur von einem Fan geschrieben werden konnte. Vielleicht sollte man sich auch nicht scheuen und das Wort Fanatiker in den Mund nehmen. Akribisch hat er Fakten um Fakten gesammelt. Seine persönliche Meinung und Anmerkungen fließen auch immer wieder mit in die einzelnen Geschehnisse ein und hin und wieder wird – ja muss – auch der Bogen zu den ersten beiden Ausgaben gespannt werden. Insgesamt liegt hier Material für an die 460 Seiten vor, was einer regelrechten Syssiphusarbeit gleichkommt.

Wer die ersten beiden Bücher schon im Schrank stehen hat, der weiß, was hier zu erwarten ist – die vermutlich beste Rockbiografie die in diesem Umfang je geschrieben wurde. Logisch, dass hier auch mal die eine oder andere Anekdote zu finden ist, die es vielleicht nicht unbedingt gebraucht hätte, aber Geisselhart kriegt letztlich dann doch wieder die Kurve zum eigentlichen Geschehen. Dies ist eben ein Buch eines Besessenen – im positiven Sinne! Dem Lesefluss tut dies sowieso keinen Abbruch. Man nimmt das Buch immer wieder gerne zur Hand um darin zu schmökern, ja man freut sich regelrecht drauf. Allerdings erfordert dies aufgrund seiner Üppigkeit auch einiges an Zeit, was erneut als positiv zu bewerten ist. Einige – wenige – Fotos im Mitteilteil runden das Buch ab.

1978 waren The Who eigentlich Geschichte und hier beginnt auch der dritte Band, Keith Moon starb. Trotzdem durchweht auch dieses Buch, ganze besonders zu Beginn, überall der Geist von Keith Moon. Geisselhart schildert die Ereignisse rund um den verbliebenen Scherbenhaufen recht anschaulich und detailverliebt. Gerade die unterschiedlichen Charaktere Daltrey und Townshend werden herausgearbeitet. Die Erzählungen über die Nachfolge hinter der Schießbude verdeutlichen, dass Townshend alles andere als ein umgänglicher Zeitgenosse war und Daltrey zum Wohle der Gruppe zurücksteckte.

Sehr umfangreich kann man nachlesen, wie aus einem Quartett urplötzlich eine Fünf-Mann-Band wurde. Gerade die Nachfolge von Keith Moon war sicher alles andere als einfach. Gefunden wurde jener mit Kenney Jones der Mod-Band Small Faces. Der Arme hatte eigentlich mit den typischen Rockgebaren wenig bis nichts am Hut, aber auch dies vermochten The Who zu ändern und Geisselhart schildert, wie die Band es letztlich schaffte auch den neuen Mann hinter dem Schlagzeug mit in einen Strudel zu ziehen. Selbstverständlich lässt Geisselhart die ersten Konzerte nach dem Tod von Keith Moon Revue passieren und auch die Kinofilme werden entsprechend gewürdigt. Fast tragisch sind die Erzählungen über den ehemaligen The Who Manager, der nur noch ein Alkohol- und Drogenwrack war und letztlich bei entfernten Bekannten hausen musste. Trotzdem war es abermals Pete, der sich (fast) von ihm einwickeln ließ.

Die tragischen Ereignisse um die Toten im Vorfeld des Cincinnati Konzertes werden ebenfalls in aller Ausführlichkeit beleuchtet und wie die Band davon erfuhr und damit umgehen musste. Ebenso erfährt man, wie sie spontan reagierten und was sie in den folgenden Stunden machten und wie sie vor der Presse abgeschirmt wurden und das Hotel über diverse Flure, die Küche und Hinterhöfe verlassen haben um den wartenden Reportern zu entgehen. Eine fast bedrückende Atmosphäre strahlt das Buch hier aus.

Überhaupt scheint dies keine gute Phase für die Band zu sein. Exzesse, Streitereien und Auseinandersetzungen ziehen sich zwar wie ein roter Faden durch die Geschichte von The Who, aber zu allem Überfluss versuchte es Pete Townshend nun auch noch im Alleingang und Geisselhart geht der Frage nach, ob der gute Pete alleine vielleicht sogar die besserten The Who Songs geschrieben hat. Die Band kommt später endlich etwas zur Ruhe und die Schilderungen dieser Phase sind fast zu harmonisch um wahr zu sein. Trotzdem lässt es sich der Autor nicht nehmen, auch diesen Abschnitt in aller Ausführlichkeit niederzuschreiben.

The Who ziehen aber die Katastrophen und Tragödien magisch an und so sind die 00er Jahre dann wieder ein Beleg dafür. Am 27. Juni 2002 verstarb Bassist John Entwistle an einem Herzinfarkt in Folge seines Kokainkonsums. Ein Jahr später geriet dann Pete Townshend unter Pädophilie-Verdacht und eine wahre Hetzjagd begann. Geisselhart hat hier wohl alles zusammengetragen, was sich finden lässt und die ganze Geschichte fast in Polizeiarbeit aufbereitet. Die Razzia und groß angelegte Operation Ore stellte sich im Jahre 2005 dann als große Luftblase heraus und man musste einräumen, dass auf der beschlagnahmten Webseite keinerlei Kinderpornografie gefunden wurde. Interessierte dies zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch wen und warum hat das überhaupt so lange gedauert um zu dieser Erkenntnis zu gelangen? Danach brachen zum Glück wieder bessere Zeiten an. Ein umfangreiches Interview mit Pete Townshend, eine Discografie und verschiedene Weblinks für die persönliche Recherche schließen diesen Wälzer und die Trilogie ab.

Fazit: Ist dieses Buch perfekt? Es bekommt hier schließlich die Höchstwertung! Dies liegt natürlich immer im Auge des Betrachters und wer eine geraffte Zusammenfassung der The Who-Geschichte lesen möchte ist hier sicherlich falsch aufgehoben. Auf der anderen Seite wird man dann sicherlich nicht zu einer drei Bände starken Biografie greifen. Der dritte Band knüpft nahtlos an die ersten beiden an und ist wieder eine akribische Meisterleistung. Der Autor Christoph Geisselhart muss ein The Who-Besessener sein, anders lässt sich „Maximum Rock“ sicher nicht erklären. Man kann ihm nicht mal vorwerfen, dass man dem Buch anmerkt, dass selbiges von einem Fan geschrieben wurde. Gerade diese Tatsache ist das Faustpfand für die Glaubwürdigkeit. Vermutlich müssen Daltrey und Townshend selber hin und wieder in dieser Reihe nachlesen, was sie bisher erlebt haben, denn Geisselhart dürfte mehr über deren Leben wissen wie sie selber. Die drei Bände von „Maximum Rock The Who“ dürfte weit und breit die beste Rockbiografie sein und der dritte Band beschließt diese Reihe auf höchstem Niveau. Eine Frage stellt sich jetzt allerdings noch: Was macht Christoph Geisselhart jetzt nur?

http://www.hannibal-verlag.de/
http://www.thewho.com/
http://www.the-who-bio.de/index.php

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