Am 6. Juli 2005 wurde Tenzin Gyatso, so der bürgerliche Name des XIV. Dalai Lama 70 Jahre alt. Nur einige Tage später, am 27. Juli 2005 erhielt der Friedensnobelpreisträger von 1989 erneut eine Auszeichnung für seinen ,,Kampf für den Frieden", nämlich den hessischen Friedenspreis in Wiesbaden. Dieses ganz besondere Ereignis wird nun in dem Buch Dalai Lama, Leben mit Rückgrat von Christof Graf dokumentiert.
Christof Graf hat sich auf dem Buchsektor schon Meriten mit seinen Werken über Bob Dylan und Leonard Cohen verdient. Neben seiner Dozententätigkeit der Betriebswirtschaftslehre und Marketing ist er noch vielfältig als freier Journalist tätig. Der Mann versteht demnach sein Handwerk und zeigt dies auch auf eindrucksvolle Art und Weise mit der vorliegenden Arbeit.
Das Buch ist nämlich so viel mehr als eine schlichte Dokumentation der Ereignisse rund um die Verleihung des Friedenspreises in Wiesbaden. Christof Graf erleichtert dem Leser den Einstieg und befasst sich erstmal mit ein paar grundlegenden Dingen der gesamtbuddhistischen Thematik. Aufgebaut ist die ganze Geschichte mit drei Oberkapiteln. Sicherlich ist dies in erster Linie eine Fleißarbeit. Trotzdem schafft es Graf das Thema anschaulich, verständlich und absolut ausreichend zu erklären. Selbst wer sich für den Buddhismus bisher kaum oder gar nicht interessiert hat, der erhält hier mehr als nur einen ersten Einblick. Zusammenhänge werden erklärt und vermitteln einen umfassenden Überblick. Natürlich kann das Thema hier nicht abschließend abgehandelt werden, dafür ist es auch viel zu komplex und umfangreich. Wer möchte, der kann sich ja gerne mit weitergehender Fachliteratur befassen. Trotzdem ist es schon erstaunlich, was hier an Fakten präsentiert wird, zumal das Buch mit knapp 200 Seiten und vielen, vielen Fotos sowieso nicht gerade üppig ausgefallen ist. Umso positiver sticht der Einstieg somit heraus.
Auch werden einige Hintergrundinformationen über Asien im Allgemeinen und Tibet und China im Speziellen erklärt. Diese sind absolut essentiell für das Verständnis – gerade auch für das Leben und Wirken des Dalai Lama. Zum Schluss widmet sich Christof Graf ausführlich dem eigentlichen Anlass des Buches. Im Mittelpunkt stehen hierbei drei Reden des Dalai Lama, viele Originaltöne und Zitate sowie die Dokumentation der größten Kundgebung des XIV. Dalai Lamas in Deutschland vor etwa 25.000 Zuhörern.
Der Schreibstil ist absolut verständlich und anschaulich. Auch, wenn hier viele Fakten präsentiert werden, kommt beim Leser trotzdem keine Langeweile auf. Christof Graf versteht es vorzüglich das Interesse aufrecht zuhalten. Es ermöglicht sich somit eine neue, etwas andere Perspektive und ein anderer Blickwinkel. Zusammenhänge und Bezüge werden auch in einen Kontext gestellt, der vielen bisher verborgen geblieben ist.
Alles prima also? Nicht ganz. Die Aufmachung des Buches lässt hier und da doch etwas zu wünschen übrig, was leichte Abzüge in der B-Note ergibt. Die schwarzweiß Bilder lassen hier und da doch ein leichtes Fragezeichen beim Betrachter zurück, da diese manchmal willkürlich zusammengestellt wirken und nicht immer zum Text passen. Das ein oder andere Foto in Farbe hätte dem Werk insgesamt sicherlich auch gut getan. Auf der anderen Seite bekommt man viele, auch bisher nicht bekannte Bilder des Dalai Lama, in Wiesbaden zu sehen.
Fazit: „Dalai Lama, Leben mit Rückgrat“ ist zu großen Teilen ein informatives und gutes Buch geworden. Einsteigern in die Materie liefert das Werk einen guten Überblick über geschichtliche Zusammenhänge und die Person des Dalai Lamas. Kritik darf an der Aufmachung geübt werden, die aber für den Lesefluss nur von untergeordneter Bedeutung ist.