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Christian Venus: 3 Uhr Morgens

(Sony BMG)

Autor: schlimm / Wertung: 7 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Da blickt er uns mit fordernden Augen vom CD-Cover aus an. Das dazugehörige Album wurde „3 Uhr Morgens“ betitelt und besagter er erblickte vor knapp 28 Jahren das Licht der Welt und hört seitdem auf den Namen Christian Venus. Der gebürtige Kieler und Wahl-Hamburger legt nun sein Debütalbum vor und konnte vorab schon eine kleine Fanbasis aufbauen. Ausgangspunkt hierfür waren seine viel gerühmten Live-Qualitäten im Vorprogramm von Revolverheld und Sunrise Avenue. Und ja, auch Christian Venus hat einen Fußballsong im Gepäck. Wer allerdings „Fussballstadion“ etwas genauer unter die Lupe nimmt, wird feststellen, dass es sich hierbei um den etwas anderen Song handelt. Simple Mitgrölhymnen haben sich die Kollegen auf die Fahne geheftet, Venus erzählt hier eine Geschichte unter komplett umgekehrten Vorzeichen und hebt sich somit deutlich aus der Masse ab.

Zwölf Stücke haben es auf „3 Uhr Morgens“ geschafft. Christian Venus hat dafür Tag und Nacht geschuftet. Neun Monate investierte er sein Herzblut in die Scheibe. Nebenbei musste er noch zusehen, dass er seine Brötchen verdient und auch den ein oder anderen Zwischenjob annehmen. Nun endlich liegt das entsprechende Album vor und es müsste fast mit Teufel zugehen, wenn die Scheibe nicht erfolgreich wäre. Die Produktion und die Arrangements können sich jedenfalls sehen lassen. Textlich und musikalisch bewegt sich die ganze Kiste irgendwo zwischen Echt und Selig. Von rockigen Alternativtönen, bis zu Radioballaden ist also alles dabei.

Die Nähe zu Selig und Echt ist nicht nur musikalisch gegeben, sondern auch stimmlich erinnert Venus frappierend an Kim Frank und/oder Jan Plewka. Der Titeltrack und Albumopener klingt fast wie eine Mischung und Symbiose der beiden. Bei „Fragezeichen“ ist man fast geneigt die Zeilen „Es kommt so anders als man denkt, Herz vergeben, Herz verschenkt“ zu singen. Diese Zeilen kommen allerdings garnicht im Song vor, sondern sind von Selig und entstammen deren Nummer „Ohne Dich“ – die Gemeinsamkeiten sind hier nicht mehr zu leugnen. Sicherlich gut gemacht, aber ein bisschen mehr Eigenständigkeit wäre auch nicht schlecht. Mit dem melancholischen „Brandstifter“ schlägt Christian Venus eine weitere Brücke von Echt zu Selig. Ausgerechnet mit dem rockigen und treibenden „Was Auch Immer“ entwickelt Venus eine eigene musikalische Identität. „Unglaublich“ wiederum könnte auch „Ist Es Wichtig“ sein.

Fazit: „3 Uhr Morgens“ ist im Grunde ein gelungenes Debütalbum und von der Umsetzung der Arrangements, der Produktion, der Texte und der Musik sehr gut geworden. Was man vermisst, ist etwas die Eigenständigkeit. Für seine stimmliche Nähe zu Kim Frank oder Jan Plewka kann Christian Venus ja nun wirklich nichts, aber auch die Songs klingen fast genauso wie die Bands der beiden Genannten. Vielleicht schließt aber auch genau dieses Album die Lücke, die diese beiden Gruppen nach deren Ende hinterlassen haben – und diese war nun wahrlich groß!

http://www.christianvenus.de

 

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