Huch, ja wie jetzt? Ville Valo macht einen auf Badly Drawn Boy? Oder ist es eher umgekehrt? Jedenfalls ruft das Albumcover von „Powis Square“ dem Betrachter diese beiden Namen sofort ins Gedächtnis. Aber nein, wer einen da mit großer Mütze und noch größeren Auge anblickt ist Chris Field.
Chris Field ist bei uns noch weitestgehend recht unbekannt, in seiner Heimat und der Vancouver-Szene oder wahlweise auch in Toronto genießt der Mann allerdings so etwas wie Kultstatus. Auch die „britische Sun“ wittert nun schon wieder das „nächste große Ding“ und hat mit Herrn Field fast schon wieder den Retter des Rock and Roll ausgerufen. „Powis Square“ wird allerdings bei uns mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit nicht für einen größeren Bekanntheitsgrad sorgen. Das liegt mitunter nicht mal daran, dass die Platte jetzt total grottig ausgefallen ist, sondern vielmehr, dass die Songs so sehr retro sind, dass man hier fast schon meint jeden Ton zu kennen.
Los geht der dreizehn Track starke Song Reigen mit dem rockigen „Oh yeah alright“ und ja, es hört sich genauso an, wie es der Titel vermuten lässt. „You Take Me Up“ kommt dann schon eine Spur lässiger aus den Boxen, wenn nur das dünne Stimmchen von Chris Field nicht wäre. In ähnlichem Fahrwasser, aber überzeugender ist da schon das anschließende „Stars In Your Eyes“. „I Wanna Love You“ ist gelinde gesagt ziemlich dreist. Hallo? Das ist ja so was von bei den Stones geklaut, das kann man schon nicht mehr Einfluss nennen. „Bitch“ oder doch eher „It´s Only Rock ‚n‘ Roll“? Natürlich hat das Dingen unheimlich Schmackes, aber das ist ja auch kein Wunder. Zusammen mit Sam Brown intoniert Field „Make It Tonight“ ganz nahe am Kitsch. „Only the rich survive“ erinnert doch schon wieder an einen Song der Stones. Meine Herren, da stehen wohl bald Tantiemenzahlungen ins Haus.
Aber keine Angst „Inner City Breakdown“ macht genau da weiter. Ausnahmsweise darf hier aber mal kein Song der Stones Pate stehen, sondern „God Gave Me Everything“ von Mick Jagger. Eigene Ideen? Irgendwie Mangelware, „Let Your Love Shine“ kennt man auch schon. „Slave“ ist ein durchaus okayer Track der aber…ach lassen wir das. „Going Down Again“ und „Easy Ride“ machen die Sache auch nicht besser, hier wird geklaut was das Zeug hält. „I Want Action“? Gerne, aber bitte mit eigenen Ideen.
Fazit: Retro ist ja durchaus völlig in Ordnung und mit Sicherheit nicht schlecht. Allerdings sollte man dann auch maximal Vorbilder und Einflüsse raushören, wenn sich Songs aber fast eins zu eins wie bekannte Tracks der Helden anhören ist das weniger gelungen. Freunde von besagter Musik und Musikrichtung können „Powis Square“ von Chris Field ja mal vorsichtig antesten, vielleicht findet sich ja hier ein neuer Liebling. Ich für meinen Teil greife da wesentlich lieber zu den Originalen!