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Carl Carlton And The Songdogs: Songs For The Lost And Brave Tipp

(Ferryhouse/Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 10 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Der Prophet gilt im eigenen Land ja bekanntlich nichts. Carl Carlton ist ein solcher Prophet. Vielleicht ist es in musikalische Hinsicht und auf die internationale Rockspielwiese bezogen sogar einer der bedeutendsten Propheten und Künstler, die wir zu bieten haben. Von Kollegen, Kritikern und seinen Fans wird er immer in den höchsten Tönen gelobt, nur das breite Massenpublikum wird in schöner Regelmäßigkeit eben nicht auf ihn aufmerksam. Dafür ist seine Art der Musik vermutlich auch viel zu speziell und zudem zog es ihn auch schon in recht jungen Jahren hinaus in die weite Welt. Arnheim, Amsterdam, New York, London und Dublin sind nur einiger seiner Stationen und Wohnorte. Carl Carlton stand schon bei vielen nationalen und internationalen Größen der Musikszene in Lohn und Brot und man darf fast Wetten abschließen, dass ein großer Teil der musikinteressierten Bevölkerung zumindest ein Album mit seiner Beteiligung im heimischen Schrank stehen hat oder ihn schon auf der Bühne bewundern durfte. Aber auch unter eigenem Namen und mit seiner Band, den Songdogs, hat er schon ganz formidable Alben und Musik aufgenommen.

Mit „Songs For The Lost And Brave“ legt Carl Carlton - im Verbund mit seinen Songdogs - wieder ein astreines Album vor, wo sie ihre Version von Rock And Roll, Blues, Folk und Country präsentieren. Gepflegt aus der Hüfte werden hier die Songs auf den Zuhörer losgelassen. Authentisch und mit ganz viel Können erfreut die Scheibe das Herz. Klar, hier wird das Rad nicht neu erfunden, aber das war ganz sicher auch nicht der Ansatz von Carl Carlton. Schon die ersten beiden Songs geben den Weg vor. „Spoke On Th Wheel“ ist gut abgehangener Rock mit einer gehörigen Prise Blues und R´n´B und „Keep On Swinging“ erinnert bisweilen an Bob Dylan und „All Along The Watchtower“. Aber auch die balladeksen Momente verstehen die Songdogs und Carlton ohne einen Anflug von Kitsch umzusetzen. „King Of Nothing“ drückt sehr schön die Gefühle von Carlton aus, die er nach dem Tod seines Freundes Robert Palmer, den privaten Problemen und einigen geschäftlichen Flops hatte. Wie er selber sagte „Ich fühlte mich wie der König des Nichts“.

Das Album ist zudem aus einem Guss und ein roter Faden verleiht der ganzen Geschichte eine sehr schöne Atmosphäre. Über die Stephen Stills Coverversion „For What It´s Worth“ (mit Sohn Max und Eric Burdon als Gastsängern) über das von Tom Petty inspirierte „Shelter“ bis zum Rausschmeißer „The Difference“ ruht die Scheibe in sich selber und wirkt sehr fließend. Es ist dabei fast müßig, hier einzelne Songs zu nennen, aber eine düstere Nummer wie „Mother Hardship“ ragt dann doch heraus. Hier zeigt sich zwar auch, dass Carl Carlton nicht der beste Sänger der Welt ist, dafür der Musik aber jede Menge Herz und Seele einhauchen kann. Das Duett „Dreamer“ mit Jill Stevenson ist ebenfalls einer dieser herausragenden Momente. Duette? Balladen? Keine Angst, natürlich gibt es unter den fünfzehn Tracks auch den ein oder anderen amtlichen Stampfer. Einen funkigen Rocker vom Schlage „Bring It On Home“ wird dahingehend alle zufrieden stellen.

Fazit: „Songs For The Lost And Brave“ ist in musikalischer Hinsicht ein Sahnestücken. Textlich kehrt Carl Carlton hier seine Seele nach außen und es gibt aus seiner Sicht einiges aufzuarbeiten. In der Summe ergibt dies ein sehr persönliches Werk, welches sehr authentisch den guten alten Rock and Roll ein- und ausatmet. Diese Scheibe dürfte eine absolute Bereicherung für jede Musiksammlung mit Schwerpunkt Rock and Roll sein. Übrigens gibt es jede Menge prominente Gaststars zu hören. Eine Aufzählung erübrigt sich an dieser Stelle allerdings komplett, denn der Applaus gebührt einzig und alleine Carl Carlton und seinen Songdogs!

http://www.carlcarlton.de

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