Und wieder gibt es Neuigkeiten aus Stockholm. Diesmal von Captain Murphy. Mit „Human Cannonball“ gibt es nun für alle Ohrenfutter, die gepflegten Rock irgendwo zwischen den Stooges und MC5 schätzen. Zuerst muss man aber das böse Wort in den Mund nehmen – Crossover. Zumindest der erste Track „Human Cannonball“ hätte auch auf jedem Album einer drittklassigen Band diesen Stiles gepasst. Eieiei. Zum Glück war dies nur der Auftaktgag. Mit „I Belong To The Girls“ haben die vier Jungs dann noch mal die Kurve gekriegt und die richtige Autobahnauffahrt genommen. Entspannt wird sich durch den Track gerockt, mit sehr vielen poppigen Anleihen. Der Refrain geht auch gut ins Ohr, weiter so! „Leaving All The Dead Behind“ kann da nahtlos anknüpfen. „Ooh Ah Wap Shee Wah Yeah“ bratzt punkig um die Ecke, ist auf das gesamte Lied gesehen aber auch etwas platt und nervig. Dass die Band auch ruhigere Töne beherrscht stellt sie eindrucksvoll mit „Space Is A Cold And Lonely Place“ unter Beweis. Der Track ist mehr als britisch angehaucht und damit klingt die erste Albumhälfte sehr schön aus.
Der Bass pumpt, Handclaps setzen ein und dann groovt und rotzt sich Captain Murphy durch ein arschcooles „Lost Little Chrissy“. Sehr schön auch der Sax-Einsatz. „Sioux Rocker“ tritt danach noch mal das Gaspedal anständig durch – schön, so soll es sein. „Stuzie“ ist wieder mehr als nur britisch angehaucht und das alles andere als schlecht. Die Bläsersektion ist auch sehr fein. „Don´t Believe In ´Em People“ steht dem auch in nichts nach und steigert sich sogar noch mal. Gut „The Mighty Plan Stockholm Or Bust“ ist jetzt nicht der große Wurf - freundlich ausgedrückt. Vielleicht hat der Witz bei mir auch nur nicht gezündet. Aber Schwamm drüber.
Fazit: „Human Cannonball“ kann in der Mehrzahl schon mit dem ein oder anderen feinen Song aufwarten. Freilich gibt es hier auch Totalausfälle zu verzeichnen. In seiner Gesamtheit ist das Songwriting aber durchaus sehr gelungen und live dürfte der ein oder andere Kracher dabei sein. Auf Platte ist die Geschichte nicht immer zu genießen, da die Produktion jetzt nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Manches klingt zu brav oder Nuancen (wie z.B. die Bläsersektion) sind nur schwer oder gar nicht auszumachen. Das ändert natürlich nichts an daran, dass die Band ihr Handwerk versteht und den ein oder anderen guten Song auf der Pfanne hat. Muss man im Auge behalten! 7,5