Rezensionen > Musik

by heart: Exit Signs

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Es gibt Geschichten, die gibt es eigentlich gar nicht oder die sind einfach zu schön um wahr zu sein. Die schwedische Band by heart ist ein Paradebeispiel dafür, dass Musik auch in ihrer ursprünglichsten Form funktionieren kann, nämlich live. by heart leben die Philosophie des Rock vor. Überall wo eine Steckdose ist wird gespielt, notfalls halt über einen Generator, der für genug Strom sorgt. Die vier Schweden haben auf diesem Wege in ihrer Heimat unglaubliche 17.000 Demos verkauft. Sie bespielten aber nicht nur die Fußgängerzonen, sondern auch auf dem Roten Platz in Moskau und unter dem Eiffelturm. In Berlin wechselte ihr Album „Exit Signs“ auch schon 7.000 mal den Besitzer. by heart überzeugten also alleine durch ihre musikalische Darbietung und ihr Können und natürlich mit dem vorhandenen Songmaterial.

Wenn man der ganzen Kiste glauben darf, dann wird „Exit Signs“ nun ausschließlich über digitale Kanäle veröffentlicht. Mittlerweile hat die Band zwar Universal im Rücken, aber diese ungewöhnliche Lösung wird wohl favorisiert. Den physischen Tonträger gibt es dann auf den Konzerten zu erwerben. Sie spielen ganz einfach auf den Straßen Berlins und Europas und veröffentlichen ihre Musik dann ausschließlich über digitale Kanäle. by heart gehen zur Veröffentlichung auch wieder auf Tour, natürlich auf ihre Art und Weise. Sie werden in ausgewählten Städten wieder mitten auf öffentlichen Plätzen stehen, ihre Lieder spielen und die Menschen ganz sicher begeistern. Man darf gespannt sein, ob by heart diesen Weg konsequent weiter gehen können oder ob sich das alles als große PR-Kampagne entpuppt oder ob die Band einfach zu erfolgreich wird und nicht mehr auf öffentlichen Plätzen spielen kann und darf, die Qualität dafür scheinen sie nämlich zu haben.

„Exit Signs“ ist zwar das Debütalbum, hat aber schon ein paar Tage auf dem Buckel, denn aufgenommen wurde die Scheibe bereits im Herbst des Jahres 06. Was man auf dieser Scheibe zu hören bekommt, versetzt einen nicht nur in Entzückung, sondern auch in Erstaunen. Wenn man bedenkt, dass dies alles in Eigenregie aufgenommen und realisiert wurde, dann ist das schon aller Ehren wert. Die Schweden hören sich nämlich wie ganz Große an. Die Produktion ist in jeglicher Hinsicht äußerst gelungen, die Arrangements sind absolut bezaubernd, das Songwriting ist zu großen Teilen überzeugend und das Songmaterial in vielen Momenten überragend gut. by heart haben mit „Exit Signs“ prominente Kollegen wie Keane und Coldplay meilenweit hinter sich gelassen. Auch die momentan sehr erfolgreichen Snow Patrol kommen an dieses Album nicht heran. Ebenso lässt sich im Sound von by heart eine Menge U2 raushören.

Zehn Songs hat das Debütalbum zu bieten. Mit einem druckvollen Schlagzeugspiel, einer markanten Gitarrenlinie und einem mitreißenden Gesang beginnt die Scheibe mit „Anywhere, Anytime“. Zum Refrain hin entwickelt sich die Nummer zu einer kleinen Hymne. Überzeugender Auftakt. Dass dies keine Eintagsfliege war, beweist anschließend direkt „The Astronaut“. Hier dominiert der Bass, bevor man typische U2-Gitarrenklänge vernehmen kann, dazu diese Stimme – Gänsehautmomente! Verdammt sind die Jungs gut. Auch mit dem rockigen „Beyond The Satellites“ wird das Niveau entsprechend hoch gehalten. „A Moment Of Panic“ überzeugt mit einem weiteren Hymnenhaften Aufbau. Die Pianoballade „Throughout The Night“ dürfte viele Zuhörer überzeugen, ist mir allerdings zu viel des Guten, etwas weniger Pathos hätte dem Stück nicht geschadet. Macht aber nix, „Well, I´m Sorry“ holt die Scheibe aus dem Tal ganz schnell wieder heraus und treibt anschließend mit „Remember My Name“ wieder in Richtung Stadionrock der Marke großartige Hymne. Leider plätschert „My Mask Of Iron“ anschließend etwas ziellos und langweilig vor sich her. „A Poem“ kommt zwar recht druckvoll aus den Boxen, ist aber im Grunde nur solide, heute nennt man das wohl Emo, Kost. „Someone To Die For“ schafft es aber zum Schluss den absolut positiven Gesamteindruck nachhaltig zu vertiefen.

Fazit: „Exit Signs“ ist zu großen Teilen ein überzeugendes Debütalbum und wer es hört, wird verstehen, warum die Band aus dem Stehgreif davon im Eigenvertrieb so viele Einheiten absetzen konnte. Beeindruckend, was die vier Schweden hier abliefern und man gönnt ihnen von ganzem Herzen den Erfolg und hoffentlich schaffen sie es sich ihre Einzigartigkeit zu behalten! Daumen hoch!

www.byheart.nu

1 Comment »

  1. Yeah! Das Album ist super! Habe die Jungs am Alex in Berlin gesehen und mir da das Album geholt. Geile Liveband! Hab gesehen, dass es das jetzt bei iTunes für nur 6,99 gibt! Da lohnt sich das zuschlagen.

    Comment by kingnothing — May 6, 2008 @ 5:56 pm

RSS feed for comments on this post.

Leave a comment

Weitere Artikel des Autors

Aktuelle News

Aktuelle Artikel

Navigation


© Dirk Janßen, Webdesign, Webanwendungen & Content Management Systeme.

Sound Base Online Magazin Powered by WordPress - Inhaltsverzeichnis