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Brian Wilson: That Lucky Old Sun

(EMI)

Autor: schlimm / Wertung: 8 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Das neue Album von Brian Wilson ist so neu gar nicht. „That Lucky Old Sun“ wurde schon vor einem guten Jahr bei der Neueröffnung der Royal Festival Hall uraufgeführt. Hierbei handelte es sich sogar um eine Auftragsarbeit für das Londoner Southbank Center. Ob eine physische Veröffentlichung auf CD von Anfang an geplant war, ist nicht ganz überliefert, da es da doch die ein oder andere widersprüchliche Stimme gibt. Die zum Teil recht positiven Kritiken haben aber ganz sicher dazu beigetragen, dass das Werk nun auch als Album vorliegt.

Was Brian Wilson hier wieder aus dem Hut gezaubert hat ist mal wieder aller Ehren wert. Der konzeptionelle Über- und Unterbau dürfte allerdings nichts für das Mainstreampublikum sein. Wilson hat natürlich auch wieder seine bewährten Mitstreiter an Bord. Van Dyke Parks brilliert hier mit kleinen Prosazwischenstücken, die insgesamt die Scheibe zusammenhalten und die einzelnen Tracks mit einander verwebt. Ein leichter Musicalcharakter durchweht so das gesamte Werk, welches mit einer sehr intensiven und dichten Atmosphäre aufwarten kann. Bisweilen wirkt die Platte wie eine Collage, die dann in einer großen Sinfonie mündet. An den Texten hat übrigens Scott Bennett mitgewirkt. Ein altbewährtes Team also, welches sich auch hier nicht lumpen lässt.

„That Lucky Old Sun“ funktioniert natürlich nur, wenn man hier sämtliche Umwelteinflüsse ausschalten und sich voll und ganz dem Album hingeben kann. Dann offenbaren sich dem geneigten Hörer allerdings wieder Klanglandschaften, die nur Brian Wilson imstande ist zu komponieren. Seine Singstimme ist zudem fast von einem kindlichen Charme durchdrungen, die der Platte fast so etwas wie einen naiven Charakter  verleiht. Hat man erstmal den Schlüssel zu dem Album gefunden, dann wird man diesen so schnell nicht mehr zur Seite legen.

Wenn man die ganze Kiste oberflächlich betrachtet, findet man hier selbstverständlich wieder viele Zutaten, die auch die Beach Boys schon in ihren Sounds verarbeitet haben. Trotzdem ist dies nicht die Platte für den Sonnenschein, da Brian Wilson Songs auch immer mit einer wehmütigen Melancholie umweht werden. So sind die besten Momente auch solche, wo die Tracks fast schon bis auf das Grundgerüst nackt wirken. Immer dann, wenn Wilson auf allzu großes Brimborium verzichtet, bekommt man eine Ahnung davon, was den Mann antreibt. „Forever She´ll Be My Surfer Girl“ oder „California Role“ sind da an erster Stelle zu nennen. Das Piano durchtränkte „Midnight´s Another Day“ und die an alte Großtaten erinnernde „Going Home“ und „Southern California“ lassen sogar das alte Genie wieder um die Ecke blinzeln. Mehr geht eigentlich nicht!

Fazit: „That Lucky Old Sun“ ist sicher nicht als luftig und leichte Surfmusik konzipiert worden. Manchmal ist das Album sogar schwere Kost und wirkt wie ein Fragment. Trotzdem blitzt hier an allen Ecken und Enden das Genie des großen Brian Wilson durch. Er unterstreicht damit erneut nachhaltig seine Ausnahmestellung der Musikgeschichte und fügt seinem Gesamtwerk eine weitere, beachtliche Fußnote hinzu!

http://www.brianwilson.com

 

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