Gerade noch haben wir „Berlin Hi-Fi“ verdaut und lieben gelernt, da steht mit „The Magnetic Waltz“ schon der nächste Streich von Botanica in den Startlöchern. Paul Wallfisch lässt den geneigten Hörer damit ein weiters Mal an seinen Großstadtphantasien teilhaben. Fünf Alben gibt es unter dem Pseudonym nun schon zu bewundern. Und anerkennend bewundern darf man den neuerlichen Streich ganz sicher auch wieder.
Elf Songs verteilen sich auf etwas mehr als eine Dreiviertelstunde. Elf Songs, die im Privatfernsehen sicher mit den Worten „die zu einem gemütlichen Abend auf dem Sofa einladen" angekündigt würden. Da wir hier aber nicht im Fernsehen sind, wollen wir doch etwas mehr in die Tiefe gehen. In die Tiefe gehen auch die Songs von Paul Wallfisch. Schon die Albumeröffnung mit „Matter Of Taste“ lärmt nach hinten raus auch etwas, wird im Grunde genommen aber von einer ruhigen und melancholischen Grundstruktur durchzogen. Musik sicher für Menschen, die noch zu- und hinhören. „Age Of Irony (Party Time)“ ist von der Stimmung dann etwas positiver, aber mehr als Fußwippen wird sich sicher nicht einstellen. Dafür kann man wunderbar träumen und einfach genießen. „3 Women“ wird noch eine Spur melancholischer bevor dann mit „La Valse Magnetique“ endgültig Bohemien-Dekadenz Einzug hält. Jetzt gefällt sich Wallfisch in der Rolle des lässigen Franzosen und intoniert den Song als Chanson. Nicht nur überraschend, sondern auch ganz großes Kino. Danach gibt es einen kompletten Stilbruch. Faith“ ist ein kleines Punkrockungetüm, die Gitarren jaulen, der Bass pumpt und das Schlagzeug scheppert. „Sex Offender“ hält das Gaspedal zwar nicht bis zum Anschlag durchgetreten, windet und dreht sich allerdings um ein Indierockthema. Schauerlich schön, was sich da aus den Boxen schält. „Carousel“ dreht diese Schraube sogar noch ein Stückchen weiter. Mit „With You“ wird es dann wieder ein Spur konventioneller, locker und lässig kommt der Track daher. „Shira & Safia“ klingt wie die Paul Wallfisch Version eines Musicals für die kleine Indiebühne. „Grande Central“ und das Epos „Warm Winter“ lassen die Scheibe dann ruhig, bedächtig und nachdenklich ausklingen.
Fazit: „The Magnetic Waltz“ ist von seiner Grundstimmung ein eher leises Album, mit vielen schrägen und lauten Momenten. Ein erwachsenes Indie-Album für die heimischen vier Wände. Wer Waits, Cave, Cale und Konsorten schätzt, der sollte sich auch das neuerliche Botanica-Werk zulegen!