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Blind Guardian , 12.09.2006, Philipshalle, Düsseldorf

Autor: R@Z€ / Kommentare: Bisher keine

Wenn sich Fans selbst abfeiern und die Band fassungslos und erfreut dabei zuschaut, dann sind Blind Guardian nicht weit. Und so wurde die Philipshalle in Düsseldorf am gestrigen Abend in ein Meer wildgewordener und verzückter Guardian-Jünger verwandelt. Nachdem die Vorband Astral Doors mit ihrem recht unspektakulären 45minütigen Aufwärmgig (einer Mischung aus Dio meets Scorpions) fertig war und von den anwesenden Fans mit lautem Applaus entlassen wurden, erklang um 21.15 Uhr das War Of Wrath-Intro und der Sturm brach mit dem darauf folgenden "Into the storm" im wahrsten Sinne des Wortes los. Damit eröffneten die Krefelder ein Reigen von Hammersongs, der die Anwesenden (ich schätze mal vorsichtig auf 6.000 Zuschauer, bei einem Fassungsvermögen von fast 8.000 Personen) in fanatische und textsichere Chorsänger verwandelte. Nahezu jeder dargebotene Song wurde von den Anhängern frenetisch mitgesungen, ob mit oder ohne Sänger Hansi Kürsch spielte dabei gar keine Rolle. Dieser spornte die Massen während und zwischen den Songs immer wieder zu Höchstleistungen an und erinnerte damit nicht selten an das letzte Gastspiel der Blinden Gardinen in der Philipshalle vor vier Jahren, als dort "The Bard’s song - in the forest" von den Fans fast im Alleingang zelebriert wurde. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie fanatisch Blind Guardian-Fans in der Landeshauptstadt sein können, sollte sich vom Doppel-Live-Album aus dem Jahre 2003 mal ebendiesen Song zu Gemüte führen und auf die anschließenden Standing ovations nebst Applaus und Jubel achten. Cool das! Auch diesmal ließen sich Fans, aber auch Band, nicht Lumpen. Bei einer Netto-Spielzeit von saftigen 130 Minuten zzgl. Olè-Rufen, Jubelgeklatsche und Zugabengeschreie zogen BG viele Ihrer Hits vom Leder, welche jede Großtat Ihrer Schaffensperiode zu Wort kommen ließ. Mit einem Hammersound und einer perfekten Sangesleistung durch Hansi versehen, wurden Standards wie "Born in a mourning hall", "Nightfall", "Time stands still", "Lord of the rings", "The Bard’s song - in the forest" (noch geiler als 2003), "Imaginations from the other side" oder der Rausschmeißer "Mirror Mirror" in die Menge gepfeffert. "And then there was silence" dagegen klang ein wenig disharmonisch deplaziert und auf jeden Fall zu langatmig für ein Live-Konzert. Statt dessen hätte man lieber einen zweiten Song vom famosen "Somewhere far beyond"-Album oder den grandiosen "Tales from the twilight world"-Opener und Lieblingssong aller Dune-Fetischisten, "Traveller in time" intonieren können. Träume bleiben halt manchmal Schäume. Dafür hat man mich und scheinbar auch viele andere mit den Überhits vergangener Tage und Evergreens Majesty (lautstark von den Fans gefordert), Valhalla (lautstark von den Fans mitgesungen und auch während des restlichen Abends immer wieder gerne angestimmt) sowie "Lost in the twilight hall" (lautstark von den Fans mitgegröhlt) überrascht und gebührend entlohnt. Letzter und eigentlich einziger Wermutstropfen eines sonst perfekten Konzertabends waren die Songs der etwas moderneren, Guardian-untypischen Art, namentlich "Another stranger me", "Fly" und "Bright eyes". Mit solchen Songs könnten die Fantasy-Metaller zwar der große Favorit für den nächsten European Song-Contest werden und Lordi vom Thron stoßen, sollten allerdings für eine eventl. Verfilmung "des kleinen Hobbits" Komponisten für einen Soundtrack gesucht werden, würden die Guardians mit solcherart Songs allerdings keinen Blumentopf gewinnen. Nach zwei längeren Zugabenblöcken war dann Schicht im Schacht und die vereinigten Blind Guardian-Chöre zogen heiser und sichtlich zufrieden um 23.30 Uhr von Dannen; mit dem Versprechen der Band, nicht erst in vier Jahren sondern früher in die heimliche Hornburg der Blinden Wächter, Philips-Klamm, zurückzukehren. Namárië!

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