Eines der ungeklärten Geheimnisse und der offenen Fragen der deutschen Musikgeschichte dürfte sein, warum Blackmail der große Durchbruch bisher noch nicht gelungen ist?! Mag sein, dass es bei der Band kein Zwischending gibt. Entweder man mag deren musikalisches Schaffen oder man findet es einfach nur schrecklich. So scheint in Bezug auf die Band aus Koblenz die deutsche Journaille schon zweigeteilt. Die eine Hälfte lobt die Band über den grünen Klee, die andere zerreißt jeden Ton in der Luft. Dabei ist es eigentlich so einfach. Gerade Blackmail ist eine Band, die man im Ausland ohne Scham nennen kann, wenn man denn nach einer guten deutschen Gruppe gefragt wird!
Natürlich ist nicht alles Gold was glänzt und der Vierer hat musikalisch nicht immer voll überzeugen können. Aber welche Band kann das schon? Schließlich sind sie mittlerweile auch mehr als ein Jahrzehnt aktiv. Aber gerade Platten wie „Bliss Please“ und „Friend Or Foe?“ sind in Stein gemeißelte Monumente deutscher Independentkultur. Ihr letzte Werk „Aerial View“ konnte allerdings nur bedingt überzeugen. Die Band hat hier vielleicht auch einfach zu viel gewollt und krampfhaft versucht den großen Wurf zu landen. Mit Spannung durfte man also die neue Langrille „Tempo Tempo“ erwarten. Anscheinend haben sie wieder die Kurve gekriegt und sind mit sich und der Welt im Reinen. Erwartungen scheinen nicht mehr bedient zu werden und spielen auch keine Rolle mehr. Blackmail klingen wie eine Band, die weiß was sie will und versucht nicht das umzusetzen, was andere wollen. „Tempo Tempo“ klingt erstaunlich frisch.
Die erste Hälfte des Albums legt eine Klasse an den Tag, dass es einem fast den Atem raubt. Schon der Albumopener „False Medication“ beginnt mit einem Wechselspiel aus Gesang und Gitarre. Ein altbekanntes Stilmittel, mag man denken. Wenn allerdings die Zweitstimme hinzukommt und ein wahres Klanggewitter losbricht, zeigt dies schon die Extraklasse von Blackmail. „Mine Me I“ stampft und rockt durch die Prärie und gerade, als man die Nummer schon als etwas stumpf abhacken möchte kommt ein kleiner Stilbruch und eine fast schon liebliche Melodie schleicht sich in die Gehörgänge, bevor das Gaspedal wieder durchgetreten wird. „(Feel It) Day By Day“ ist eine epische Großtat - pompös, bombastisch, treibend. Die Chöre dürften bei dem ein oder anderen Hörer eine dicke Gänsehaut erzeugen. Danach überraschen Blackmail und schütteln mit „The Good Part“ mal eben eine luftigleichte Popnummer aus dem Ärmel. Bei allem sonnigen Gemüt, durchzieht den Song eine sanfte Melancholie, wie sie nur die Koblenzer erzeugen können. Den vorläufigen Höhepunkt der Scheibe liefern sie dann mit „It´s Always A Fuse To Live At Full Blast“ ab. Das Bassspiel treibt den Song an. Veredelt wird alles durch orientalische Klänge, welche dem Track etwas mystisches verleihen. „Shshshame“ rockt und hebt sich durch seinen eher psychedelischen Gesang von der breiten Masse ab. Puh, da haben die vier Koblenzer aber bisher ein Album vorgelegt, dass einem als Zuhörer schon ein klein wenig den Mund offen stehen lässt. Beeindruckend! Das balladeske und melancholische „Speedluv“ lassen einen wieder etwas runterkommen. Logisch, dass die Qualität und das Niveau nicht in diesen Höhen gehalten werden konnte. So fallen Songs wie „U Sound“ und „The Mentalist“ etwas ab, sind aber keineswegs schlecht. „Swinging Exit“ und „So Long Goodbye“ beenden die Scheibe sperrig und in Blackmail-Manier.
Fazit: „Tempo Tempo“ ist eine Großtat einer deutschen Band, die sich wohltuend aus der Masse abhebt. Vermutlich wird diese (leider) wieder nicht mitbekommen, was die Band da wieder musikalisch geleistet hat. Kann einem im Grunde ja auch egal sein, bleibt nur zu hoffen, dass die vier Jungs von Blackmail nicht irgendwann alles hinschmeißen. In dieser Form sollten sie jedenfalls noch lange, lange Alben aufnehmen. Es gibt genug Menschen da draußen, denen bedeutet diese Musik eine ganze Menge, alle anderen wissen ja garnicht, was sie verpassen…!
http://www.blackmail-music.com