Im Grunde ist ein „Very Best Of“-Album von Billy Idol ungefähr so sinnvoll, wie Holz in den Wald zu tragen. Mit der „Greatest Hits“-Scheibe gibt es ja bereits eine ähnliche Werkschau. Sinn macht es allerdings dann, wenn man direkt zur Special Edition im schmucken Digipack greift. Die Aufmachung ist nicht nur erstklassig, sondern als besonderes Schmankerl liegt erstmals eine DVD bei, die Videoclips all jener mustergültigen Hits vereint, die vor allem die 80er Jahre um denkwürdige Klassiker bereichert haben.
Die CD hat achtzehn Songs des Mannes zu bieten, vor dem uns unsere Religionslehrerin immer gewarnt hat. Warum eigentlich noch mal genau? War es das Aussehen? Die angeblich ach so wilden Konzerte? Laut besagter Religionslehrerin hat Herr Idol sogar während seiner Konzerte vor Publikum uriniert. Ein wasserstoffblonder Teufel also. Hat uns das damals geschockt? Irgendwie nicht, dafür war Herr Idol nämlich zu sehr Popper und die Musik einfach zu brav.
Nachdem sich der Engländer in seiner Heimat erfolglos in verschiedenen Bands mit Punkwurzeln versucht hatte, wandert er 1981 in die USA aus. Dort angekommen nimmt ihn der Kiss Manager unter die Knute und verpasst ihm mit Produzent Keith Forsey nicht nur einen neuen Sound, sondern auch ein etwas anderes Image. Die wasserstoffblonden Igelhaare sind auch heute noch sein Markenzeichen. Der Sound, mit dem er fortan die Welt erobern sollte, hat nur noch ganz entfernt was mit Punk zu tun, sondern ist ein Spiegelbild der 80er und dürfte in seinen zum Teil seichten Gewässern auch die ein oder andere - Achtung Klischee - Hausfrau erfreut haben.
Trotzdem oder gerade wegen dieser Qualitäten ist „The Very Best Of“ ein Aha-Erlebnis. In seiner Gesamtheit gesehen ist es nämlich erstaunlich, wie viele Hits der Mann der Welt bisher geschenkt hat. Den ein oder anderen Song hat man dabei fast vergessen und gar nicht mehr mit Billy Idol in Verbindung gebracht. „Dancing With Myself“ und „Hot In The City“ sind sicher nicht die bekanntesten Stücke von Idol, geben die Richtung mit poppigen Rhythmen und dieser markanten Stimme schon vor. Natürlich dürfen die großen Knaller vom Schlage „White Wedding“, „Rebel Yell“ und „Eyes Without A Face“ nicht fehlen. Besonders letzterer und das folgende „Flesh For Fantasy“ sind in Stein gemeißelte Monumente des Entstehungsjahrzehnts. Kennt jeder, bringt nur nicht jeder mit Billy Idol in Verbindung. Seinerzeit bildet Billy Idol mit Steve Stevens ein unschlagbares und kongeniales Songwriterteam. Eine Sternstunde hatte Idol mit „Sweet Sixteen“. Bis zum Erbrechen wurde der Song gespielt und hat auch heute noch nichts von seiner Faszination verloren und ist vermutlich der zeitloseste Track, den er je aufgenommen hat. Die Spaßnummer „Mony, Mony“ funktioniert heute ebenfalls immer noch prächtig. In den 90ern hatte Idol nicht nur einen schweren Motorradunfall, sondern auch sein Stern begann zu sinken. Mit „Cradle Of Love“, „L.A. Women“ und „Shock To The System“ wird diese Zeit aus den Alben „Charmed Life“ und „Cyberpunk“ ebenfalls gewürdigt. Als zusätzlichen Kaufanreiz hat Idol mit „John Wayne“ und „New Future Weapon“ zwei okaye, neue Tracks aufgenommen, die zum Teil an Marilyn Manson erinnern.
Billy Idol war zudem aber auch immer untrennbar mit seinem visuellen Image verbunden. Neben der Igelfrisur, sind da natürlich die Lederklamotten, der Blick, die Faust und die hochgezogenen Oberlippe im Gedächtnis verankert. Davon gibt es reichlich auf der beiliegenden DVD zu bewundern. Vom 80er Trash-Video „Dancing With Myself“ mit reichlich Zombies, über „White Wedding“, welches mit den in Lack- und Leder gepressten Damen heute für einen Lacher gut ist, bis hin zum Livevideo „Mony, Mony“ wo besonders Steve Stevens mit einer beeindruckenden Frisur und Rockstarposen nicht gerade geizt und man sich kaum vor Lachen auf der Couch halten kann. Die Geschmackspolizei hat in den 80ern wohl komplett versagt. Das schwarzweiß Video von „Sweet Sixteen“ erscheint im Nachhinein für ein paar wenige Momente einen Blick auf den wirklichen Billy Idol zu gewähren und weniger auf die Kunstfigur. Natürlich gab es per ausgestrecktem Mittelfinger auch hier einen kleinen Skandal. Billy Idol halt. Insgesamt sind diese dreizehn Videos eine absolute Bereicherung für jede Musiksammlung. Hier kann man ein komplettes Jahrzehnt mit all´ seinen Konsequenzen bewundern. Manches mag heute regelrecht lächerlich anmuten und trotzdem versprüht dies so viel Charme, dass man sich die Clips immer wieder gerne angucken wird – versprochen!
Fazit: Irgendwie sollte jede Musiksammlung mindestens eine Scheibe von Billy Idol enthalten. Mit „The Very Best Of“ gibt es nun eine umfassende Werkschau, die Hit auf Hit zu bieten hat. Es ist beeindruckend und überraschend zugleich, wie viel Songs man eigentlich von Billy Idol kennt. Man sollte allerdings direkt zur Special Edition in dieser prachtvollen Aufmachung greifen, denn die beigelegte DVD mit den dreizehn Videoclips ist unverzichtbar!