Mit eher gemischten Gefühlen fahre ich gen Düsseldorf. Meine Erwartungshaltung gegenüber dem Live-Auftritt von Ben Harper und seinen Mitstreitern ist schon recht groß, auf der anderen Seite wurde genau diese etwas gedämpft, da auch einige Fanstimmen mittlerweile der Meinung sind, dass die Band der langen, langen Tour Tribut zollen (muss) und etwas ausgebrannt erscheint. Zudem soll das Konzert am Vortag in Frankfurt nicht ganz so berauschend gewesen sein. Mal abwarten und selbst ein Urteil bilden. In Düsseldorf angekommen, kann man vor der Halle trotz winterlichen Temperaturen die freudige Spannung spüren. In der Halle selber gibt es dann aber erstmal eine herbe Enttäuschung. Die Tribünen sind heute fast komplett mit Vorhängen abgehangen. Das lässt schon erahnen, dass das Konzert alles andere als ausverkauft zu sein scheint. Der Innenraum ist auch eher noch spärlich gefüllt und bietet auch später noch genügend Platz für Bewegungsfreudige. Schade! Da stellt sich die Frage, warum da nicht eine kleinere Location gebucht wurde. Dies soll aber der einzige Wermutstropfen eines genialen Abends bleiben und darüber hilft auch erstmal eine Kaltschale hinweg. Schon die ersten Töne von „Both Sides Of The Gun“ fegen sämtliche Zweifel weg. Die folgenden 2 ½ Stunden umschreibt man am besten mit einem Wort - Wahnsinn! Egal ob „Don’t Take That Attitude To Your Grave“, „Waiting For You“, „Faded“ oder „Black Rain“, mit dem der erste Show-Teil beendet wird, sensationell was Harper und Band da auf die Bühne zaubern. Die Band spielt traumhaft sicher zusammen. Ben Harper lässt auch seinen Mitstreitern genügend Raum sich zu entfalten und so dürfen diese auch eindrucksvoll unter Beweis stellen, welche Könner sie an den Instrumenten sind. Dezente Videosequenzen unterstreichen hier und da die Songs. Großer Schnickschnack und Brimborium braucht es hier auch nicht, die Musik steht und spricht für sich. Ein besonderes Lob muss man mal den Verantwortlichen für den Sound aussprechen. Selten kann man auf Konzerten einen so klaren und druckvollen Klang, jenseits von Brei vernehmen. Selbst Nuancen lassen sich so ohne Probleme heraushören. Klasse und Danke dafür! Der zweite Showteil wird von Mr. Harper alleine bestritten. Der wunderschöne ruhige Part weiß auch auf ganzer Linie zu überzeugen. Von „There Will Be A Light“ bis zu „Pleasure And Pain“ baut der Meister einen unglaublichen Spannungsbogen auf, es knistert förmlich in der Luft. Störend sind hier nur die Dampfplauderer. Das ist nicht nur unhöflich gegenüber den anderen Konzertbesuchern, sondern auf gegenüber dem Künstler. Leider immer wieder auf Konzerten zu beobachten. Schluss ist danach allerdings noch lange nicht. In kompletter Bandbesetzung geht es dann mit dem Bob Marley Klassiker „Get Up, Stand Up“ weiter. Schon bei „With My Own Two Hands“ gab es ein Snippet von Marley´s „War“ zu hören. Der obligatorische Schluss bildet dann bei voller Hallenbeleuchtung „Better Way“. Denkste! Wer nun die Halle verlässt, der hat leider Pech gehabt, denn „Amen Omen“ und „Diamonds On The Inside“ werden auch noch raus gehauen – Hammer! Dies unterstreicht, dass das Konzert für die Band selber auch etwas ganz Besonderes sein muss, drei Zugabenblöcke gab es nämlich bisher auf keiner Show der laufenden Europatour. Fazit: Wer Ben Harper noch nicht live gesehen hat, der sollte dies schnellstmöglich nachholen. Absolut klasse, was der Mann und seine Band den Konzertbesuchern da um die Ohren hauen. Rock, Roll, Blues, Funk, Reggae, afrikanische Einflüsse – sensationell. Mir persönlich bleibt es ein Rätsel, warum der Mann in unseren Breitengraden weniger bekannt ist und ein Clown wie Lenny Kravitz sich größer Beliebtheit erfreut. Ein Grund kann natürlich auch sein, dass der künstlerische Anspruch bei Harper enorm hoch ist, auf Platte, wie auch live. Mit seinem aktuellen Silberling hat der Mann eines der besten Alben diesen Jahres abgeliefert und auch live dürfte er mehr als eine Duftmarke hinterlassen haben. Ich wiederhole mich gerne – Wahnsinn!
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Ben Harper, 01.11.2006, Düsseldorf, Philipshalle
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