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Ben Becker: Die Bibel - eine gesprochene Symphonie

(SPV)

Autor: DJ / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Cover Ben Becker Die Bibel eine gesprochene SymphonieBen Becker brachte sich in den letzten Monaten vor Allem mit drei Dingen ins Gespräch: 1) Drogen und Alkohol haben ihn beinahe direkt zu seinem Schöpfer geschickt, 2) angeblich hat er ein paar Kumpels mit dem Hitlergruß begrüßt (was der Schauspieler und Musiker aber bestreitet) und 3) inszeniert er eine Bibellesung auf deutschen Bühnen.

Die dritte Episode steht mit den ersten beiden Episoden in keinem Zusammenhang, denn Grund für die Lesung war – so erklärt Becker im ‚Making Of’ auf der DVD – ein Song von Dolly Parton, den Becker einmal die Showbühne hinuntersteigend singend wollte. Und den er dann irgendwie auch mit der Bibel in Verbindung brachte. Gut, die Nummer heißt nun auch einmal He’s alive. Und Becker beendet damit passend den zweiten Teil der DVD (und auch die Show), nachdem er sich zuerst durch das Alte und dann das Neue Testament gearbeitet hat.

Arbeiten ist das richtige Wort. Denn die Bibel vortragen heißt bei Ben Becker malochen. Tief aus der Brust mit schwerem Herzen und weiten pathetischen Gesten schildert er den 3000 Anwesenden im Berliner Tempodrom die Schöpfung, verjagt Adam nach dem Sündenfall mitsamt Eva und neu erweckter Scham aus dem Paradies und lässt schließlich Kain den Abel erschlagen. Schwitzend wie einst Elvis stimmt er danach dessen In the Ghetto an, was Becker irgendwie passend fand. Der Zuschauer mag dies in diesem Moment als ungewöhnlichen Einschitt erleben und dankt es Becker, wenn er mit der Arche Noah zurück zum Originaltext findet.

Der Turmbau zu Babel, Moses und der Auszug der Israeliten aus Ägypten und Samson und Delila (ohne Tom Jones Cover) sind weitere Episoden aus dem Buch der Bücher, bei denen Becker mit stampfendem Grollen Bibelgeschichten zum Massenevent werden lässt. Während gewöhnlichen Pfaffen sich dabei einzig und alleine auf Ihre Ausstrahlung und die Macht der heiligen Worte verlassen, setzt Becker dabei neben seiner Zero Tolerance Band auch auf das Deutsche Filmorchester Babelsberg und im Hintergrund laufende, atmosphärische Videos.

Der Star des Spektakels ist aber klar Becker himself, seine ausgeprägte Stimme und sein von Anstrengung gezeichnetes Gesicht. Nach dem Alten Testament sieht er dann auch so aus, als hätte er sowohl Abel erschlagen, die Israeliten aus Ägypten geführt und sich im Bauch eines Wals befunden. Allerdings fällt auch auf, dass Becker nicht wirklich interpretiert, sondern eher - trotz allem Pathos und ausholender Gesten - recht sachlich und nüchtern vorträgt. Einzig beim zweiten Teil, bei der Kreuzigung Jesu, lässt er Schmerz und Trauer in seiner Stimme zu. Auch wenn er es selbst gar nicht so mit dem Glauben hat.

Der Kirche hat es angeblich beinahe vor Sehnsucht das Herz zerrissen, als Becker das Neue Testament gelesen hat. Weniger Involvierten dürfte der multimediale Kommunionsunterricht aber auch deutlich mehr Spaß machen als die dröge Messe sonntagmorgens, zumal Beckers Intention die reine Unterhaltung nicht die Bekehrung ist. Aber wer weiß, wenn der gute Ben einmal seine Skandale im Griff hat, vielleicht wird er doch noch Papst.

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