“Bingo”, das Soloalbum von Die Ärzte Drummer Bela B. ist inzwischen seit gut zwei Monaten am Markt und gerade erscheint die „1. 2. 3. …“ Single Auskopplung, die unter der Mitwirkung von Charlotte Roche entstanden ist, in den CD Läden der Republik. Da fragt man sich, warum erscheint hier erst jetzt eine Rezension zu dieser Langrille. Ganz einfach! Erstens ist es nie zu spät für eine Rezension zu einem coolen Album und zweitens ist vorliegendes Album wohl erst extrem kurz vor der Veröffentlichung fertig gestellt worden. Dementsprechend unfertig war dann doch die Promo-CD, die mir zwecks Besprechung ins Haus flatterte, denn es fehlten noch einige Song und die Songs, die bereits den Weg auf den Rundling gefunden hatten, waren ungemastert. Seitens des Labels hat man auf diesen Umstand zwar sehr charmant und mit humoriger Note im Artwork der Promo hingewiesen, aber ehrlich gesagt hat das alles in allem für mich nicht als Grundlage einer Bewertung getaugt. Ehrlich gesagt war ich nach dem Genuss der Promo sogar mächtig enttäuscht von dem Release, weil sich so gar kein freudiges Gefühl bei den Klängen einstellen wollte. Inzwischen habe ich das Werk käuflich erworben und musste feststellen, der Unterschied zwischen Promo und fertigem Produkt ist wie Tag und Nacht. Das fängt schon beim Betrachten des wirklich großartigen Digipack an, das dieses Werk stilvoll umhüllt und in dieser Form bislang ziemlich einzigartig sein dürfte. Ich jedenfalls habe so etwas bislang noch nicht in Händen gehalten. Aber auch musikalisch stellt sich hier im Gegensatz zur Promo augenblicklich ein wirklich gutes Gefühl ein, denn die Songs sind durch die Bank so homogen stark, dass es einem schwer fällt, seinen Favoriten auf der CD auszumachen. Starke Titelaspiranten in dieser Kategorie dürften vielleicht vor allem bereits erwähntes „1. 2. 3. …“, „Gitarre runter“, „Irgendetwas bleibt“ und „Lee Hazlewood & das erste Lied des Tages“ sein. Gerade letztgenannter Song ist ein echtes Highlight auf dieser Platte, weil Bela B. es tatsächlich geschafft hat, die Legende Lee Hazlewood zu einem Gastauftritt ins Studio holen konnte. Bei wem es jetzt bei diesem Namen nicht sofort klingelt, der sollte sich zumindest mal kurz mit Nancy Sinatra’s „These Boots Are Made For Walking“ auseinandersetzen. Fazit: Arzt-Kollege Farin Urlaub hat vorgemacht, wie man erfolgreich auf Solopfaden wandelt, und auch bei Bela B. darf man die ersten eigenen Schritte als Erfolg betrachten. Beide suchen den Erfolg sicherlich zu einem großen Teil in humorvollen, gelegentlich hintergründigen Texten, bewegen sich aber ansonsten stilistisch nicht wirklich auf einer Schiene. Bela B. kommt musikalisch bis auf wenige Spaß-Pop Einlagen überwiegend recht rockig daher und verbeitet mehr als einmal so ein angenehm staubiges Road-Feeling. Daumen hoch und 10 Punkte!
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Bela B.: Bingo TIPP
(BPX 1992 / Sony BMG)
Autor: Katze / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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