In Kanada sind sie megaerfolgreich, in Europa dagegen waren und sind sie immer eher ein Randgruppen-Act. Nein, nicht Bryan Adams! Ich rede von den Barenaked Ladies (BNL). Ihren Underground-Status werden sie hier auch mit „Are Men" nicht verlieren. Denn an die Qualität der Platten – allen voran "Gordon", „Stunt" und „Maybe you should drive" -, die sie zu Beginn ihrer Karriere vorlegte, kommt die Band nicht ran. Woran liegt das?
Eher belanglos dümpelt „Are Men" los, netter Radiopop, mehr nicht. „Serindipity", „Something you’ll never find", „One an only" – es düdelt und dauert und düdelt und dauert. Ich bin sauer. Schließlich sind BNL eine meiner Lieblingsbands. Okay, dass es dauert, das ist auf Vorgängerplatten nicht anders, die Ladies sind nun wirklich eine Band, der man Zeit gönnen muss, deren Songs anfänglich immer ziemlich normal und durchschnittlich klingen und die plötzlich zu wachsen beginnen.
Sie wachsen, auch auf "Are Men". Dennoch: Erst auf „Angry people" fräst sich mal ein Song ins Gehirn. Ansonsten bleibt man musikalisch über erschreckend weite Strecken harmlos. Es dräut: Das Alter holt auch die Ladies zunehmend ein. Sie sind inzwischen immer dann am besten, wenn Sie einen Gang zurückschalten, so wie auf „I Can I Will I do". Selbst die pfeilspitzen Texte – die immer noch auf einer Stufe stehen mit der Musik - sind inzwischen weicher geworden, man hat Familie, das Booklet hat wohl auch ein Kind mit Buntstift-Figuren veredelt.
Nichtsdestotrotz ist „Are Men" eine Platte, die immer noch besser ist als 95 Prozent der Durchschnittsveröffentlichungen.