Der Herbst hat unweigerlich Einzug gehalten. Zwar kämpfen die letzten Sonnenstrahlen dagegen an, aber die Temperaturen haben doch merklich nachgelassen. Dass im Luxor zur frühen Abendzeit trotzdem eine wohlige Wärme herrscht, ist einem ganz anderen Umstand zu verdanken. Am Freitag dem 17.10.2008 gaben die Backyard Babies ein Gastspiel in Köln und viele, viele Freunde der gepflegten Musik und härteren Gangart sind gekommen um sie zu sehen. Einlass war schon um 18 Uhr und der Beginn leider mit 19 Uhr auch entsprechend früh. Der ein oder andere verpasste daher das Vorprogramm. Pünktlich zum Beginn der Backyard Babies schien die Bude aber aus allen Nähten zu platzen.
Als Nicke Borg, Dregen, Johan Blomquist und Peder Carlsson die kleine Bühne betreten, gibt es kein Halten mehr und der ganze Laden wird von links auf rechts gedreht. Die vier Jungs legen dann auch eine amtliche Rockshow auf die Bretter. Nein, bei den Backyard Babies gibt es kein Wischiwaschi, sondern hier wird die gute alte Tradition gepflegt, als Rock and Roll noch schmutzig und böse war. Gutes Posing ist alles und daran mangelt es bei den Backyard Babies wirklich nicht. Dass die ganze Kiste allerdings nicht zur Farce oder Parodie verkommt ist den Songs zu verdanken.
Ja, die Backyard Babies brennen ein wahres Feuerwerk aus allen Karrierefacetten ab. Die wilde Meute feiert sich und die Band und so ist der Spaßfaktor recht groß. Nicke lobt zwischendurch immer wieder das Publikum und schüttet ganze Wagenladungen an Komplimenten für die Kölner aus. Anfänglich denkt man noch, dass er dies vermutlich jeden Abend über eine andere Stadt erzählt, doch so nach und nach nimmt man es ihm ab. Er berichtet darüber, wie er tagsüber durch die Kölner-Straßen gerannt ist und dabei Erinnerungen an den schwierigen Entstehungsprozess des aktuellen Albums hochkamen. Dass das Luxor vormals Prime Club hieß war ihm ebenso präsent. Ja, die Backyard Babies haben sich auf ihr Kölner-Publikum gefreut und dies nimmt man ihnen letztlich ab.
Fixpunkt der Show ist natürlich – wie immer – Dregen. Dieser kleine Rock and Roll-Derwisch ist aber auch eine Show für sich. Spätestens, als er an das Mikro tritt und mit Reibeisenstimme „Fuck Off And Die“ auf die Menge losfeuert steht der Saal Kopf. Egal ob von „People Like People Like People Like US“ oder Makeing Enemies Is Good“ – jede Nummer ist ein Volltreffer. Die neuen Songs fügen sich erstaunlich gut ins Programm ein und so wird natürlich auch ein Track wie „Idiots“ dankbar aufgenommen. Interaktionen mit dem Publikum gibt es immer wieder und so werden nicht nur die Leute im hinteren Teil des Clubs angesprochen, sondern auch gerne mal eine Mütze aus dem Publikum angezogen oder sogar gepflegte Konversation betrieben. Die Stimmung ist auf der Bühne entspannt bis ausgelassen. Selbst kleinere Feedback- Gitarrenprobleme bei Nicke stören den gelungenen Abend nicht. Dann wird halt mal kurz improvisiert oder ein kurzes „Smoke On The Water“ eingestreut.
Wenn Nicke mit voller Hingabe alleine die Zugabe „Saved By The Bell“ singt ist es selbst um den bis dato pogenden Punk in vorderster Front geschehen. Ja, man nimmt den Babies die großen Rock and Rollgesten ab. Insgesamt ist nach knapp 80 Minuten der Zauber vorbei und die Protagonisten vor und auf der Bühne haben sich total verausgabt. Das ist gelebter Rock and Roll, der eine Menge Spaß macht und absolut sympathisch und authentisch wirkt. Wo immer die Backyard Babies auch ihre Zelte aufschlagen – geht hin, seht sie euch an und kniet nieder vor einer der letzten Vertreter des Rock and Roll. Danke!