Ayo ist in jeglicher Hinsicht eine bemerkenswerte Künstlerin. Erlebt hat sie in so jungen Jahren sowieso schon so einiges. Geboren wurde sie in der Nähe von Köln als Tochter eines nigerianischen Vaters und einer rumänischen Mutter. Schon früh verließ sie allerdings Deutschland und lebte einige Zeit in Nigeria. Irgendwann verschlug es sie nach London, wo sie allerdings auch nicht lange blieb und letztlich nun zwischen Paris und New York pendelt. Musikalisch kam sie recht früh mit der Geige in Berührung, um sich dann allerdings auch intensiv dem Klavier zu widmen und sich schließlich als Autodidaktin das Gitarrespielen selbst beizubringen.
Viel bemerkenswerter ist allerdings ihr musikalisches Schaffen. Ihr Debütalbum „Joyful“ wurde in sagenhaften 5 Tagen aufgenommen – live! Auch der Nachfolger „Gravity At Last“ wurde wieder als „Live-Mitschnitt“ aufgenommen!! Zudem wurde das Werk analog aufgenommen!! Als Ort suchte sie sich die Compass Point Studios auf den Bahamas aus. Herausgekommen sind dreizehn Songs. Dreizehn Songs die einem die Luft zum atmen rauben werden!
Ja, was Ayo hier abliefert ist sensationell. Zum einen kann sie auf sehr gutes Songmaterial aus der eigenen Feder zurückgreifen und dann wären da noch die beteiligten Musiker, die allesamt Größen auf ihren Gebieten sind. Und dann ist dann noch diese unglaubliche Stimme. Nein, Ayo hat nicht diese Soul-Stimme, wie sie momentan so angesagt sind, sondern sanfter und weicher, ohne allerdings an Dringlichkeit einzubüßen. Trotzdem ist das unter dem Strich irgendwie als Soul zu bezeichnen. Erdiger Soul mit sehr vielen rockigen Elementen, gerne auch mal eine Slide-Guitar, angereichert mit Versatzstücken von Weltmusik. Nie belanglos, aber immer berührend!
Nach dem treibenden Albumopener „I Am Not Afraid“ schüttelt sie mit „Maybe“ mal eben einen stampfenden Blues-Klopper aus dem Ärmel, dass man sich schon selber in den tiefsten Sümpfen wähnt. Aber auch Songs, die eher spärlich und dezent instrumentiert sind, wie „Slow Slow (Run Run)“ und stark von der Stimme getragen werden, überzeugen auf ganzer Linie. Zudem hat Ayo ein feines Gespür für eine groovige und funkige Grundausrichtung. Die traurigen und melancholischen Momente lassen einen innehalten und berühren zutiefst. „Love And Hate“ und „Get Out Of My Way“ sind Kleinode und verbreitern eine ganz besondere Atmosphäre. Beim Pianogetränkten „Better Days“ hat man dann endgültig einen dicken Klos im Hals. Selbst nach hinten raus verliert die Scheibe nicht an Zauber. „Sometimes“ oder „Thank You“ halten das Niveau bis zum Schluss bis zum Anschlag hoch!
Fazit: „Gravity At Last“ ist ein ganz spezielles und besonderes Album. Die Wärme, die diese Scheibe ausstrahlt, hat man lange nicht mehr gehört. Authentisch und erdig schält sich schon ein fast vergessener Klang aus den Boxen. Musik, die zwischen all diesen glatten Produktionen herausragt und einfach nur ehrlich klingt. Habe ich schon erwähnt, dass ich begeistert bin? Nein? Ayo und ihre Musik begeistern mich!