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Attacke Royal: Ausverkauft

(Sony BMG)

Autor: schlimm / Wertung: 7 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Attacke Royal haben sich vor fast fünf Jahren gegründet und machen sich nun auf mit ihrem Album „Ausverkauft“ die Republik zu erobern. Keine Angst, wem die Band jetzt so überhaupt nichts sagt, hat die letzten Jahre nicht verschlafen und nein, die Gruppe war bisher auch nicht erfolglos, es handelt sich hierbei schlicht um das Debütalbum. Musik muss halt reifen wie ein guter Wein. Eine EP gibt es freilich schon. Diese wiederum konnte sogar einen kleinen Erfolg einfahren und entwickelte sich schnell zum Insidertipp. Ein Fan schickte das Teil an einen süddeutschen Radiosender. Die Macher zeigten sich relativ begeistert und nahmen „Sexy“ mit ins Programm auf. Die Hörer wiederum waren ebenfalls mehr als angetan und wählten die Nummer immer wieder auf Platz eins der Netzcharts.

Nun also „Ausverkauft. Die Geburt der Scheibe ist kein Schnellschuss, da die fünf Bandmitglieder auch noch anderweitig musikalische Verpflichtungen hatten und noch haben. Entstanden ist die ganze Kiste in Berlin. Der Entstehungsort ist allerdings noch kein Indikator für die musikalische Ausrichtung. Klar, man singt deutsch, der Albumtitel verrät es schon. Man könnte hier und da auch die ein oder andere Schublade aufziehen und Attacke Royal einsortieren. Für die Band als großes Ganzes ersparen wir uns das aber an dieser Stelle.

Kurz eingezählt und dann geht es auch direkt mitten rein ins Geschehen. „Lalalauwarm“ ist sicher der perfekte Albumopener. Druckvoll und mit Mitschreieffekt im Refrain macht die Nummer durchaus Lust auf mehr. „Sexy“ ist besagter Track, der Attacke Royal zu besagtem Bekanntheitsgrad verholfen hat. Insgesamt hat der Song zwar jetzt keinen Innovationspreis verdient, aber das braucht es ja auch nicht immer. Rockig und mitreißend, mit einer kleiner Portion Melancholie im Hauptteil und fertig ist ein kleiner Hit für das Radio. Ausgefeilter im Songwriting weiß „Ein Sack voll Engel“ zu gefallen. „Bye Bye Kleinstadt“ ist ein Rückfall in die 90er und erinnert an selige Zeiten und dies ist als Kompliment gemeint. Übrigens setzt die Band immer im richtigen Moment ein Instrument aus fast vergangenen Tagen ein – die Orgel. „Für mich“ rockt wie Hölle, bedient sich aber eben auch bei diesem Instrument. Eine Spaßnummer, die solchen auch wirklich verbreitet und die Nanana-Chöre werden sich auf Konzerten sicher noch bewähren. Attacke Royal haben aber auch die leisen, nachdenklichen und melancholischen Töne im Gepäck. „Alchemie“ ist eine solche Nummer und dazu noch erfreulich unpeinlich geraten, besonders textlich, was in der deutschen Sprache auch nicht immer so einfach zu sein scheint.

Die zweite Albumhälfte beginnt mit „Star“ in ähnlichem Fahrwasser. Ein luftigleichter Song wie „Honig“ ist ganz nett und transportiert ein gewisses Sommergefühl. Immer kann man sich den Track allerdings auch nicht geben, denn bisweilen kann das auch nerven und hier ist der Orgeleinsatz ausnahmsweise manchmal etwas zu viel des Guten. „Indien“ erinnert wieder an die 90er und ist in Nationalgaleriegefilden angesiedelt. „Liebeshölle“ ist nett, mehr aber auch nicht. „Rätsel der Jugend“ gibt in der Tat Rätsel auf. Haben Attacke Royal den Track wirklich selber geschrieben? Etwas Gegenteiligeres findet man jedenfalls nicht im Booklet. Da darf man nur hoffen, dass Placebo dieses Rätsel nie lösen werden, denn dies hier hört sich an wie eine eingedeutschte Version von „Pure Morning“. „Minderheit“ lässt die Scheibe dann ruhig, aber auch schön ausklingen. Musikalisch ist der Song wiederum stark an „Der Weg“ von Grönemeyer angelehnt.

Fazit: Attacke Royal machen über weite Strecken schön rockig angehauchten Deutschpop. „Ausverkauft“ ist ein solides Debütalbum geworden, welches allerdings auch hier und da verdammt viele Erinnerungen und eine starke Nähe zu bereits bekannten Songs aufweist, nicht, dass da noch Tantiemenzahlungen ausstehen. Alles in allem macht das Album aber einen Mordsspaß, die Attacke ist gelungen.

www.attackeroyal.de

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