Kam die Debütsingle „Formed A Band“ und das Erstlingswerk „Bang Bang Rock ´n´ Roll“ noch völlig unerwartet und wie aus dem Nichts, wartet die Welt jetzt förmlich auf ein neues Album von Art Brut. Die Band um Eddie Argos traf wohl seinerzeit mitten ins Schwarze. Seinerzeit war in Deutschland übrigens im Mai 2006, da die Scheibe erst nach und nach lizenziert wurde. Weltweit schlug die Musik ein wie die sprichwörtliche Bombe und konnte auch jenseits des großen Teichs viele Anhänger gewinnen. „Formed A Band“ wurde vom US Rolling Stone direkt mal als Single des Jahres auserkoren und das Spin Magazin kürte Art Brut zu einer der 15 besten Live-Bands der Welt. Prominente Fans gab es natürlich auch in Hülle und Fülle. Art Brut waren halt irgendwie anders als die ganzen anderen so angesagten britischen Bands.
Und Art Brut sind auch heute noch anders. Auch wenn jetzt alle Augen der Musikwelt auf das neue Album gucken und sich jeder draufstürzen wird um das „ach doch so schwierige zweite Album“ auf Herz und Nieren zu überprüfen und das berühmte Haar in der Suppe gesucht wird, versucht die Band gar nicht erst zwanghaft irgendwelche Erwartungen zu erfüllen oder eben nicht zu erfüllen. Nein, sie bleibt sich selber treu und beschert der Welt ein weiteres Album mit ihrem ureigenen Stil und Charme.
Natürlich ist der Aha-Effekt nicht mehr ganz so groß wie bei „Bang Bang Rock ´n´ Roll“. Sämtliche Elemente sind auch auf „It´s A Bit Complicated“ vertreten. Eddie Argos kann immer noch nicht singen und kommt mit einer – seiner – Art von Sprechgesang daher. Die Gitarre(n), der Bass und das Schlagzeug spielen diesen so charakteristischen Sound und natürlich gibt es auch wieder einen Backroundgesang, der chorähnliche Züge aufweist. Garniert wird die ganze Geschichte mit Melodien, die sich schon beim zweiten Durchlauf in die Gehirnwindungen fräsen und doch ist irgendwas anders. Insgesamt klingen die elf Tracks erwachsener, reifer und ausgefeilter und unter dem Strich kommt dabei sogar ein Album raus, welches das Debütalbum locker in die Schranken weist.
Der Opener „Pum Up The Volume“ kommt noch etwas hektisch und ungelenk daher, aber schon „Direct Hit“ sagt schon mit dem Titel alles aus. Ein verdammter Ohrwurm von einem Song dringt da in die Gehörgänge - ein Pophit erster Kajüte. Den Albumhöhepunkt gibt es dann mit „St Pauli“ direkt obendrauf. Argos intoniert hier in charmantem, brüchigem Deutsch „Punkrock ist nicht tot“. Ja genau, aber in erster Linie sind Art Brut nicht tot, im Gegenteil, hier gibt es das pure Leben zu hören. Weitere Zeugnisse feinster Popkunst sind dann „People In Love“ und das mit einer Trompete und Uhu-Chören versehene „Late Sunday Evening“. Die erste Albumhälfte klingt dann mit „I Will Survive“ zwar rockig aus, aber in Anbetracht der vorher gehörten Songs schon fast etwas belanglos.
Mit „Post Soothing Out“ schraubt die Band ihr Hitgespür noch mal eine Stufe höher. Ein einfaches aber umso effektiveres Gitarrenthema setzt sich im Ohr fest und wird einen unter Garantie den ganzen Tag begleiten. „Blame It On The Trains“ fällt danach leicht ab, aber man kann ja auch nicht immer im Endspiel um die Weltmeisterschaft stehen, Halbfinale ist ja auch manchmal ein Erfolg. Bei „Sound Of Summer“ ist der Titel Programm, große Melodie(n) für den Sommer. Auf „Nag Nag Nag Nag“ kann man Eddie fast singen hören, aber auch nur fast. Ein typischer Singlessong, mit einem weiteren einprägsamen Gitarrenthema. Mit „Jealous Guy“ gibt es dann einen Albumabschluss, wo sämtliche Stärken der Band noch mal aufgefahren werden.
Fazit: Na, wer meint sämtliche Songtitel schon zu kennen? Erinnern insgesamt doch verstärkt an bereits sehr bekannte Hits. Wie sagt Eddie Argos? „Wir haben Humor, aber wir sind kein Witz“. Dies trifft den Nagel absolut auf den Kopf. „It´s A Bit Complicated“ macht da weiter wo „Bang Bang Rock ´n´ Roll“ aufgehört hat, nur erwachsener und letztendlich besser. Was die Zukunft für Art Brut bringt wird sich noch zeigen und ob sich die Band mit dem Nichtgesang von Eddie Argos nicht selbst zu sehr limitiert, aber einstweilen ist das aufgrund dieser hervorragenden Tracks völlig egal.
Deutsche ART BRUT Seite mit Album-Prelistenig: