„U2 & I“ von Anton Corbijn aus dem Jahre 2005 kann mit Fug und Recht als das Referenzwerk in Sachen U2-Photografie angesehen werden. Nicht von ungefähr bekam das opulente Buch seinerzeit überall Bestnoten verliehen und konnte auch die GEO-Bestsellerliste auf Platz eins entern. Auch die überaus kritischen U2-Fans zeigten sich weltweit begeistert. Ganz billig war die ganze Angelegenheit nicht, 98 € kostete die Erstausgabe. Gerechtfertig war dies aber allemal, da die Aufmachung absolut edel geraten war und inhaltlich sowieso auf ganzer Linie überzeugen konnte.
Nun also kommt eine verkleinerte Ausgabe auf den Markt. Diese dürfte sich vornehmlich an diejenigen richten, die der bisherige Preis etwas abschreckte. Und wer hat in der heutigen Zeit, auch bei aller Qualität, mal eben 98 € für einen Bildband übrig? Das verkleinerte Prachtwerk ist mit 39,80 € vergleichsweise preisgünstig geraten. Geht dies nun zu Lasten der Qualität? Mitnichten, auch der vorliegende, etwas kleinere Bildband kann mit allen positiven Eigenschaften aufwarten, die der größere Bruder auch schon zu bieten hatte!

Wer nun ein Taschenbuch erwartet, wird Augen machen. Auch das neuerliche, erchwinglichere Buch ist absolut edel von der Aufmachung. Die Seitenzahl ist mit 416 und 380 Tafeln in Farbe und Duotone gleich geblieben. Was hat sich nun geändert? Das Format ist von 26x31cm auf knapp 20x24cm geschrumpft. Die deutsche Übersetzung ist nun nicht mehr in das Buch integriert, sondern liegt als Beilage bei, was aber absolut nicht störend ist und keine Verschlechterung darstellt. Durch das kleinere Format senkte sich selbstverständlich auch das Gewicht der Schwarte von 3,3 kg auf 1,8 kg. In die Tasche stecken kann man sich das Dingen zwar immer noch nicht, aber etwas handlicher schadet ja auch nicht.
Inhaltlich hat dieser epochale Bildband keine Änderung und Überarbeitung erhalten. Die hier vorliegenden U2-Photographien von Anton Corbijn der Jahre 1992 – 2004 sind immer noch das A & O ähnlicher Arbeiten im Rockzirkus. Auch in etwas kleinerem Format verlieren die Bilder nichts an ihrer Wirkung und Faszination. Viele handschriftliche Anmerkungen und Anekdoten (dafür auch die beiliegende Übersetzung) von Corbijn sind das sprichwörtliche Salz in der Suppe. Humorvoll lässt Corbijn den Betrachter an seinen Gedanken zu den einzelnen Aufnahmen teilhaben.
Wim Wenders bezeichnet ihn als „das fünfte Bandmitglied, das ein unhörbares Instrument spielt“. Dieses Instrument beherrscht er aber zweifelsohne wie kein Zweiter. Es ergibt sich somit nicht weniger als die Geschichte von U2 anhand der vorliegenden Photografien. Man darf als Betrachter so an dem Aufstieg einer der größten Bands aller Zeiten teilhaben. Bilder sagen halt manchmal mehr als viele, viele Worte. Nebenbei erlebt und durchlebt man so auch die Entwicklung des Fotografen Anton Corbijn. Beeindruckend, wie er seinen Stil gefunden und verfeinert hat. Gleichzeitig ist dieses kleine Meisterwerk somit nicht nur für U2-Fans ein Referenzwerk, sondern auch für alle Photografie-Interessierte und für Corbijn-Fans im Speziellen.

Das älteste Foto stammt übrigens aus dem Jahre 82 und wurde in New Orleans aufgenommen. Wohin die Reise für beide – Band und Fotograf – gehen würde konnte da noch niemand erahnen. Sie ging vorläufig bis in das Jahr 04, denn davon stammen die ältesten Aufnahmen. Jede U2-Epoche wurde kongenial eingefangen. Egal welche Phase der Band man favorisiert, die bildliche Umsetzung von Corbijn ist einfach einzigartig. Einen ersten Höhepunkt markierte da sicher die Aufnahmesession für das Joshua Tree Album-Cover. Die Achtung Baby-Ära läutete dann nicht nur ein anderes Image der Band ein, sondern war auch für viele, viele faszinierende Arbeiten zwischen Band und Corbijn verantwortlich. Als Betrachter darf man diese Zeiten wieder aufleben lassen. Viele Fotos dürften bekannt sein, aber auch viele, viele ungesehene Aufnahmen sind aus dem schier unerschöpflichen Fundus von Corbijn enthalten.
Fazit: Wer bisher noch zögerte und sich „U2 & I“ nicht zugelegt hat, der sollte nun endlich zugreifen, Ausreden gibt es keine mehr. Die verkleinerte Ausgabe hat alle Qualitätsmerkmale der größeren zu bieten, ist detailgetreu und ebenso edel. Eine rundherum gelungene Geschichte und dass die Bilder etwas kleiner sind, fällt (fast) nicht auf!
Photographs: Anton Corbijn / courtesy Schirmer/Mosel Publishers, Munich
