Mit einem neuen Anti-Flag Album bekommt man auch immer eine gehörige Portion Politik geboten. Die Band weiß vermutlich schon selber nicht mehr, für welche guten Zwecke sie sich in der Vergangenheit eingesetzt hat. Die könnten in der Tat die einzigen Musiker im Rockzirkus sein, die in dieser Hinsicht aktiver als Bono sind. Kritik ist daran sicherlich völlig unangebracht und eine Band, die in dieser Hinsicht nicht nur leere Worthülsen schwingt ist mit Sicherheit über jeden Zweifel erhaben.
An der neuen Scheibe hat mit Tony Visconti ein ganz Großer seine Zunft mitgewirkt. Er selber beschreibt seine Beteiligung als Spielplatz-Supervisor. Diese Konstellation könnte für Anti-Flag Fans noch eine schwere Nuss werden. Man hört „The Bright Lights Of America“ nämlich die Handschrift von Visconti an. Klar, der große Poppunk ist auch bei dieser Scheibe wieder deutlich hörbar, trotzdem werden Puristen die Nase rümpfen und vielleicht bemängeln, dass es hier und da etwas zu seicht zur Sache geht. Auch die politischen Themen klopfen manchmal durch die Hintertür an und nicht direkt vordergründig mitten ins Gesicht.
Auf der anderen Seite war es natürlich der ausdrückliche Wunsch der Band, große Arrangements, Streicher und orchestrale Perkussion auf dem Album unterzubringen! Ja, richtig gelesen, es gibt ein paar neue Seitenpfade auf einem Anti-Flag Silberling. Die Beteiligung von Sessionmusikern wurde dabei erfreulich gering gehalten. Fast jedes Perkussions-Gerät wurde sich von der University of Kentucky ausgeliehen und die Band spielte Pauken, Tubular Bells, Hand-Becken, Glockenspiel und lateinamerikanische Instrumente selber. Zwei Cellisten und zwei Trompeter wurden allerdings engagiert. Der Kinderchor setzte sich aus Kindern der Familien und Freunde zusammen.
Dieses ganze Brimborium macht das Werk äußerst interessant und hat leider manchmal auch eine gewisse Komik zu bieten. Immer dann, wenn die Band zu sehr das Glockenspiel bemüht, hat man unweigerlich Assoziationen an ein Weihnachtsalbum. Aber keine Angst, zu heimelig geht es hier natürlich auch nicht zu. Übrigens wird der Gesang wieder geteilt. Justin sing bei acht und Chris bei vier Songs, wohingegen natürlich auch in den einzelnen Tracks lustig gewechselt wird. Die übliche Länge eines Punksongs wird auch mehr als gesprengt und so gibt es auch mal 5 Minuten an einem Stück auf die Ohren.
Fazit: „The Bright Lights Of America“ ist zwar immer noch durch und durch Anti-Flag, hat aber einige interessante neue Nuancen zu bieten. Dies scheint dem Gesamtsound zwar nicht in allen Belangen zuträglich gewesen zu sein, macht aber in der Summe doch Spaß. Und mal ehrlich, wir wollen doch auch immer alle, dass sich eine Band (weiter-)entwickelt.