Die größte Überraschung im Genre Hörspiel lieferte in den letzten Woche das kleine Label Nuebbelita mit der vertonten Kurzgeschichte Die Geige Delacroix ab. Und befreit sich damit etwas vom Trash-Image, das man sich mit der Serie Generation 6 und dem Einzelhörspiel Killing Beauties verpasst hat. Denn die Geschichte von Andreas Günther kommt vollkommen ohne Kalauer aus, bietet dafür fiesen Grusel, der durchaus auch seinen Platz auf einer Necrophobia-Sammlung (LPL Records) verdient hätte.
Garanten für die erfolgreiche Umsetzung sind sowohl der engagierte Einsatz der (Laien-)Sprecher als auch die Kürze der Erzählung, die kompromisslos auf das bittere Ende zusteuert. Die Konzentration der Handlung merkt man dadurch auch dem Sprechercast an, der sich nicht durch überflüssige Dialoge quälen muss, sondern sich auf das Wesentliche beschränkt. Ganz stark ist Horst Kurth als Vater Ludwig Petersen. Neben ihm muss man auch Birgit Bockmann in der Rolle der satanischen Martinique Delacroix und Frederik Rolle als seine Tochter Gabriele Petersen hervorheben. Gerade dem schrecklichen Ende verleihen sie durch ihr Spiel Gestalt.
Mit knapp 30 Minuten bekommt man zwar viel Qualität, aber wenig Quantität geboten. Daher wird die CD noch mit Trailern und Outtakes voll gepackt. Hätte nicht sein müssen, drückt aber etwas das Gequacke nach ‚value für money’. Da die CD nur in einer geringen Auflage vorliegt, sollten Interessenten schnell zuschlagen. Lohnt sich definitiv!