Ein Jahrhundert ist vergangen, seit die Menschheit sich selbst disqualifiziert hat – Öko-Faschisten haben die komplette Stromversorgung gekappt, im anschließenden Chaos kam es zum Super-GAU und die Natur nutzte die Chance, sich der Beherrschung durch den Menschen zu entziehen und zurück zu schlagen. Nun gibt es nur noch den industrialisierten Norden, regiert vom Strombaron, den mittelalterlichen Süden mit seiner „Ewigdauernden Delegiertenversammlung“, vertreten durch Lord Hansen und dazwischen die Sperrzone, mit Viechern und Mutanten.
Irgendwo im Süden ist Walther, der Sieker, im Auftrag des Strombarons unterwegs – auf der Suche nach dem „Buch des Hüters“, denn es birgt brisante Informationen, die eine dramatische Wende einläuten könnten. Und daran hat keine der Seiten so wirklich Interesse. Unterwegs trifft er auf die Hexe Huya, den jungen Pejo und Dr. Tod und alle helfen sich gegenseitig auf die ein oder andere Art und Weise, ihren Weg zu finden.
Glanzstück des Buches ist definitiv die Darstellung der post-apokalyptischen Welt, die Andreas Dresen (ACABUS) erschaffen hat und die sehr eindrucksvoll beschreibt, welche langfristigen Konsequenzen sich aus dem „großen OFF“ ergeben könnten. Sowohl die früh-industrielle nördliche Welt Flusshaven, ist bedrückend geschildert, aber auch der mittelalterliche Süden Panäa, geplagt von Viechern und Lord Hansen, der keine Modernisierungen zulässt, macht betroffen, ohne dass Andreas Dresen die Moral-Keule auch noch explizit hätte schwingen müssen.
Die Figuren sind zunächst sehr zurückhaltend beschrieben, was ein Einfühlen nicht so einfach macht, aber im Laufe der Zeit lernt man sie und ihre Motive besser kennen, wobei sie dann nicht mehr absolut mitreißen können. Auch die Handlung fällt gegenüber den Beschreibungen etwas ab, wobei die Szenen in der Sperrzone richtig schön gruselig sind.
Fazit: Ein Blick in eine Welt “danach”, wie man sie sich tatsächlich vorstellen könnte – faszinierende und bedrückende Beschreibungen, denen man weniger aufgezwungene Moral gewünscht hätte, die aber durchaus lesenswert sind.
