Nach einigen Anstrengungen liegt nun doch noch ein neues Alter Bridge Album in den Läden. Die Anstrengungen bestanden im Ärger mit dem bisherigen Label, ein neues Album ohne einen Vertrag im Rücken aufzunehmen und ohne überhaupt zu wissen, wie es in Zukunft mit der Band aussieht. Man kann Alter Bridge sicher vieles vorwerfen, aber ganz sicher nicht, dass es die Jungs auf den schnellen Dollar angelegt haben. Die Band hatte nämlich im Vorfeld von „Blackbird“ einiges zu stemmen. Aus dem Vertrag ihrer bisherigen Plattenfirma haben sie sich aus eigener Tasche herausgekauft. Auch den finanziellen Teil der Albumaufnahmen mussten sie selber auf die Beine stellen. Dies sollte schon nachhaltig unterstreichen, dass es Myles Kennedy, Mark Tremonti, Brian Marshall und Scott Philips sehr ernst mit diesem Album ist und es hier mal in erster Linie wirklich um Musik zu gehen scheint. Es ist so was wie das Schicksal des Vierers, immer wieder bei Null anzufangen. Schon mit ihrem Debütalbum mussten die Überreste von Creed wieder von vorne beginnen. Nun mit neuem Label im Rücken auch wieder. In der Zeit zwischen den beiden Alben gab es nämlich aufgrund der problematischen Labelsituation auch keine offizielle Internetpräsenz. Die Fanbase wurde nur von Fanseiten gestützt!
Die Fans bekommen nun den Dank in Form von „Blackbird“. 13 Songs hat die Scheibe bei knapp einer Stunde Spielzeit zu bieten. Man sieht es jetzt schon wieder förmlich vor sich, wie die Grungeschublade aufgezogen wird. Ja, ja nach Creed wird der Band dieses Attribut wohl auf ewig nachhängen. Dabei hat die Geschichte hier so viel mit Grunge zu tun wie der 1.FC Köln mit der deutschen Meisterschaft – nämlich rein gar nix!
„Blackbird“ ist ein astreines Hardrockalbum. Geradezu klassisch kommt die Scheibe daher. Der Gesang von Myles Kennedy ist ebenfalls ein typisches Zeichen für dieses Genre. Altbacken klingt die ganze Geschichte trotzdem nicht! Auch diese Sparte der Rockschiene hat durchaus zeitlose Musik zu bieten und genau die hat „Blackbird“ zu bieten. Glasklare Stimme, Gitarrensoli, Bassläufe, druckvolle Drums, hymnenhafte Refrains, typische Balladen und natürlich die dicke Hose Produktion – alles da was eine gute Hardrockplatte ausmacht und braucht.
Schon der Beginn mit „Ties That Bind“ und „Come To Life“ macht klar wo der Hammer hängt. Mit bekannten Stilmitteln rockt es gleich amtlich los – auch wenn man das so oder so ähnlich natürlich schon Tausende Male gehört hat. Dies heißt natürlich nicht, dass es deswegen weniger Spaß macht. Die Matte darf hier jedenfalls gut geschüttelt werden und der Nacken sollte auch eine gewisse Belastbarkeit vorweisen. Mit „Brand New Start“ gibt es dann die obligatorische Ballade zu hören – wie so oft an diesen Albumstellen. Auch nix, was die Welt aus den Angeln hebt und auch diese Nummer glaubt man schon zu kennen. Trotzdem handwerklich sicher sehr solide. Danach fetzt „Buried Alive“ sehr lässig drauflos, bevor es mit „Coming Home“ sogar eine Spur ausgefeilter zur Sache geht und der Track einige interessante Wendungen zu bieten hat. „Before Tomorrow Comes“ dürfte so ziemlich jedem gefallen - von der Schwiegermutter bis zum Heavy-Metal Freak. Die Nummer ist, Verzeihung, ein verdammter Burner oder Smash Hit. Stadien dieser Welt, hier ist ein neuer Song für euch!
„Rise Today“ eröffnet die zweite Seite erst in etwas ruhigerem Fahrwasser, packt im Refrain aber natürlich wieder alles rein was geht und dann nehmen die vier Jungs auch wieder an Geschwindigkeit auf – rockt und macht Spaß. „Blackbird“ ist eine weitere balladeske Nummer, allerdings etwas subtiler und melancholisch angehaucht. „One by One“ ist auch eher im Midtempo-Bereich anzusiedeln und verläuft ein bisschen nach bekanntem Strickmuster. „Watch Over You“ hat mit seiner Lagerfeuerromantik danach allerdings eine kleine Überraschung im Gepäck. Mag kitschig sein, aber der Song hat definitiv was und jeder, der nicht gerade ein Eisblock ist, darf das auch gerne zugeben. „Break Me Down“ kommt anschließend nicht so richtig aus den Puschen und klingt auch eher wie nach dem Baukastensystem. Dafür ist „White Knuckles“ ein echter Stampfer. Hier darf man sich ein weiteres Mal ordentlich durchschütteln. Schnörkellos kommt die Band hier auf den Punkt. Die Platte endet mit dem schönen „Wayward One“ sehr nachdenklich. Das Herz des Songs ist ohne Zweifel die Stimme von Kennedy.
Fazit: Auch wenn Alter Bridge im Grunde das gesamte Album aus bekannten Versatzstücken zusammengestellt haben, macht es über weite Strecken doch recht viel Spaß. Ein paar schwächere Momente gibt es freilich auch. Handwerklich ist die Scheibe sowieso gut gemacht, von daher 7,5 schwarze Vögel - mit Tendenz nach oben!