Nehmen wir es gleich vorweg: Hoffentlich bekommt „Sparks of Ancient Light“ die entsprechende Promotion und Aufmerksamkeit, die ein Werk wie dieses einfach verdient hat. Das 17. Studio-Album des Schotten sollte nämlich von einem größeren Publikum entsprechend wahrgenommen werden. Wäre zudem schön, wenn sich der Name Al Stewart wieder etwas mehr in das Bewusstsein der Musikinteressierten Bevölkerung einbrennen könnte. Verdient hätte er es und seine Musik im Speziellen sowieso.
Der Mann, der auch als ausgezeichneter Weinexperte gilt, lebt mittlerweile seit den Siebzigern in den USA. Nach seinem durchschlagenden Erfolg Ende der 60er und zu Beginn der 70er in den USA hat er die Welt immer wieder mit seiner Musik und Lyrik beglückt. Man darf hier durchaus von einem Folk-Poeten der alten englischen Schule sprechen. Irgendwann verschwand er aus dem Blickfeld der breiteren Öffentlichkeit und konnte nicht mehr an die ganz großen Erfolge anknüpfen. Zudem gab es Probleme mit diversen Plattenfirmen. Dies ist hoffentlich nun alles ausgestanden.
Mit „Sparks of Ancient Light“ hat er eine Song-Kollektion aufgenommen, die sich sehen lassen kann. Unter den zwölf Tracks sucht man einen Ausfall vergeblich. Die Texte dienen nicht nur als Mittel zum Zweck, sondern spiegeln das Gesamtverständnis eines großartigen Songwriters wieder. Ein Poet und Lyriker, der auch was zu erzählen hat!
Die musikalische Umsetzung ist mal wieder ein Quell der Inspiration. Tolle Arrangements, gepaart mit jeder Menge Instrumentierung ergeben ein schlüssiges Gesamtbild, wie man es auf Albumlänge in dieser Konstellation nur selten findet. Wenn, wie bei dem traurigen und melancholischen „Shah of Shas“ eine Geige erklingt, ist dies nicht nur Mittel zum Selbstzweck, sondern eine perfekte Veredelung eines musikalischen Kleinods. Die helle und weiche Stimme von Al Stewart erklingt erstaunlich frisch. Wenn man nicht wüsste, dass der Mann schon ein paar Jährchen auf dem Buckel hat, würde man glatt meinen, dass da ein Jungspund singt. Er mag zwar in den USA wohnen, seine Musik ist aber durch und durch englischer Prägung. Der Auftakt „Lord Salisbury“ lässt einen Song von beatlesker Prägung wieder aufleben.
Al Stewart versteht es wunderbar eine musikalische positive Grundstimmung zu verströmen. Wer bei „(A Child´s View Of) The Eisenhower Years“ noch schlechte Laune verspürt macht irgendwas falsch. Trotzdem sollte man bei den Texten immer genau hinhören, nicht, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Songs bewegen sich zwar im Midtempobereich, aber Al Stewart schlägt auch mal schnellere Klänge an, nachzuhören bei dem Rock and Roll Shuffle „Angry Bird“. Al Stewart und seine Mitstreiter verstehen es prächtig Stimmungen und eine ganz besondere Atmosphäre zu erzeugen. Bei „The Loneliest Place On The Map“ kann man als Zuhörer wunderbar seinen Gedanken nachhängen. Die Welt da draußen scheint förmlich zum Stillstand gekommen zu sein. Das Album verliert auch nach hinten raus nichts an Faszination. Wo andere Künstler die schlechteren Tracks verstecken (müssen) haut Al Stewart mal eben „Silver Kettle“ raus. Auch, wenn die Scheibe mit „Like William McKinley“ eher ruhig ausklingt, wären doch einige andere im Musikgeschäft froh, sie hätten so eine Nummer als Albumopener zur Verfügung.
Fazit: „Sparks Of Ancient Light“ ist ein Album alter englischer Schule und Prägung. Al Stewart kling regelrecht frisch. Mit diesem Werk ist ihm eine ganz außergewöhnliche Scheibe gelungen, die für Musikliebhaber gemacht scheint. Der schnelle Konsument wird hier vermutlich nicht auf seine Kosten kommen. Wer sich aber die Zeit nimmt und den Mut hat, in das Album einzutauchen, ja der wird reich belohnt werden. Hier stimmt einfach alles, von der Instrumentierung, über die Arrangements, die Produktion bis hin zu den Texten. An dieser Stelle sei auch ausdrücklich der Genuss mittels Kopfhörer empfohlen!