Wer wie ich noch nie einen Ton von Ad Vanderveen gehört hat, dem wird es die Schuhe ausziehen, wenn die ersten Klänge von seiner neuen Scheibe „Still Now“ erklingen. Wenn dann noch der Gesang einsetzt, dann klappt endgültig der Kiefer nach unten. Mal völlig abgesehen von der Qualität der Songs, der Typ klingt so sehr nach einem ganz Großen des Musikgeschäfts, dass es fast schon surreal ist. Ad Vanderveen kommt aus Holland, wer aber schlicht nur die Musik hört, der wird ihn nach Kanada einordnen und für Neil Young halten und zwar nicht nur ein bisschen Neil Young. Es ist unglaublich, wie sehr sich die beiden Stimmen gleichen. Aber selbst ohne, dass der Mann einen Ton gesungen hat, denkt man unweigerlich an Young. Auch musikalisch stehen sich die beiden so nahe, dass es einfach unglaublich ist. Das Gitarrenspiel gleicht sich fast eins zu eins und selbst Schlagzeug und Bass werden gespielt wie beim großen musikalischen Bruder im Geiste.
Wie man liest, war selbst der Plattenfirma im Jahre 2002 die Nähe zu Neil Young fast zu deutlich und so überlegte diese, ob sie die Musik von Ad Vanderveen überhaupt veröffentlichen sollte. Letztendlich entschieden sie sich dafür, denn die Songs schienen einfach zu gut zu sein. Gut so!
Ich selber weiß nicht, warum mir mit meiner Neil Young Affinität bisher keiner Ad Vanderveen empfohlen hat. Auch bei aller musikalischen und stimmlichen Nähe, steht zu keiner Zeit außer Frage, dass der holländische Singer/Songwriter einfach gute Songs im Gepäck hat und schreibt. Wo soll man bei „Still Now“ anfangen und aufhören? Beim grandiosen Titelsong, der mit schleppenden Gitarren daherkommt? Oder der Albumopener „Middle Ground“, der mit typischen Young-Gitarren im Midtempobereich angesiedelt ist? Grandios auch, wenn wie bei „Life´s Lonely Dance“ die Mundharmonika eingesetzt wird. Gänsehaut garantiert ebenfalls die zweite Stimme von Kersten de Ligny. Das Rockmonster wird bei „Good Morning“ los gelassen. Die erste CD ist auch folgerichtig mit „Still Now (The Garage)“ betitelt. CD zwei nennt sich demzufolge schlüssig „Still Now (The Living)“. Hier regiert das Akustikgewand. Schon der Opener „Nowhere To Belong“ zeigt, dass Ad Vanderveen auch hier zu überzeugen weiß. Auch dieses Gewand steht Songs wie „Middle Ground“, „Still Now“ oder „Life´s Lonely Dance“ ganz hervorragend. Der Zuhörer hat so quasi die Wahl, ob er sich von den Songs lieber aufwühlen lässt oder bei einem Glas Wein entspannt den Klängen von Ad Vanderveen lauschen möchte.
Fazit: „Still Now“ ist ein weiteres großartiges Album von Neil Young, Verzeihung – Ad Vanderveen. Laut und leise, der Mann beherrscht beide Spielarten. Und bei aller Nähe zu Neil Young, Ad Vanderveen überzeugt durch ein vorzügliches Songwriting und dadurch verbieten sich schon sämtliche Plagiatsvorwürfe. Er ist alles andere als ein schlechte Kopie und wenn Neil Young vielleicht mal wieder auf der Suche nach einer Inspirationsquelle ist, sollte er vielleicht bei Ad Vanderveen vorbeihören.