Eine nostalgische Zeitreise in die 60er wurde letztes Jahr mit dem Musical „Across The Universe“ in die Kinos gebracht. Nun liegt der selige Trip in die Sixities auch auf DVD mit jeder Menge Bonusmaterial vor. Die Geschichte und die Umsetzung sind in jeglicher Hinsicht außergewöhnlich. Im Grunde ist schon ziemlich früh klar, auf welches Ende hier hingearbeitet wird. Der Umstand, dass hier 33(!) Beatles Songs zum Einsatz kommen mag erstmal auch nicht weiter für großes Erstaunen sorgen, dass die einzelnen Tracks aber schon ausgewählt waren, bevor überhaupt eine Zeile des Drehbuchs geschrieben war ist schon verblüffend. Verblüffend deshalb, weil die ganze Umsetzung so gut gelungen ist und sich Songs und Geschichte zu einer Einheit zusammenfügen. Das Recht, die Beatles Nummern zu verwenden war wohl nicht ganz billig. Man munkelt da von 10 Millionen US-Dollar. Dies beinhaltet übrigens nicht mal die Verwendung der Originalaufnahmen.
Die Geschichte, die um die Songs gebaut wurde startet, wie könnte es anders sein, in Liverpool. Jude ist dort Hafenarbeiter und macht sich auf in das ferne Amerika um dort seinen Vater zu suchen. Die Begegnung fällt dann mehr als ernüchternd aus. Sein Erzeuger ist mittlerweile als Hausmeister an der Uni in Princeton tätig, will von seinen unverhofften Vaterfreuden allerdings nur wenig wissen. Eine weitere schicksalhafte Begegnung wird das weitere Leben von Jude bestimmen. Er lernt dort den Studenten Max kennen und schon bald sind die beiden unzertrennlich. Zudem verliebt er sich noch in die Schwester von Max – Lucy. Diese wiederum ist mit einem Vietnam-Soldaten liiert. So viel zum Ausgangsplot.
Im weiteren Verlauf schmeißt Max sein Studium und geht zusammen mit Jude nach New York. Die beiden ziehen in eine Musiker-WG. Lucy ereilt derweil zu Hause die Nachricht, dass ihr Verlobter im Krieg gefallen ist. In New York rührt sich mittlerweile die Widerstandsbewegung und so macht sich auch Lucy auf den Weg und schließt sich dieser an. Zwischen ihr und Jude beginnt nun das zarte Pflänzchen der Liebe zu wachsen, da kommt schon die nächste Hiobsbotschaft – Max erhält einen Einberufungsbefehl zur Armee…
Was sich auf den ersten Blick wie eine ganz normale Geschichte der Traumfabrik liest ist durch den Musical-Charakter aber alles andere als das. Klar, Songs der Beatles haben im Grunde eine Klasse, die über jeden Zweifel erhaben sein dürfte. Trotzdem konnte bei dem vorliegenden Konzept die ganze Kiste auch vor die Wand gefahren werden. Wurde sie aber nicht! Erstaunlich, wie gut die Texte zur Geschichte passen und sich im Gesamtkontext einfügen. Ein kleines Manko stellt allerdings die Masse dar. Hier wären weniger Songs einfach mehr gewesen. Gesungen werden die Tracks von den Protagonisten selber, wo sich besonders Jim Sturgess als Jude hervorhebt.
Die visuelle Umsetzung ist wie ein großes buntes Knallbonbon. Bunt, bunter und noch bunter ist die Devise. Die Ausstattung und die Farbenpracht stellen zum Teil schon eine besondere Herausforderung für das Auge des Betrachters dar – im positiven Sinne. Die einzelnen Songs werden dabei jeweils wie ein eigener Clip präsentiert. Psychedelisch trifft es da schon ganz gut – dem dargestellten Jahrzehnt also absolut angemessen. Bei dieser Bilderpracht bleiben dramaturgische Abstriche in letzter Konsequenz nicht aus. Entschädigt wird man mit viel Liebe zum Detail und die Atmosphäre der 60er scheint kongenial eingefangen zu sein. Auch die Gastauftritte von Bono, Joe Cocker oder Salma Hayek fügen sich ganz hervorragend ein. Musicalfans kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Musik, Bilder und Anspruch sind schon ganz hoch anzusiedeln, auch wenn der Film letztlich von allem etwas zu viel zu bieten hat.
Das Bonusmaterial wertet die ganze Geschichte noch ein wenig auf. Bei den obligatorischen „Making Of“ Einblicken erfährt der Zuschauer viele Details und darf bei Teilen des Drehs dabei sein. Ein Teil ist auch Bono von U2 gewidmet, dem man seine Begeisterung für dieses Projekt förmlich ansieht und –hört. Ebenso kann man die Audiokommentare von Julie Taymor und Elliot Goldenthal anwählen. Entfallene Szenen und eine üppige Fotogalerie runden das positive Gesamtbild ab.
Fazit: Wem der Film im Kino schon gefallen hat, der kommt um eine Anschaffung der DVD nicht herum. Auch Beatles-Fans dürften hier ihre Freude haben, zumal es auch überall Anspielungen auf die Fab Four gibt – von Auftrittsorten wie dem Caven Club, über Namen bis hin zum legendären „letzten“ Konzert. Wer auf einen farbenprächtigen Bilderrausch für die Sinne steht, ist hier genau richtig. Da verzeiht man auch gerne dramaturgische Schwächen und den ein oder anderen kleinen Hänger. Die Ausstattung der DVD dürfte insgesamt keine Wünsche offen lassen. Das Gesamtpaket ist somit im Endergebnis sehr stimmig!