„Still“ bewegt sich, wie für ein Zeraphine-Album mittlerweile üblich, zwischen den Polen von englischen Rocksongs und deutschen, um Authentizität bemühten, Liedern. Das spiegelt auch das Bemühen der Band wieder, sich zum einen bewusst an gewissen Vorbildern zu orientieren, zum anderen aber eine gewisse Tiefe und Originalität zu erreichen. Letzterem entsprechend lässt sich „Still“ auch problemlos einordnen in die Reihe der bisherigen Alben. Auch die üblichen Zeraphine-Sujets, wie die Unzulänglichkeit des (Beziehungs-)Lebens in der Gegenwart, Himmel- und Planetenmetaphorik und die Angst vorm Fallen, lassen sich problemlos wiederfinden. Auf den ersten Blick ist alles beim Alten, Sven Friedrich hadert noch immer ausweglos und eine Hoffnungslosigkeit reiht sich an die nächste. Mittlerweile eigentlich langweilig. So langsam aber sicher verkommt hier Attitüde zur leeren Pose.
Aber kommen wir zu den erfreulichen Dingen. Zeraphine stachen immer aus der grau-schwarzen Masse heraus durch eine gewisse Weltoffenheit, man beschränkte sich nicht selbst und versuchte verschiedenen Einflüssen Zugang in die eigene Musik zu gewähren. Das soll nicht mehr oft vorkommen heute. Erfreulicherweise haben uns Zeraphine auch bis dato mit efeuberankter Friedhofslyrik verschont. Genausowenig ist „Still“ der Versuch in die Ooomph!-Liga aufzusteigen. Ganz im Gegenteil wurde hier im Vergleich zu den vorigen Alben mal etwas auf einen musikalischen Tonfall gesetzt, der nicht nur rauer sondern auch in gewisser Weise besser zu Sven Friedrichs Texten passt. Mehr Schlagzeug, mehr Gitarre, weniger Schnickschnack. Weniger ist ja manchmal mehr. Das Zusammenspiel ist hier wirklich eins und rettet etwas die zu Beginn angesprochenen Defizite.
Kritisch wird es noch mal bei „Toxic Skies“, denn hier klingt es verdächtig finnisch. Doch spätestens beim letzten Lied „Nur Ein Tag“ wird klar, dass dieses Album nur in seiner Gesamtheit seine Wirkung entfaltet. Die Summe der einzelnen Teile und so. Eine Beurteilung der Elemente würde zwar zu einem ernüchternden Ergebnis führen, aber dem Album auch keineswegs gerecht werden.
„Still“ ist so gut wie jedes andere Zeraphine-Album, letzten Endes bleiben die Unterschiede minimal. Ein stimmiges Album, das einen auch mal unfreiwillig mitnimmt. Und die alten Zeraphine-Alben sind ja nicht schlecht.
Rezensionen
Zeraphine: Still
(Phonyx)
Autor: Ex-Redakteur / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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