Nicht nur Berlin und Frankfurt waren Mekkas der wilden 68er-Revoluzzer, auch in Darmstadt endetete ein Hippieaufstand im Woog-Viertel mit einem skandalösen Kioskbrand: Woog Riots eben. Hippiesk ist die Musik der beiden Hauptprotagonisten Silvana Battisti und Marc Herbert zwar nicht, ein wenig schräg und schrill, bisweilen auch abstrus wirken die poppig-folkigen Songs aber allemal. Dafür sorgt allein schon das Sammelsurium an Instrumenten: Auf Strangelove TV plaziert sich die Melodica locker neben dem Mini-Casio, quietscht die singende Säge neben dem Omnichord auf, und mündet zusammen mit leichtem Tralala-Gesang im Potpourri des speziellen Woog Riots Sound. Im großen und ganzen weiß dieser sich durch Unbeschwertheit und Originalität zu behaupten, zuweilen schießt Woog Riots aber doch sehr übers Ziel hinaus. Und zwar genau dann, wenn Herbert/Battisti sich auf Teufel komm raus von gängigen Strukturen abheben wollen. Am Rande des Erträglichen erscheint hier vor allem der ewig eintönig leiernde Track ‚Babuna Honnig’.
Auch die Texte bieten nur zum Teil die lockere Unterhaltsamkeit, die sie bezwecken wollen. Zeichnen sich einige der lyrischen Beiträge noch durch ihre erfrischende Unverkrampftheit aus, („We want a big tattoo Dr. Frankenstein bigger than the woman on the arse of GG Allin“, ‚Frankenstein Tattoo’), muten Darbietungen wie die kitschige Abhandlung über Freundschaft (‚John & Yoko In Bed’) dem Hörer ein wenig zuviel des Guten zu. Statt augenzwinkernder Leichtigkeit versprüht dieser Song doch eher den Charme eines Pfadfindertreffens.