Will Calhoun kannte ich bisher nur von seinen Platten mit Living Colour, und dad ort bekanntermaßen Hard Rock auf dem Programm steht, musste ich erste ienmal kräftig schlucken, als die ersten Töne seines neuen Solo-Releases “Native Lands” aus meiner Anlage strömten.
Mit Hard Rock hat das nämlich sehr wenig zu tun, denn inzwischen hat sich Herr Calhoun eindeutig dem Jazz verschrieben. Also erst einmal wieder Anlage ausgemacht und die Rezension dieses Werkes auf einen anderen Tag verschoben. Einen Tag, an dem ich mehr Zeit und Muße habe, mich mit diesem Album zu beschäftigen, denn im Gegensatz zu mancher Scheibe, die sich einem auch bei gefälligem nebenbei hören ausreichend erschließt, verlangen Calhoun und seine Gastmusiker doch deutlich mehr Aufmerksamkeit, damit sich einem die Musik in voller Gänze erschließt.
Eine gute Entscheidung, wie sich heute herausstellte, denn an einem müßigen Sonntag wie dem heutigen lässt es sich gut in der Musik versinken, und vieles, das sonst möglicherweise weit an einem vorbei geflogen wäre, läuft einem bei der totalen Entspannung wesentlich besser in die Gehörgänge. Das musikalische Oberthema ist wie bereits erwähnt Jazz, wobei Calhoun, der in den letzten Jahren in Sachen Musik viel auf Reisen war, die auf diesen Reisen ersammelten musikalischen Eindrücke und Erfahrungen einfließen. So schafft er seinen eigenen Stil, der sich vielleicht am ehesten als Afro Jazz beschreiben lässt, in der sich Funk, gefällige Drum Loops und eine gehörige Portion Tribal Music zu einer gefälligen Mischung verbinden. Insgesamt 15 Tracks haben ihren Weg auf diese CD gefunden, die sich in ihrer Qualität sicher nicht hinter den ganz großen der Szene verstecken müssen und gelegentliche einen Hauch von Miles Davis, John Coltrane und Co in sich tragen.
Das Schöne an diesem Werk ist, dass der geneigte Käufer hier nicht nur musikalisch die volle Bedienung bekommt, auch für die Optik und das bessere Verständnis seiner Musik hat Will Calhoun noch einiges an Extras draufgepackt, wobei der sehr schöne und vor allem ziemlich fette Digipack noch das kleinste der Schmankerl ist, denn diesem Release ist eine umfangreiche DVD beigelegt. Hier kann man sich intensiv in Form einer Dokumentation und anhand von Interviews mit Calhoun’s Leben und Reisen der letzten 10 Jahre beschäftigen.
Fazit: „Native Lands“ ist ein wirklich schönes Werk für Freunde des gepflegten Jazz, zumal Will Calhoun in den Bereichen Musik, Optik, Information und Verpackung insgesamt ein schön rundes Gesamtpaket geschnürt hat. 11 Punkte!