Wenn einem eine Platte aus dem Hause Sensory Records zwecks Rezension auf den Schreibtisch flattert, dann kann man eigentlich zu fast einhundert Prozent davon ausgehen, dass es sich bei dem Produkt um Musik handelt, die gemeinhin irgendwie in die beliebte Kategorie ‚Progressive’ einzuordnen ist.
So ist es keine große Überraschung, dass sich auch die griechische Kapelle Wastefall mit „Self Exile“, dem bereits dritten Album der Band, genau in dieses Genre einsortiert. Bleibt nur noch die Frage offen, wie gut oder wie schlecht sich die Herrschaften hier präsentieren. Die Qualität eines solchen Releases liegt ja wie bei vielen anderen Dingen auch einmal mehr im berühmt berüchtigten Auge des Betrachters. In diesem Falle bin ich der Betrachter und in meinen Augen kann dieses Album einiges, denn hier wird einiges an Spielfreude versprüht. Das Songwriting ist ansprechend und abwechslungsreich gestaltet, so dass sich eine ganze Reihe musikalischer Stimmungen auf dem Album wieder finden. Neben einer wohl dosierten Prise verträumtem Gedudel, das ja für viele inzwischen eine Art Trademark für die Progressive Schiene geworden zu sein scheint, kommen die Jungs auch mehr als einmal richtig locker aus der Hüfte und knallen dem Hörer eine wuchtige Portion musikalischer Aggression vor den Latz, die anzustacheln versteht und definitiv richtig Laune macht. Es ist nicht alleine die Instrumentierung der Songs, die für eine ganze Menge Abwechslung sorgt, sondern vor allem der extrem variable Gesang von Frontkehlchen Domenik Papaemmanuil, der von bösem Gekeife über flüsternde Schmeicheleien bis hin zu zuckersüßem Gesang auf dieser Platte keine Phase auslässt. Und wenn das noch nicht ausreichen sollte, dann holt man sich eben für die entsprechenden Parts weiblich klare Gesangslinien dazu.
Fazit: „Self Exile“ ist kein Album, das man einfach mal so nebenbei hört oder das zum dämmrig entspannten einschlummern einlädt. Den Jungs von Wastefall sollte man schon ein bisserl mehr Aufmerksamkeit entgegenbringen, um sämtliche Feinheiten ihrer Musik erfassen zu können. Eine wirklich feine Platte und deswegen auch mal ganz locker 10 Punkte von meiner Seite!