Rezensionen

Vega: Sole Love TIPP

(A West Side Fabrication/Decoderrecords/AL!VE)

Autor: DJ / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Vega - Sole LoveDas Erleben von Musik ist ein subjektives. Den ‚Punkt’ noch einmal betonend angefügt. Dass das Erleben von Musik subjektiv ist, wird häufig übersehen – nicht zuletzt bei den verzweifelten Kommentaren manch einer Fangemeinde, die den neusten Output ihres Stars schlicht unterbewertet sieht (z.B. bei John Sutherland geschehen). Dass Hinfügen von objektiven Elementen dient lediglich faktischer Information, aber wenn es an die tatsächliche Kritik geht, spielen die eigenen Ohren eine dominante Rolle. Und bei Vegas neustem Streich Sole Love macht es einem das ‚eigene Subjekt’ besonders schwer. Denn als ich Sole Love das erste Mal anspielte, war es nach wenigen Minuten vorbei mit der Liebe zwischen mir und der schwedischen Gruppe. Es war das im Bandinfo als ‚süße Stimme’ deklarierte Organ der Sängerin Ellekari Larsson, welches die CD beinahe von selber wieder rausschmiss.

Wahre Liebe verdient aber eine zweite Chance. Und ein Album, das nur die Liebe zum Thema hat und in zehn Liedern von ihr erzählt, verdient ebenfalls diese zweite Chance. Und siehe da: das beim ersten Durchhören noch kneifende Organ von Ellekari Larsson macht zusammen mit dem zurückgelehnten Gesang von Nils-Erik Sandberg den Reiz dieser Platte aus. Auf einmal sind es die herrlich schrägen Duette der beiden genannten Herrschaften, die verliebte Zeilen wie „I wanna shake up your soul / Shake, shake, shake it, so slow / I wanna shake up your soul / And never let you go“ zum rührendsten Minnesang seit Walter von der Vogelweide machen. Einem Duett wie The love song of Harold & Marion dürften selbst erfahrene Schmalzduellanten wie Nick Cave & Kylie Minogue, Blixa Bargeld & Meret Becker oder Robbie Williams & Nicole Kidman hilflos und ohne Gegenwehr gegenüberstehen. Wer bei City seine Liebste nicht ganz fest in den Arm nimmt, hat entweder beide Arme gebrochen oder ist schlicht gefühlsarm. Und Tricky Love hätte es eigentlich verdient, ein neuer Hitsong der Werbeindustrie zu werden.

Zusammen mit den Streicher-Arrangements von Björn Yttling, dem Gastauftritt des Grammy nominierten Saxophonisten Jonas Kullhammar und den herzlichen Texten von Songwriter Nils-Erik Sandberg ist der Gruppe damit eine Hommage an die Liebe gelungen, die zwar sowohl musikalisch als auch textlich fürchterlich vor Kitsch und Schmalz trieft, aber in ihrer Rezeptur schlicht einmalig ist, unterhält ohne aufdringlich zu sein und sowohl in glücklichen Beziehungen als auch an einsamen Abenden zu ‚betonen’ weiß. Auch wenn sich die Harmonie der beiden Mikrohalter eher durch Disharmonie auszeichnet. Aber in der Liebe ist es doch bekanntlich so, dass Gegensätze sich anziehen. So auch hier! Ich geh dann mal Rosen kaufen!

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