Rezensionen

Vanden Plas: Christ O

(Insideout Music / SPV)

Autor: CF / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Vanden Plas - Christ OUm mal eins von vornherein klar zu stellen, ich bin ein großer Progressive Metal Fan. Ich bin von Melodien, vertrackten Strukturen und technischen Spielereien fasziniert. Textliche Perfektion, ausgearbeitete Konzepte zählen zu meinen Steckenpferden. Dies alles ist auf „Christ O“ vorhanden, doch schaffen es Vanden Plas wieder nicht, mich absolut zu überzeugen.
Auf „Christ O“ verarbeiten die Herren Alexandre Dumas´ „Der Graf von Monte Christo“ und versuchen dies auch musikalisch umzusetzen. Technisch sind Vanden Plas absolut versiert, sie können Dinge spielen, die man nicht unbedingt erwartet und haben dafür auch schon sehr viele Lorbeeren geerntet. Gerne werden die Jungs als die deutschen Dream Theater oder als Deutschlands wichtigste Progressive Metal Band bezeichnet. Erstes kann ich problemlos so stehen lassen, erinnern sie doch manchmal sehr ans Traumtheater, was besonders am Keyboardsound liegt, da will wohl wer Kevin Moore sein. Nur das die Pfälzer Deutschlands wichtigste Progressive Metal Band sein sollen, dass halte ich für untragbar, denke ich nur an Sieges Even oder die seligen Mekong Delta.
Nun aber zum neuen Album. Vanden Plas waren schon immer eine Band, die den Song dem technischen Wahnsinn vorgezogen haben und diesem Fakt sind sie auch nach Vier Jahren Funkstille treu geblieben. Glücklicherweise haben sie sich den Zwängen eines Konzeptalbums nur teilweise unterworfen. Musikalisch haben sie sich Platz gelassen, um Interpretationen umzusetzen und auch auf der textlichen Seite haben sie sich Dumas´ Vorlage nur als Ansatz genommen, um die Umsetzung moderner zu gestalten.
Auch wenn die Songs miteinander verbunden sind, was ein Konzeptalbum voraussetzt, können sie durchaus alleine stehen, was besonders bei den vielleicht besten Tracks des Albums zum tragen kommt „Postcards To God“ (auch wenn es zu den Zeiten des Grafen von Monte Christo noch keine Postkarten gegeben haben dürfte) welcher durch seine brachiale Gitarrenarbeit auffällt, „Silently“ ein typischer Progressiv Metal Song mit Tempo und Stimmungswechseln und „Somewhere Alone In The Dark“ wiederum ein Song der durch seine Gitarrenarbeit glänzen kann, aber mehr durch die Stimme von Andy Kuntz aufhorchen lässt. Diese Stimme ist es auch die den letzten Song auf „Christ O“ absolut aufwertet. Bei diesem Song handelt es sich um die Coverversion „Gethsemane“ aus Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“. Um diesen Song vernünftig singen zu können, muss man schon eine herausragende Stimme haben, was Herr Kuntz auch nachdrücklich unter Beweis stellt.
Nun kann man sich fragen, ob es für ein Konzeptalbum gut ist, dass man einige Songs herauspicken kann? Meiner Meinung nach eher nicht, liegt es doch daran, dass viele der restlichen Songs zu überladen und steril geplant wirken. Der Einsatz von großen Chören, auf „Christ O“ war es der 40 köpfige Klassik Chor des Pfalztheaters Kaiserslautern, tut der Dynamik teils gut und bläht die Songs aber auch auf, so das der Pomp und Bombast teils unerträglich wird.
Für „Christ O“ haben die Pfälzer beinahe durchweg Kritiken erhalten, die die Band nach allen Regeln der Kunst abfeiert. Ich kann mich diesem Chor leider nur bedingt anschließen, musikalisch hervorragend, die Umsetzung ist absolut ambitioniert, der Sound hervorragend. Nur will der Funke nicht wirklich springen, Fans von Dream Theater oder anderen Progressiv Metal Bands werden ihren Spaß haben. Auch Freunde des pompösen Metals können zuschlagen. Mir ist es ein wenig zu poliert, zu gewollt künstlerisch und der Herr auf dem Cover erinnert mich nicht an den Grafen von Monte Christo, sondern an Klaus Kinski in „Nosferatu“. Das war die unqualifizierte Bemerkung zum Schluss.

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