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Unrest

Autor: Katze / Kommentare: Bisher keine

Bild von UnrestBereits 1988 gegründet dürften sich Unrest wohl durchaus im Kreis der dienstältesten Metal-Combos Deutschlands zu Hause fühlen. Ihre Werke zählen in den Platten-Sammlungen vieler Metalheads zu den absoluten Underground-Perlen und nachdem grade mit ihrem aktuellen Album “Back To The Roots“ eine gut fünfjährige Schweigepause mit einem beachtlichen Donnerschlag zu Ende gegangen ist, sollte dies Grund genug sein, im Hause Unrest mal nach zu fragen, wie denn nun die metallischen Aktien in Bremen stehen. Gesprächstpartner hierfür war per Email ein gut gelaunter, aufs aktuelle Album zu Recht stolzer, freundlicher und Informations bereiter Guido Hettwer, seines Zeichens Drummer der Formation. Klar, dass die erste Frage auf die Gründe für die lange Auszeit nach einem starken Album wie dem 2001er „Bloody Voodoo Night“ zielte.

“Es gab damals so einige Streitigkeiten innerhalb der Band, die dazu führten, dass wir Unrest auf Eis legten, die ich hier jetzt nicht im Einzelnen auseinander bröseln möchte.“ gibt Guido zu Protokoll, ohne hier irgendwelche schmutzige Wäsche waschen zu wollen, was zumindest bei mir persönlich die Sympathiewerte für den Gesprächspartner noch einmal deutlich steigert. Er fährt fort: “ Jeder, der schon einmal Mucke gemacht hat und dabei so viel Spaß hatte wie wir, wird aber wissen, dass man davon nicht so einfach wieder los kommt. Aus diesem Grund kamen Claus und Sönke Anfang 2004 mit der Idee zu mir, Unrest wieder ins Leben zu rufen. Wir fanden dann auch schnell zwei neue Leute in unserem früheren Tour-Backliner Andre Neuhaus am Bass und Claus seinem alten Kumpel Marco Liedtke an der zweiten Gitarre. Nachdem wir unsere erste Show in dieser Besetzung in Bremen vor extrem begeisterten Fans spielten, war uns allen klar, dass wir es noch einmal richtig wissen wollten. Wir sind nun also schon wieder seit fast 3 Jahren aktiv und es läuft besser als jemals zuvor.“

Gut, dass es besser als jemals zuvor läuft, das hört man der Platte ja auch irgendwie an. Interessant ist, dass in diesem Atemzug das Album seitens der Promotion ein bisserl als Comeback der Band angesehen wird; eine Einschätzung, die von der Band geteilt wird.

“Also wir sehen das schon als Comeback Album, da Unrest einige Jahre nicht mehr existierte und wir auch nicht gedacht hätten, dass wir noch mal durchstarten werden. Es ist schon ein Unterschied, ob man nur einige Zeit kein neues Album raus bringt oder ob man eine tot geglaubte Band wieder ins Leben ruft.“, sagt Guido hierzu und antwortet auf die Frage, ob der Plattentitel „Back To The Roots“ im Zusammenhang zum Comebackalbum als Ansage zu verstehen ist, wie folgt: “ Ja, das stimmt! "Back To The Roots" ist eine Ansage, die sich nicht unbedingt auf unseren musikalischen Stil bezieht, sondern eher darauf, dass wir als Band wieder back to the roots sind. Das "Bloody Voodoo Night" Album war ja eigentlich nur ein Ding von Sönke und Claus, da die Band zu dem Zeitpunkt nicht mehr bestand. Wir hatten uns vorher getrennt, weil uns auch der Spaß etwas verloren gegangen ist. Seit der Reunion ist bei uns alles wieder wie in der Anfangszeit: Wir haben super viel Spaß und verstehen uns richtig gut - kurzum, wir sind zu unseren Wurzeln zurückgekehrt. Zum Zweiten soll es eine Ansage an alle sein, dass diese Scheibe auch eine Rückkehr zum guten alten 80er Metal ist, der in der heutigen Zeit doch zwischen den ganzen neuen Metal-Sparten rar geworden ist.“

Gerade der letzte Satz ist ein gutes Stichwort für die Frage, was denn der Antrieb für die Jungs von Unrest ist, dieser Form des Metals zu huldigen? Die Aussicht auf immerwährenden Reichtum wird es ja wohl eher nicht sein, oder…

“Doch klar, wir haben uns damals gedacht, dass wir damit berühmt, reich und schön werden…“ spricht der gute Herr Hettwer, muss aber doch im selben Atemzug leicht amüsiert zwinkern. „Nee, die 80er waren unsere Zeit. Wir sind mit dem klassischen Metal aufgewachsen und haben uns damals jedes Konzert rein gezogen und fast jede neue CD gekauft. Als wir dann 1988 mit Unrest anfingen, war gleich klar, dass wir diese Art von Metal machen wollten. Es gab bei uns auch noch nie Diskussionen über den Stil von Unrest. Es steht bei uns der Spaß an der Mucke im Vordergrund und nicht das Kommerzielle.“ So ganz will ich ihm das jetzt nicht abkaufen, denn es gibt wohl kaum eine Band, die nicht vom ganz großen Erfolg träumt, was er mir dann schließlich auch bestätigt. “ Na ja, geträumt haben wir am Anfang schon vom großen Erfolg, aber die ersten beiden Abzocker-Plattenfirmen, an die wir damals geraten sind, haben uns ganz schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.“ Ein Schicksal, das Unrest wohl erfahrungsgemäß mit vielen anderen Nachwuchsbands verbinden dürfte, was aber ein eher schwacher Trost an dieser Stelle ist.

Apropos Nachwuchsbands… gerade diese Fraktion von Metalheads dürfte interessieren, wie eine Combo wie Unrest so prinzipiell ans Songwriting herangeht, worüber Guido dann auch gerne und offen Auskunft gibt.

“Die Songs kommen bei uns auf unterschiedlichen Wegen zustande. Es kommt manchmal vor, dass wir ‘ne Session im Proberaum machen und dabei spontan was entsteht. Manchmal kommt auch einer der Gitarristen mit ‘nem fertigen Titel zum Proben, der aber in den seltensten Fällen auch so bleibt“ (zwinkert) “Aber meistens gibt es nur einen Riff auf der Klampfe und wir arbeiten das Ding dann zusammen aus. Dabei überlegen wir uns auch schon mögliche Gesangslinien, und die Texte sind dann Sache von Sönke.“ Wobei sich dann die Frage eröffnet, wie viel Wert man denn nun bei den Jungs auf die Texte legt. Sieht man sie als Aussagen bzw. Geschichten oder sogar bisweilen als notwendiges Übel, um die Musik mit entsprechendem Text zu füllen? “Die Musik und auch die Texte müssen natürlich zusammen passen und stimmig sein, aber bei uns steht schon die Musik im Vordergrund. Es ist uns bei den Texten sehr wichtig, dass sie sehr schnell von den Fans mitgegrölt werden können.“

Genau das ist Metal! Die Einstellung lobe ich mir. Aber weiter im Text! Wo wir schon mal bei den Fans sind, stellt sich mir die Frage, ob die Unrest Fans mit der Band zusammen älter geworden sind, oder ob gar so etwas wie eine Frischzellenkur in Form metallischen Nachwuchses zu verzeichnen ist.

“Es ist uns in den letzten zwei Jahren aufgefallen, dass wieder viele jüngere Fans in die Konzerte kommen. Ende der 90er waren die Leute fast ausschließlich im gleichen Alter wie wir. Das gibt wieder Hoffnung, dass es mit dem Metal doch noch einmal wieder etwas aufwärts gehen könnte.“

Schön zu hören, so zählen Unrest vielleicht eines Tages zu den Einflüssen einer jüngeren Metalband, was mich zu der Frage nach den Einflüssen der Jungs von Unrest bringt. Huldigt man hier nur dem traditionellen Metal oder spielen auch modernere Einflüsse eine Geige?

“Wir sind in den 80ern, schon bevor es Unrest gab, auf Bands wie Accept, Judas Priest, Saxon, Dio usw. abgefahren und das hat uns natürlich auch beeinflusst, diese Art des Metals zu machen. Wir hören viele verschiedene Bands, die uns sehr gut gefallen, auch aus anderen Metal Sparten. Wichtig für mich zumindest ist es, dass dabei keiner etwas Unverständliches ins Mikro grunzt und dass es eine erkennbare Linie in den Songs gibt.“

Natürlich müssen wir an dieser Stelle auch noch einmal auf das aktuelle Album eingehen, dass es ja immerhin auch als formschöne Doppel-CD mit dem 97er Werk „Watch Out“ als Bonus-CD käuflich zu erwerben gibt. Fragt sich, wer auf die Idee mit diesem Extra-Schmankerl gekommen ist.

Natürlich gibt Guido auch hier gerne Auskunft: “Wir hatten die Idee mit dem Bonus-Album "Watch Out", weil es die Scheibe schon sehr lange nicht mehr gibt und weil immer wieder viele Fans uns danach gefragt haben, ob wir es noch mal raus bringen könnten. So haben auch die jungen neuen Fans, die wir in letzter Zeit dazu gewonnen haben, die Chance, sich die volle Unrest -Dröhnung zu geben.“

Und wie sieht es mit diesem Album im Rücken in nächster Zeit mal mit ’ner amtlichen Live-Dröhnung aus? Oder stehen diesbezüglichen Planungen dann doch die jeweilig ausgeübten Berufe im Weg?

“Wir wollen gerne wieder auf Tour gehen, können zur Zeit aber noch nicht sagen, ob es klappt. Wir werden aber auf jeden Fall in der nächsten Zeit einige Gigs spielen.“, weiß Guido erst einmal die Fans zu beruhigen und fügt hinzu: “Ein neues Album soll dann natürlich auch folgen und es wird ganz bestimmt nicht wieder 5 Jahre dauern. Wir haben bereits angefangen, neue Songs zu schreiben.

Dann wird ich mal sehen, dass ich den Gig der Jungs in Bochum wahrnehmen kann und überlasse damit an dieser Stelle noch einmal Guido Hettwer von Unrest den Pltz, für ein persönliches Statement an unsere Leser.

“ Bei unseren treuen Fans möchte ich mich natürlich bedanken und denen, die uns noch nicht kennen und nun neugierig geworden sind, möchte ich gerne noch unsere Website empfehlen, auf der ihr euch 7 komplette Songs und 2 Live-Videos kostenlos downloaden könnt. Wir freuen uns schon darauf, beim nächsten Gig mit euch ordentlich abzurocken.“

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