Wenn eine Band und deren Label eine „Best Of“, „Greatest Hits“ oder ähnlich gelagerte Zusammenstellung auf den Markt bringt, dann kann es dafür eine Vielzahl von Gründen geben. Der finanzielle Aspekt spielt dabei sicher keine untergeordnete Rolle. Der geringe Aufwand verbunden mit dem dann doch eher hohen Ertrag dürfte ein attraktiver Anreiz sein. Mangel an Kreativität kann ein weiterer Grund sein. Auch die Überbrückung bis zum nächsten regulären Studioalbum kann ein Argument sein, man will ja schließlich bis dahin auch im Gespräch, respektiv in den Medien bleiben und vorhanden sein.
Was hat das alles mit U2 zu tun? Ganz einfach, bei „18 Singles“ handelt es sich um eine derartige Zusammenstellung. Leider muss man sagen schon wieder! Von den letzten fünf Alben waren dann doch glatt mal 3, in Worten drei(!), eine Ansammlung dieser Art. Sicher, die „Best Of 80-90“ und „Best Of 90-00“ haben jeweils nur ein Jahrzehnt abgedeckt und einen etwas anderen Ansatz verfolgt und somit auch beide eine gewisse Daseinsberechtigung, zumal es ja auch von beiden Teilen ein Doppel-CD Ausgabe mit den entsprechenden B-Seiten der Singles gab.
„18 Singles“ soll nun die bekanntesten U2 Singles enthalten. Der mitgelieferte Pressetext spricht sogar davon, dass die vier Iren mit dieser „Best Of“ ihr 30jähriges Bandjubiläum feiern. Hallo? Also wenn nach 30 Jahren einer Band nichts besseres einfällt als eine CD mit 16 Singles und 2 neuen Songs (damit sich auch ja jeder Fan das Teil zulegt) auf den Markt zu schmeißen, dann spricht das schon Bände. Gut, mit den beiden regulären Studioalben des neuen Jahrtausends haben U2 ja auch schon praktisch bewiesen, dass sie in einer Kreativitätskrise stecken und sich selber in eine Sackgasse manövriert. Die Verkaufszahlen geben der Band allerdings recht und so wird es spannend werden, ob die vier Jungs noch mal den Popo hochkriegen oder ihren Erfolg nur noch verwalten (wollen).
Was ist nun alles auf „18 Singles“ enthalten? Dürfte klar sein, dass bei 16 alten Tracks einiges durch das Rost gefallen ist. Allerdings lohnt hier schon ein Blick näher auf die Trackliste. Wer sich dieses Teil nun als U2 Einstiegswerk holt, der wird musikalisch ein völlig verzerrtes Bild von der Gruppe erhalten. Natürlich, wenn hier nur die bekanntesten und erfolgreichsten Songs enthalten sein sollen, dann passt das schon irgendwie, aber auf der anderen Seite werden auch ganze Alben(!) ausgespart und so erhält man einfach einen falschen Einblick in den Kosmos von U2. Schade! Dann wurden hier auch nur die Albumversionen draufgepackt. Wie wäre es vielleicht mit den Singleversionen gewesen? Die hat nämlich beileibe auch nicht jeder im Schrank stehen. Ansonsten wird hier auf eine Aufzählung der einzelnen Lieder verzichtet, die sollten nämlich zum großen Teil selbst dem Mainstream-Publikum bekannt sein.
Natürlich gibt es auch hier die Gesetze des Marktes und so sind auch zwei neue Stücke enthalten. Zusammen mit Green Day haben U2 den alten The Skids Klassiker „The Saints Are Coming“ aufgenommen. Eine sehr schöne Zusammenarbeit, das passt. Diese Interpretation hat Schmiss und Schmackes und ist sehr gut umgesetzt. Auch ist die Kombination der beiden Bands überraschend gut geglückt. Doch, das Teil gefällt und ist mehr als gelungen. Interessanter und mit mehr Spannung wird natürlich ein eigener U2-Track erwartet. Den gibt es mit „Window In The Skies“ auch – hätte man sich aber besser gespart. Du liebe Güte, wann waren U2 das letzte Mal so grottenschlecht? Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern. Ekelhafte Synthie-Streicher kleistern hier alles zu, dazu gibt es im Refrain eine schöne Schunkelatmosphäre.U2 goes Schlager? Eindeutig ja! Wenn das der zukünftige Weg von U2 ist, dann aber Nacht Mattes! Den Formatradiohörern wird das Teil sicher gefallen, zum Wäsche bügeln und ähnlichen Aktivitäten ist das Teil sicher auch gut geeignet. Ich kann an dieser Stelle nur jedem davon abraten sich die Standard-Ausgabe von „U218 Singles“ zu kaufen, das Teil kann nämlich mal gar nix.
U2 wären aber nicht U2, wenn es nicht auch noch eine Deluxe-Ausgabe davon geben würde. Die CD ist inhaltlich natürlich identisch, allerdings hat man sich hier größte Mühe bei der Aufmachung gegeben. Wie bei der normalen Standard-Ausgabe handelt es sich bei dem Cover um das schon bekannte des Buches „U2 By U2“. Die Deluxe-Version kommt nun im Buchformat daher – sehr fein! Sieht fast aus, wie eine kleine Ausgabe des Buches. Neben den abgedruckten Texten und Single-Covern der einzelnen Songs, gibt es auch noch jede Menge Bilder der einzelnen Band-Epochen zu bewundern. Insgesamt eine sehr liebevolle Aufmachung.
Die andere Gestaltung stellt hier natürlich nicht nur einen zusätzlichen Kaufanreiz dar, sondern es gibt mit „Live From Milan“ auch noch eine DVD mit dem Konzert vom 21.07.2005. Allerdings auch mit einer Einschränkung, es sind nur 10 Songs enthalten, die sich auf eine Spielzeit von knapp 60 Minuten verteilen. Inhaltlich ist die DVD schon der Knaller. Obwohl der Rezensent den bisherigen Arbeiten von Hamish Hamilton eher skeptisch gegenüberstand passt hier alles. Perfekt wird die Europa Vertigo Tour aus dem Jahre 2005 umgesetzt. Da gibt es selbst bei so ausgelutschten Klassikern wie „I Still Haven´t Found What I´M Looking For“ Gänsehautmomente. Die Konzertatmosphäre wurde perfekt eingefangen. Beim Übergang zum anschließenden „All I Want Is You“ dürfte bei dem ein oder anderen Zuseher auch eine kleine Träne des Glücks die Wange runterrollen. Auch die Schnitte sind endlich mal nicht so hektisch wie man es sonst von Hamilton gewöhnt ist. Da wird das Publikum und die vier Bandmitglieder perfekt ins Szene gesetzt. Trotz aller Freude über die schöne Umsetzung sollte man nicht vergessen, dass es sich bei dieser DVD nur um eben diese 10 Tracks handelt, mehr gibt es nicht. Kein Zusatzmaterial oder ähnliches. Deshalb hält diese DVD auch dem Vergleich mit vollwertigen U2 DVDs nicht Stand, kann sie so ja auch gar nicht.
Fazit: Die Standard CD Version braucht kein Mensch. Die Deluxe ist von der Aufmachung schon sehr, sehr schön und die beiliegende DVD zieht man sicher gerne wieder aus dem Regal hervor um sich eine schöne Stunde damit zu machen. Wer sich also einen kleinen Überblick über die großen Live-Qualitäten von U2 machen möchte oder sowieso einen Bezug zur Vertigo Tour hat, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Allerdings bleibt aus den oben erwähnten Gründen auf jeden Fall ein bitterer Beigeschmack, insgesamt weder Fisch noch Fleisch. Bleibt zu hoffen, dass U2 musikalisch noch mal die Kurve kriegen, aber vorher kann man sicher aus irgendeinem Grund noch mal die nächste „Best Of“ auf den Markt werfen. 5 Punkte!