Rezensionen

Twin Zero: Monolith TIPP

(Undergroove Records (UK Import))

Autor: SD / Wertung: 11.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Man sagt der Insel ja im allgemeinen nach für musikalische Hypes besonders anfällig zu sein; man muss allerdings auch einfach mal nüchtern anerkennen, dass Großbritannien gerade in alternativer Hinsicht in den letzten Jahren so manche Perle hervorgebracht hat.
Wenn es im englischen Underground gerade eine Band der Stunde gibt, dann sind das für mich ganz klar TWIN ZERO. „Die Namen mögen bekannt klingen, die Musik hingegen nicht“ tönt das Presseinfo, das nur beiläufig die beteiligten Musiker von Earthtone 9 und Vex Red erwähnt, und damit größtenteils Recht hat, auch wenn „Monolith“ einige Deja Vú-Effekte in sich birgt.
Die instrumentale Eröffnungsnummer erinnert mit ihrem psychedelischen Gewaber, Walgesang-artigen Rückkopplungen, akustischen Tingel-Gitarren und hintergründigem Krach erst mal stark an Neurosis.
Der folgende, fast 7 Minuten lange Song „Earthbound“ ist ein wuchtiges, brachiales, böses Monstrum, für das man nicht so recht eine passende Schublade finden will, dabei aber doch irgendwie ein straighter, mitreißend rockender Song.
Was dann kommt, hat es faustdick in sich. Der Titelsong der CD wurde in 6 Teile (=Tracks), die trotzdem direkt ineinander übergehen aufgesplittet und ist insgesamt fast 20 Minuten lang. In diesem Rahmen ziehen TWIN ZERO sämtliche Register moderner, harter Musik. Eine ruhige Endzeit-Ballade mutiert zu derben, progressivem Krachcore, um im nächsten Moment wieder in Breiwand-Bombast zwischen harmonischen Melodiebögen und rasantem Metal-Riffing auszuarten. Gimmicks wie Percussion-Einlagen und Synthies inklusive. Manche Parts sind richtig popig, andere nur noch psychotisch und mega-brutal. Ein monumentales, postmodernes Metal-Epos – packend und genial. Als Outro und Hidden-Song hat die Truppe dann noch mal zwei eher entbehrliche Soundcollagen am Start, was die Sache in diesem Fall jedoch sogar gelungen abrundet. Begriffe wie Industrial, Alternative-Metal, Prog-Noisecore oder was auch immer sind allesamt angebracht, aber nie 100%ig zutreffend.
Soweit, so gut. Das finale I-Tüpfelchen, wenn nicht sogar das wichtigste Trademark der Geschichte ist allerdings wieder ein mal das göttliche, unverkennbare Stimmorgan von Karl Middelton (The Blueprint/Ex-Earthtone 9), dessen intensiv gesungene Melodieführungen und inbrünstigen Brüll-Vocals auch TWIN ZERO zu einem ganz besonderem Hörerlebnis machen.

TWIN ZERO passen gut in die momentan angesagte Welle eigenbrödlerischer Combos wie Mastodon, Isis, Cult Of Luna oder den großartigen Newcomern Buried Inside, während auch Fans von Voivod und Killing Joke hierbei Ohrgasmen bekommen dürften. Manche Passage erinnert stark an die epischsten Momente von Nine Inch Nails, während einige Songideen genau so auch von Devin Townsend stammen könnten. Wenn die Band mit kühler Präzision ultra-fette Grooves in den Boden stampft, hat es dann auch schon mal was von Godflesh, technische Akzente erinnern dezent an Dillinger oder Meshuggah, und Neurosis-Einflüsse oder auch mal ein unterschwelliger Einschlag Richtung Faith No More sind ebenfalls nicht von der Hand zu weisen. Und alles in allem sehe ich auch gelegentlich eine gewisse Ähnlichkeit zu den kaum bekannten, inzwischen aufgelösten Kaiserschnitt.

Schlusswort: Trotz aller Referenzen sind TWIN ZERO eine originelle, umwerfende Band und legen mit „Monolith“ einen totalen Hammer hin, den man gehört haben muss.
Kuriosität am Rande: Zu den vielen Session-Drummern dieser ursprünglich mal von Gitarrist/Co-Sänger Reuben Gotto als Solo-Projekt gestarteten Band gehört neben Ex-Earthtone 9-Rhythmusmeister „Si“ auch der Typ von Skyclad!

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