Wie oft passiert es, dass man zu einem kleinen Untergrund-Festival pilgert und dort eine Metal-Band entdeckt, die einem den Mund offen stehen lässt? Dem Verfasser dieser Zeilen jedenfalls nicht allzu häufig, aber im Februar dieses Jahres kam es so. Die eigentlich angesagten Stormwarrior aus Hamburg mussten passen und so war eine Band namens Torian aus Paderborn eingesprungen. Tor, was? Aber schon nach ein paar Minuten wurde klar, dass dieser Ersatz mehr als nur ein Pausenfüller sein sollte. Die junge Band aus Paderborn, bestehend aus Sänger Marc Hohlweck, den beiden Gitarristen Claus Delius und Alexander Thielmann, dem Bassisten Tobias Mix und Schlagzeuger Manuel Will, eroberte den Saal im Sturm. Deshalb lohnt ein genauerer Blick auf das Debüt dieser extrem talentierten Truppe.
Lasst euch nicht von dem klischeebeladenen Cover samt Titel und Cover ins Boxhorn jagen, die Band spielt eine eigenständige Mischung aus Power und Thrash Metal und greift ein ums andere Mal tief in die Kiste mit der Aufschrift "NWOBHM". Mal erinnert die Schose an Testament , dann wieder an die frühen Blind Guardian . Das geniale ‘Torian’ eröffnet eine Wundertüte, die immer wieder Leckerlis aus den oben beschriebenen Stilrichtungen zutage fördert. Sei es das extrem thrashige ‘Decadence’, die Power Metal-lastigen ‘Into The Winter’ und ‘Mind The Danger’ oder ‘History Falls’, einem eingängigen Bastard aus beiden Stilen.
Der Sound könnte ein bisschen transparenter sein und noch sitzt nicht jede Note am richtigen Platz, aber mit ihrer Spielfreude und der eingängigen Stimme von Marc Hohlweck macht die Band solche "Kinderkrankheiten" locker wett. Es bleibt zu hoffen, dass die Jungs, die sich den Plattenvertrag nach nur einem Demo und ein paar Gigs erarbeitet haben, das nächste Mal ein vernünftiges Budget zur Verfügung gestellt bekommt. Dann könnten Torian nämlich wirklich groß werden.