Torian aus Paderborn sind aus echtem Stahl geschmiedet. In Wacken zwischen ein paar Bieren gegründet, ein Debüt mit dem Titel ‘Dreams Under Ice’ am Start und immer lustig zwischen True und Thrash Metal unterwegs. Gitarrist Carl Delius gibt Auskunft über die Situation als Newcomer-Band mit einem kleinen Label im Rücken.
Sound Base: Ich falle gleich mal mit der Tür ins Haus. Was zur Hölle bedeutet eigentlich Torian?
Carl: Torian ist eine Romanfigur aus Wolfgang Hohlbeins ‘Die Saga von Garth und Torian’. Torian besteht mit seinem Schwertbruder Garth unzählige Abenteuer. Es geht in die Richtung von Conan, der Barbar, hat aber etwas mehr Anspruch (lacht).
Sound Base: Torian haben etwas erlebt, von dem jede junge Band träumt. Ein 3-Track-Demo eingespielt und sofort einen Deal ergattert. Erzähl doch bitte von dieser Zeit. Wie genau lief das Procedere, bis ihr euer Debüt in den Händen halten konntet?
Carl: Wir wollten statt einer EP – was ‘Dreams Under Ice’ ohne den Deal geworden wäre – ein Album veröffentlichen, deshalb haben wir unzählige CDs verschickt. Es kamen auch zwei andere, gar nicht mal so schlechte Angebote, aber das von Underground Symphony (ein kleines, italienisches Label – Anm.d.A.) erschien uns am fairsten, da es wenigstens etwas Geld gab. Zwar kein wirkliches Budget, aber etwas Schotter, so dass das Album realisiert werden konnte. Der Zeitplan war allerdings sehr knapp.
Sound Base: Alles hat seine zwei Seiten. Welche Wünsche haben sich durch den Deal erfüllt, und was könnte besser laufen?
Carl: Offen gesagt war uns die Realisierung einer Longplayer-Aufnahme sowie deren Vervielfältigung das Wichtigste, so dass das erst mal ein guter Startschuss ist. Unser Deal läuft ja nur über ein Album. In den Rezensionen werden dann allerdings auch andere Maßstäbe angelegt als bei einer Eigenproduktion, was an sich Quatsch ist, denn den Unterschied sollte man bei der Veröffentlichung eines kleinen Labels nicht machen. Damit muss man nun leben, wobei ich finde, dass wir uns in der Masse ganz gut schlagen, und man uns in der Mehrheit trotz einiger Kritikpunkte sehr positiv aufnimmt. In Sachen Promotion läuft zumindest hierzulande nur was über den Hellion Vertrieb. Außerdem ist das Album in vielen Ländern erhältlich. Ansonsten tendiert es gegen Null, was aber nicht weiter tragisch ist, da uns das bewusst war. Für uns ist ‘Dreams Under Ice’ eine professionell vertriebene Eigenproduktion. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Die eigentliche Deal-Suche beginnt erst jetzt.
Sound Base: Euer Sound ist eine recht eigenständige Mischung aus True/Power Metal und Thrash. Ich persönlich finde das sehr gelungen, in anderen Reviews wurde euch vorgeworfen, ihr hättet euren Stil noch nicht ganz gefunden. Wie siehst du das?
Carl: Es sieht eher so aus, dass die beiden harten Thrash-Stücke, die sich auf dem Album befinden, polarisieren. Sie sind des einen Höhepunkt und des anderen Ausfall. Diese Polarisierung gefällt mir! Wir knüppeln eben zwischendurch gerne, was soll daran falsch sein? Mich wundert eher die Polarisierung von Paras (Marc "Para" Hohlweck – Anm.d.A.) angenehm zu hörender, aber gleichzeitig ausdrucksstarker Stimme.
Sound Base: Fürwahr, wobei Para auf Platte schon die eine oder andere kleine Schwäche im melodischen Bereich offenbart. Auf der Bühne geht der Mann allerdings ab wie eine Rakete, wie der Verfasser dieser Zeilen selbst erleben durfte. Doch zurück zum Interview. Erläutere doch bitte, wer die Songs und Texte schreibt und wer nur auf der faulen Haut liegt.
Carl: Die Songs stammen alle aus meiner Feder. Die Gesangslinien und Texte teilen sich Para und ich. Arrangiert wird gemeinsam, und jeder gibt seine Ideen dazu. Der Drummer hat durch sein Instrument natürlich einen prägenden Einfluss auf die Songs. Unser Neuzugang David steuert aber auch mal das ein oder andere Riff bei, da er auch Gitarre spielt.
Sound Base: In Sachen Live-Gigs setzt ihr momentan auf vereinzelte Wochenendauftritte. Für wie wichtig würdest du eine komplette Tour erachten, und was unternehmt ihr in dieser Richtung? Wenn dies schon nicht funktioniert, warum spielt ihr nicht öfter auf eigene Faust? Zumal ihr einen Sänger habt, der durchaus Entertainer-Qualitäten aufweist.
Carl: Eine komplette Tour wäre nicht nur der Oberhammer, sondern ist in der heutigen Zeit die wichtigste Promotion, um CDs zu verticken! Die meisten Scheiben verkaufen wir auf unseren Konzerten, und die CD-Bestellungen über unsere Homepage nehmen nach einem Auftritt überdurchschnittlich zu! Aber es ist einfach schwierig, als Power Metal-Combo hierzulande live was zu reißen. Das läuft im Süden schon besser, weshalb wir hartnäckig versuchen, da unten unterzukommen, was zum Teil ja auch schon funktioniert. Wir bemühen uns nach Leibeskräften, aber es ist nun mal nicht einfach, an gute Gigs zu kommen. Unterm Strich spielen wir im Schnitt einen Gig pro Monat. Das ist schon mehr als andere machen und nicht schlecht. Es könnte aber auch gerne mehr sein. Die meisten Auftritte laufen über Gigtausch mit anderen Bands, anders läuft das oft nicht. Es gehört nun mal eine große Portion Idealismus dazu, denn wenn man als Newcomer bei den großen Magazinen keinen Fürsprecher hat, kann man von dort keine Hilfe erwarten.
Sound Base: Für eine junge Band ist es zudem ungemein schwer, nicht im Veröffentlichungswirrwarr unterzugehen. Was unternehmt ihr, um dem entgegenzuwirken?
Carl: Man muss live präsent sein! Wie gesagt, wir versuchen es, so gut es geht. Nur so kann eine Band heutzutage noch auf sich aufmerksam machen. Wen interessiert der x-te Strato-Klon aus Skandinavien, wenn man ihn nicht live zu Gesicht bekommt? Daher ist der Standort Deutschland gar nicht mal schlecht, denn ich denke, dass hier schon viel Idealismus herrscht, und dass die Szene wegweisend für Europa ist. Und der Power Metal-Underground ist meiner Ansicht nach hierzulande sehr überschaubar, insbesondere, was Bands betrifft, die regelmäßig außerhalb ihrer Heimat auftreten.
Sound Base: Der Vertrag mit Underground Symphony läuft, wie erwähnt, nur über ein Album. Was ist für die Zukunft geplant?
Carl: Wir bemühen uns weiterhin um Gigs, schreiben neue Songs und nehmen in absehbarer Zeit ein neues Album auf. Wir werden uns mit der Vorproduktion einiger neuer Songs bei mehreren Labels bewerben.
Dazu kann man der sympathischen Combo aus Paderborn nur viel Glück wünschen. Live lohnt sich ein Besuch definitiv!