Myra Ellen Amos spielt Klavier schon seit frühster Kindheit. Mit zweieinhalb Jahren machte sie ihre ersten Fingerübungen auf dem Instrument, welches bis heute ein treuer Begleiter sein soll. Mit fünf Jahren wird sie übrigens die jüngste Schülerin am "Peabody Conservatory" in Baltimore – wohlgemerkt die jüngste, die jemals dort unterrichtet wurde. So richtig glücklich scheint sie da aber nicht zu sein und mit zehn Jahren muss sie die Schule dann auch wieder verlassen, da die Lehrer mit der Art ihrer Interpretation von klassischen Stücken einfach nichts anfangen konnten. Im Jahre 1983 ändert sie ihren Vornamen und so ward Tori Amos geboren. Nach einem Album mit einer Hard-Rockband, über welches wir besser den Mantel des Schweigens breiten, veröffentlicht sie 1992 ihr Solodebüt, "Little Earthquakes". Amos stieg neben Björk und PJ Harvey zu einer Ikone weiblicher Indiependent-Musik der 90er auf und konnte sich eine riesige Fangemeinde aufbauen, die ihr bis heute die Treue hält und stetig wächst. Das im Übrigen völlig zu recht, Qualität setzt sich manchmal halt doch über einen langen Zeitraum durch.
Werkschauen von Musikern gibt es ja wie der sprichwörtliche Sand am Meer. Selten genug kommt dabei eine so schöne Box wie „A Piano The Collection“ bei rum. Hier wurde sich mal richtig Mühe gegeben! Das dicke (im wahrsten Sinne des Wortes) Teil trägt absolut gerechtfertigt den Titel „Collection“. Mit sehr viel Liebe zum Detail wurde dieses Prachtwerk optisch gestaltet. Die uns hier zur Besprechung vorliegende Box (zweite Auflage?) ist etwas anders in der Aufmachung und enthält nicht die 3-D Klaviertastaturverpackung, steht dieser aber in nichts nach.
Dieses epochale Werk ist natürlich in erster Linie als Hörerlebnis gedacht, spricht aber auch andere Sinne an, eigentlich bei Tori Amos unnötig zu erwähnen. Das mitgelieferte, breite Hardcoverbuch stellt eine absolute Bereicherung dar. Auf den ersten Seiten zeichnet Lorraine Ali überzeugend die wichtigsten Eckpunkte und den Werdegang von Tori nach. Danach gibt es eine Album und Track Commentary von der Künstlerin selber! Hier werden zu jedem Song die wichtigsten Details erklärt und so erhält man noch mal einen ganz anderen Einblick in die Songwelt dieser Frau. Dieses amtliche Booklet eignet sich so auch hervorragend als zukünftiges Nachschlagwerk, wenn einer dieser hier enthaltenen 86 Tracks mal wieder Fragen aufwirft. Für uns Journalisten natürlich auch essenziell, denn so kann sich in Zukunft der Hobbypsychologe im Inneren zur Ruhe setzen – zumindest wenn es sich um Tori Amos handelt. Daneben gibt es noch jede Menge Bilder der einzelnen Phasen in diesem schönen „Buch“ zu bewundern, wie in der eigentlichen Box auch.
Was ist „A Piano The Collection“ musikalisch nun eigentlich? Das Beste aus 15 Jahren? Eine Raritätensammlung? Irgendwie beides! Auf fünf CD verteilt sich die opulente Rückschau. Bereits bekanntes Material wurde hier klanglich komplett überarbeitet. Auch da hat man sich allergrößte Mühe gegeben und nicht auf die kostengünstigere Variante zurückgegriffen und die „alten Tracks“ einfach verwendet. Die neue Abmischung tut vielen Songs hörbar gut. Die Stimme von Tori kommt nun zum Teil einfach klarer und natürlicher zur Geltung. Selbst bekannte Songs kann der geneigte Hörer so „neu“ erleben und erfahren. Wie schon erwähnt, verteilen sich 86 Tracks auf die fünf Silberlinge. Besonderes Interesse dürfte bei Fans und Sammlern CD5 wecken. Sie enthält ausschließlich B-Seiten und Unveröffentlichtes und davon gibt es natürlich auch reichlich. Die anderen vier Scheiben enthalten in chronologischer Reihenfolge im Grunde das bisherige Schaffen von Tori Amos. Manche alternativen Mixe sind von den bekannten nur marginal zu unterscheiden, andere wären wiederum verzichtbar und/oder unverzichtbar, kommt auf den Blick- bzw. Hörwinkel an. In seiner Gesamtheit gesehen ist die Zusammenstellung und die Art und Weise absolut geglückt.
Fazit: „A Piano The Collection“ ist für jeden Fan selbstverständlich unverzichtbar. Natürlich dürfte für diesen hier vieles bekannt sein (in der Summer 47 Songs, macht aber unter dem Strich immer noch 39 „Neue“). Wer sich schon immer mal in das Werk von Tori Amos einarbeiten wollte, der hat nun mit dieser umfassenden Box die perfekte Gelegenheit dazu. Andere Künstler und Boxen müssen sich zukünftig an diesem schönen Teil hier messen lassen und nicht wenige werden sich daran die Zähne ausbeißen, denn besser als perfekt geht ja nicht. Bleibt nur ein dickes Danke zu sagen für diese liebevolle Aufmachung, Umsetzung und natürlich die tolle Musik! Danke!