Rezensionen

Tom Petty: Highway Companion

(Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Tom Petty - Highway CompanionEs gibt Künstler, die sind wie ein guter Freund. Jahrelang hat man sich nicht gesehen und auch ein bisschen aus den Augen verloren und kaum läuft man sich in Form einer neuen Veröffentlichung wieder über den Weg, ist es wieder da, dieses vertraute Gefühl. Tom Petty ist sicher so ein Fall. Egal ob mit seiner Band The Heartbreakers oder auf Solopfaden, der Name Petty stand in dem meisten Fällen immer für Qualität handgemachter Rockmusik. Man mag es kaum glauben, aber mittlerweile sind seit der Gründung von Tom Petty & The Heartbreakers auch schon dreißig Jahre verstrichen. Vielleicht ist es gerade bezeichnend für den Mann, dass er jetzt im Jubiläumsjahr mit einer Soloplatte die Hörerschaft beglückt.

Natürlich kommt der Meister auch auf „Highway Companion“ nicht ganz ohne die Hilfe von zumindest einem Heartbreaker aus. Sein langjähriger Freund Mike Campbell hat ihn bei der Platte an der Lead Guitar unterstützt. Den Löwenanteil der Arbeit hat Petty hier freilich alleine geleistet. Er hat nicht nur die zwölf Songs in Eigenregie alleine geschrieben, sondern zeichnet sich auch für den Hauptteil der Instrumente verantwortlich. Neben den Lead und Backing Vocals hat der gute Tom auch gleich noch die Rhythm Guitar, Drums, Harmonica, den Bass bei „Square One“ und einen Großteil an Piano und Keyboard Parts selber eingespielt. Musikalisch und bei der Produktion hat er sich dann nur noch von einem unter die Arme greifen lassen - Jeff Lynne. Jetzt werden sicher viele die Nase rümpfen, ist der Mann doch eher ein Mainstream-Weichspüler. Ich muss ehrlich gestehen, dass dieser Name bei mir auch ein eher flaues Gefühl in der Magengegend auslöst. Auf der anderen Seite hat Lynne auch einige der größten Erfolge von Petty zu verantworten, also sollte man „Highway Companion“ mal ohne Vorurteile begegnen, auch wenn es zugegebenermaßen nicht ganz leicht fällt. Hoffnung macht allerdings schon, dass das Album auf Rubins American Records erscheint.

Einen besseren Einstieg als mit „Saving Grace“ hätte Petty nicht wählen können. Das ist die Sorte Song, die man gut und gerne als Killertrack bezeichnen kann. Es rumpelt und scheppert hier los, dass es eine wahre Freude ist. Sämtliche Vorbehalte gegenüber der Platte sind spätestens nach einer Minute wie weggewischt. Das dürfte sich auf der Bühne sicher auch zu einem Kracher entwickeln und kann sich durchaus auch mit den besten Petty-Songs messen. Danach wird ordentlich auf die Bremse getreten. Mit dem spärlich instrumentierten „Square One“ zeigt sich der Meister von seiner ruhigen Seite. „Flirting With Time“ ist ein solider und guter Petty Rocker, der auch den „Heartbreakers“ gut zu Gesicht stehen würde. „Down South“ schlägt danach in dieselbe Kerbe. Hier hört man auch deutlich den Einfluss von Lynne, der dem Midtempo Song aber nicht unbedingt gut getan hat, eher einer der schwächeren Tracks des Albums und zu sehr auf radiotauglich getrimmt. Beim anschließenden eher spröden „Jack“ wird man dafür aber wieder vollkommen entschädigt. Auf den typischen Songaufbau (Strophe Refrain Strophe) wird hier gänzlich verzichtet. Langsam schält sich die Musik aus den Boxen. „Turn This Car Around“ kommt als stoischer Stampfer um die Ecke und entwickelt sich im Mittelteil kurz zu einem Rockmonster, wie es eine Band wie Pearl Jam sicher nicht besser hinbekommen würde. Sehr feiner Song. Damit endet die erste Albumseite wie sie angefangen hat, nämlich absolut überzeugend.

Danach gibt es einen leichten Stilbruch zu verzeichnen. „Big Weekend“ hört sich fast schon ein bisschen wie ein Outtake der Supergroup The Traveling Wilburys an. „Night Driver“ plätschert ein bisschen so vor sich hin, wird aber vom Refrain und dem geschickten und punktierten Gitarrenspiel Campbells gerettet und sammelt nach hinten raus ordentlich an Pluspunkten. „Damaged By Love“ ist mir persönlich zu schmalzig, eignet sich sicher fürs Radio, ist mir aber zu glatt gebügelt. Macht ja nix, denn „This Old Town“ überzeugt dafür wieder umso mehr. Selbst Puristen dürfte dieser an „Coolness“ kaum zu überbietende Song mit seiner Leichtigkeit überzeugen. „Ankle Deep“ hat man so ähnlich schon unzählige Male von Petty gehört, macht aber jedes Mal wieder auf ein Neues Spaß. „The Golden Rose“ ist wie die Quersumme aus den besten Momenten des Albums und entlässt den Hörer absolut positiv gestimmt.

„Highway Companion“ ist sicher kein Album was beim ersten Durchgang sofort zündet und zu Jubelstürmen veranlasst. Ich habe eine Menge Durchläufe gebraucht, um die Schönheit einzelner Momente zu entdecken, aber wenn man die einmal für sich gefunden hat, dann wird man auch entlohnt. Ein Album, was man sich vielleicht erarbeiten muss, was aber nicht gleichbedeutend mit schönhören ist. Ist aber auch nicht das schlechteste Merkmal, wenn eine Platte mit jedem hören wächst. Hier und da gibt es sicher Augenblicke, die sind einfach zu glatt produziert, aber Lynne ist halt nicht Rubin. Auf der anderen Seite, ein guter Song ist einfach nicht kaputtzukriegen und davon gibt es hier wieder reichlich. Insgesamt ist „Highway Companion“ sicher nicht so stark wie „Wildflowers“, aber wer dieses Album mag und schätzt, der wird auch hier seine Freude haben und auf seine Kosten kommen. Die Aufmachung des Booklets ist im Übrigen sehr gelungen, aber was hat man sich nur bei diesem absolut grässlichen Cover gedacht?
Insgesamt ist das Werk hier eine runde Geschichte.

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