Rezensionen

The Velvet Underground: Velvet Redux Live MCMXCIII

(WSM / Rhino)

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Velvet Underground - Velvet Redux Live MCMXCIIIEs gibt kaum eine Band, die einen so nachhaltigen Einfluss auf die Rockmusik hatte, aber erst lange nach dem Ende der Gruppe zu verdienten Ehren und Anerkennung gelangte. Wer kennt sie nicht, die berühmte „Bananenplatte“? The Velvet Underground & Nico dürfte wohl eines der berühmtesten Plattencover sein. Das Album selber findet sich heute auch in jeder gut sortierten Musiksammlung wieder. Heute kaum vorstellbar, dass die Scheibe zum Zeitpunkt ihres Erscheinens für weniger Euphorie sorgte. Die lärmigen Rückkopplungen und das Minimal-Schlagzeug waren für die damalige Zeit wohl ein kleiner Kulturschock, von den Inhalten der Texte mal abgesehen. Trotz allem haben The Velvet Underground von The Stooges, über Sonic Youth hin zu The Strokes Generationen von Musikern die Türen geöffnet.

Die Bandmitglieder und insbesondere Lou Reed und John Cale gerieten sich schnell in die Haare und so war ein schnelles Ende vorprogrammiert. Umso erstaunlicher war es, dass die Band sich im Konzertsommer 1993 doch tatsächlich in der Originalbesetzung für acht Europashows wieder zusammenfand. Drei Abende im Pariser Olympia wurden mitgeschnitten und können nun zum Teil auf der vorliegenden DVD Velvet Redux Live MCMXCIII bewundert werden.

Zu sehen uns zu hören gibt es hier mehr oder weniger 14 Klassiker von The Velvet Underground plus den im Jahre 1993 neuen Track „Coyote“. Manche Reunionen haben ja oftmals etwas trauriges oder würdeloses an sich. Nicht so aber die hier gefilmten Auftritte in Paris. Lou Reed, John Cale, Sterling Morrison und Moe Tucker haben nichts von ihrer Faszination und ihren Live-Qualitäten eingebüsst. Von „Venus In Furs“ über „Femme Fatale“, „Sweet Jane“ bis zu „Heroin“ gibt es eine bestens aufgelegte Band zu sehen. John Cale gibt uns den Multiinstrumentalisten und spielt abwechselnd auf der Violine, dem Keyboard oder Bass. Moe Tucker haut stehend stoisch auf die Drums ein und wenn man sie da so bei der Arbeit beobachtet, stellt sich die Frage „Wer ist eigentlich Meg White?“. Genau, die eine Hälfte der White Stripes dürfte sich wohl von Moe Tucker das ein oder andere abgeschaut haben. Übrigens in „I´m Sticking With You“ darf die gute Moe auch als Sängerin glänzen. Den überwiegenden Gesangspart übernimmt natürlich Lou Reed, aber auch John Cale kommt diese Ehre zuteil, wie z.B. bei „I´m Waiting For The Man“. Sterling Morrison, bleibt der Mann für die eher leiseren Töne im Hintergrund, streut aber auch das ein oder andere Solo ein. Insgesamt legt die Band einen prima Auftritt hin und selbst die alten Streithähne Reed und Cale können sich das ein oder andere Lächeln nicht verkneifen.

Der PCM-Stereo Sound und die Kameraschwenks kann man durchaus als sehr gut bezeichnen. Gerade in der heutigen Zeit werden viele Live-Aufnahmen in sehr hektischen Schnitten gefilmt, nicht so Velvet Redux Live MCMXCIII, die ruhigen Kamerafahrten heben sich wohltuend von so manch anderen Aufnahmen ab und lassen dem Betrachter auch die Möglichkeit für einen Blick aufs Detail. Etwas schade und als kleinen Kritikpunkt muss man hier ganz klar das Fehlen von Zusatzmaterial ansprechen. Die 15 Songs gab es seinerzeit ja auch schon auf VHS, nun wurden diesen ohne jedes weitere Schmankerl so auf die DVD übernommen. Einen Blick hinter die Kulissen oder weiteres Material der damaligen Tour würde ja durchaus vorhanden sein. Auch die Aufmachung des Booklets ist etwas dürftig. Die Live Performance der Band lässt allerdings keine Wünsche offen und so manch andere Band sieht gegenüber The Velvet Underground blass aus.

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