Rezensionen

The Sunshine Underground: Raise The Alarm

(RED INK / Sony BMG)

Autor: schlimm / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Sunshine Underground - Raise The AlarmWer sich nach einem Track der Chemical Brothers benennt, muss sich nicht wundern, wenn die Schublade Dance und Beat aufgemacht wird. Wer aus Leeds kommt, der wird halt auch als „Leeds-Band“ betitelt. Grundsätzlich sicher beides nicht verkehrt und doch wird es den vier Jungs von The Sunshine Underground und ihrer musikalischen Ausrichtung und Einordnung nicht ganz gerecht. Dance und Beat ist sicher richtig, aber auf eine eher organische Art und die so genannten „Leeds-Bands“ haben auch nur gemein, dass sie aus der selben Stadt kommen, vom Sound sind sie sicher ganz unterschiedlicher Art.

Craig Wellington sieht seine Band selber als „Party Band“. Nun denn, damit ist erstmal alles oder nichts gesagt. Mit dieser Kategorisierung können verdammt viele Stilrichtungen gemeint sein. Aber irgendwas muss an dieser Band schon sehr außergewöhnlich sein, wenn es allen Seiten so schwer fällt die Musik der vier Jungs einzuordnen. Muss man überhaupt eine Schublade aufmachen oder den bisherigen eine neue hinzufügen? Gute Musik steht ja bekanntlich für sich alleine und dies sollte im Falle von The Sunshine Underground einzig und alleine „Raise The Alarm“ sein.

Elf Songs, bei einer Spielzeit von knapp 50 Minuten, beinhaltet „Raise The Alarm“. Nackte Zahlen, die so erstmal keine Aussagekraft haben. Wohin die Reise geht, machen schnell die ersten Klänge des Albumopeners „Wake Up“ klar. Ein treibender Bass schält sich aus den Boxen, das Schlagzeug scheppert, die Gitarren dengeln, die Stimme quengelt, der Songtitel ist Programm. Das Herz des Songs ist hier eindeutig das Bassspiel von Daley Smith. Mit „Put You In Your Place“ wird die eingeschlagene Richtung mit Schmackes und Schmiss weiter vorangetrieben. Der Refrain fräßt sich unweigerlich in die Gehörgänge und setzt sich dort fest. „Dead Scene“ besticht ebenfalls durch dieses wunderbare Melodien-Gespür. Zeit zum Luftholen bleibt kaum, auch „The Way It Is“ haut einem diesen treibenden Bass um die Ohren, dass es eine helle Freude ist. Schon jetzt fällt auf, wie perfekt das Zusammenspiel der Instrumente aufeinander abgestimmt ist, dazu die Stimme von Craig Wellington, die sich schreihalsig verausgabt. Alles Klänge, die man in der Indiemusik (im weitesten Sinne) so lange nicht mehr gehört hat und vielleicht auch ein wenig vermisst hat. Auch inhaltlich hat die Band nicht nur Phrasen mitzuteilen. „Commercial Breakdown“ zum Beispiel beschäftigt sich mit unserer Generation und dem Hang nach dem neusten Klatsch:“ Leute, die sich von den wichtigen Themen abkapseln und ihr Leben mit Mist ausfüllen, mit Celebrity-Zeitschriften und wertlosem Fernsehschrott.“

Dass The Sunshine Underground nicht nur mit vollem Gas zu überzeugen wissen, zeigt der Einstieg in die zweite Albumhälfte. Das ruhige und wunderschöne „Somebody´s Always Getting In The Way“ zeigt den Vierer von einer etwas anderen Seite. Ein Track, der eher für die Morgenstunden nach der Party geeignet ist. Überzeugend! „Borders“ ist dann schon etwas forscher, ohne direkt bis zum Anschlag aufzudrehen. Auch dieser Song wartet wieder mit einer unwiderstehlichen Melodie auf und einem Refrain, der sich im Kopf festsetzt. „Panic Attack“ setzt diese eingeschlagene Richtung fort, mit einem Refrain, der einen um den Verstand bringt. „I Ain´t Losing Any Sleep“ hat alle Zutaten für einen IndieHit, großer Sport! Wobei, eigentlich hat hier jeder Track das Potenzial dazu „My Army“ ist dafür nur ein weiteres Beispiel. „Raise The Alarm“ bildet dann den würdigen Abschluss eines Albums ohne Ausfall. Erstaunlich, wie homogen die ganze Geschichte hier geworden ist. Vom ersten bis zum letzten Ton passt hier alles.

Fazit: Sicher kann man jetzt auch einige Vergleiche oder Referenzen für die Einordnung von The Sunshine Underground heranziehen. Damit wird man der Band aber sicher nicht gerecht, denn diese und ihre Musik stehen für sich selbst. Wenn das „Party Musik“ ist, dann kann eine ebensolche nur ein voller Erfolg werden und bei dieser Party ist man gerne dabei. Ich bin es auf jeden Fall! Was Craig Wellington (Vocals/Guitar/Percussion), Stuart Jones (Guitar/Percussion), Daley Smith (Bass) und Matthew Gwilt (Drums/Backing Vocals) hier abfeuern zaubert gute Laune ins Gesicht. Der Star des Albums ist sicher der Bass, mit einem Co-Star Drums. Handgemachte Musik, die groovt. Hut ab, Daumen hoch!

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