Rezensionen

The Rifles: No Love Lost

(Red Ink)

Autor: schlimm / Wertung: 8.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Rifles - No Love LostKennt wer The Rifles? Nein? Noch nicht? Dann wird es aber Zeit, wo doch der NME die Band als „..die seit Jahren erste Band mit Londoner Postleitzahl, die es wert ist, sich ihren Namen auf dem Herzen tätowieren zu lassen“ beschreibt. Und schon wieder wird eine neue Sau durch das Dorf getrieben, die mindestens der Retter der Musik ist, des guten Geschmacks sowieso. An dieser Stelle stellt sich nun wirklich mal die Frage, wer den NME denn noch so richtig für voll nimmt. Waren nicht schon The Futureheads, The Coral, The Zutons, Kaiser Chiefs, Maximo Park, Bloc Party, The Libertines…(Liste bitte selber ergänzen) die größte Band seit (mindestens) dieser Combo aus Liverpool, die gemeinhin als The Beatles bekannt ist? Mit diesen Lobpreisungen kann man also nicht mal mehr die sprichwörtliche Oma hinter dem Ofen hervorholen. Interessanter dürfte da schon sein, dass der Ex-Blur Gitarrist Graham Coxon die Band offiziell zu seiner neuen Lieblingscombo erklärte.

Ich muss gestehen, dass ich The Rifles doch sehr skeptisch gegenüberstand. Die ganze Bandgeschichte roch für mich doch etwas zu sehr nach „noch schnell auf den Hypezug aufspringen“. Ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvierte die Band erst im Jahre 2004 und im folgenden Jahr gab es dann auch das erste musikalische Lebenszeichen aus der Konserve. Ging doch ein wenig schnell und ein bisschen viel Zufall auf einmal, oder? Waren doch gerade musikalisch verwandte Bands in aller Munde und überholten sich gegenseitig auf der Erfolgsspur. Meine Skepsis war vollkommen unbegründet, musikalisch haben die Jungs auf jeden Fall was drauf und das richtige Gespür für Hits, Hits, Hits, alles andere ist da doch egal.

In den legendären RAK-Studios begann die Band Ende 2005 mit den Aufnahmen für ihr Debüt-Album „No Love Lost“. Unter der Aufsicht von Ian Broudie, der den Produzentenjob übernahm, machte man sich ans Werk. Insgesamt haben elf Songs den Weg auf die Platte gefunden. Herausgekommen ist eine Fahrt durch die britische Popgeschichte. Überall lauern diese mitreißenden Ohrwurm-Melodien. Schon die erste Single aus dem Jahr 2005 „Peace and Quiet“ hatte Schmackes und verband ruppige Riffs mit unwiderstehlichen Popmelodien. Die zweite Single „When I´m Alone“ führte diesen Stil weiter. Bei der dritten „Local Boy“ wurde dann (vorläufig) der Höhepunkt erreicht, so was kann man wohl ohne Umschweife eine Hymne nennen. Immer nur das Gaspedal durchtreten ist natürlich auch langweilig und so gibt es z.B. bei „Spend A Lifetime“ ruhigere Töne zu hören. Inspiration wurde sich hier wohl bei Paul Weller geholt. So könnte man hier bei jedem Song einen anderen Künstler oder Band als Referenz angeben, ständig hat man diese Déjà-Vu Erlebnisse. Dies schmälert den Spaß an der ganzen Geschichte hier allerdings nicht.

Das Rad der britischen Musikgeschichte wird hier sicher nicht neu erfunden, im Gegenteil, hier wird alles aus gut und gerne 40 Jahren verarbeitet. Trotz allem oder gerade deswegen macht die Scheibe unheimlich Spaß. Die guten Songs, mit einigen großartigen Momenten eignen sich hervorragend um das Tanzbein zu schwingen. Bleibt abzuwarten, ob The Rifles in unseren Landen ähnlich zünden werden wie die Kollegen aus den Jahren zuvor oder ob eine leichte Ermüdungserscheinung bei den Leuten hinsichtlich der musikalischen Ausrichtung eingetreten ist. Verdient hätte die Band eine größere Aufmerksamkeit auf jeden Fall, denn so ein Gespür für Popmelodien hatten noch nicht viele vor ihnen.

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