Rezensionen

The Ocean: Aeolian

(Metal Blade / SPV)

Autor: SD / Wertung: 8.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Ocean - AeolianIm Gegensatz zum späten Aufspringen auf den „Metalcore“-Zug haben Metalblade Records die Zeichen der Zeit dieses mal ein wenig früher erkannt. Vor allem diverse Releases aus dem Hause Relapse und jüngst auch Earache haben den Trend in der Szene extremer Musik weiter in Richtung verquerer, komplexerer Klänge geprägt. Bands wie Mastodon, Cult Of Luna, Buried Inside, Beecher, Dillinger Escape Plan und so weiter sind in aller Munde und die Zahl der nacheifernden Combos steigt stetig.

Dazu gehören auch THE OCEAN, die Freunden moderner Krach-Exzesse spätestens seit ihrer Tour mit den tragisch verblichenen Grindcore-Göttern Nasum ein Begriff sein dürften.
Passend zu ihrem Einstand bei Metalblade sind THE OCEAN in der Entwicklung ihres musikalischen Gesamtkonzepts (dieses Album entstand in der selben Aufnahme-Session wie der eher atmosphärisch ausgerichtete Vorgänger) an einem Punkt angekommen, an dem sie sich von ihrer brachialsten und brutalsten Seite zeigen.
Nicht ganz so klinisch wie Meshuggah, nicht so rock’n’rollig und jazzig-verspielt wie Mastodon oder Keelhaul, nicht so depri-doomig wie die Scharen an Neurosis-Epigonen und nicht so krass wie Converge oder Dillinger, aber doch irgendwo dazwischen dröhnen sich THE OCEAN mit bösem Gegröle und fiesem Gekeife durch gemein-vertrackte Groove-Passagen und chaotische Mathcore-Rasereien. Mal schwer verdaulich und dissonant, mal mit einem Gespür, an der richtigen Stelle ein bisschen Melodie einzubauen. Eine Soundtrack-artige Orchestral-Passage mit treibender Percussion-Unterstützung darf es dann auch schon mal sein.

Es lässt sich darüber streiten, ob THE OCEAN damit gerade zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind, oder auf einen Zug aufhüpfen, dessen erste Klasse schon besetzt ist. Und um ganz ehrlich zu sein: Ich bin mir echt nicht sicher, wie gut ich dieses Album finde. THE OCEAN machen ihr Ding sehr gut und mitunter durchaus eigenständig. Um einen wirklich bleibenden und plättenden Eindruck zu hinterlassen, sind sie mit diesem Release zu diesem Zeitpunkt aber dann doch irgendwie die Haaresbreite zu spät dran, sich in ihrer Liga einen der ersten Ränge zu sichern. Die entscheidenden Akzente und Impulse wurden nämlich bereits von Anderen gesetzt. Die Tatsache, dass man sich Mitglieder der Vorbilder Breach und Converge für Gastvocals ins Studio holte, kann da auch nichts dran ändern. Aber vielleicht klappt es ja in der nächsten Saison …

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