Rezensionen

The Mars Volta: Frances the Mute TIPP

(Universal)

Autor: JK / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Mars Volta - Frances the MuteDie progressive Rockmusik erlebt derzeit eine Renaissance - eine zweite. Vor 30 Jahren machten Bands wie Yes, Kansas oder Gentle Giant die komplexe Spielweise salonfähig. Nicht der schnelle Ohrwurm zählte, sondern der langfristige Hörgenuss. Etwa 15 Jahre später belebten Dream Theater oder Fates Warning das Genre neu. Doch was kam danach?

The Mars Volta etwa. Aus den Ruinen der viel gelobten aber wenig beachteten At the Drive-in hervorgegangen, brachten sie es zwar zu Lorbeeren seitens der Presse, doch gelang es der Band nicht, dem musikalischen Untergrund zu entfliehen - und daran wird sich auch mit The Mars Volta und ihrem neuen Album "Frances the Mute" nichts ändern.

Die komplizierten Strukturen hatten die Amerikaner schon auf ihrem vorherigen Album "De-Loused in the Comatorium" von den Rock-Dinosauriern übernommen. Doch legten die Jungs aus El Paso eine deutlich härtere und schwer verdaulichere Gangart vor. Statt dem Ohr mit freundlichen Harmonien zu schmeicheln, bissen sie sich auch schon mal darin fest. Nun, auf "Frances the Mute" hat sich die Band deutlich gebremst.

Dennoch dürfte der Sound des Sextetts den durchschnittlichen Mainstream-Konsumenten noch immer verschrecken. Doch wer vorzeitig die Segel streicht - und diese Gefahr besteht -, macht einen Fehler. Schon mit dem gut 13-minütigem Eröffnungssong "Cygnus…Vismund Cygnus" legt die Band eine wilde Mixtur aus Hochgeschwindigkeits-Funk und einem esoterisch-psychedelischen Mittelteil aufs Parkett.

Dagegen wirkt "The Widow", eine sich in Melancholie suhlende Ballade - auf der Flea von den Red Hot Chili Peppers sich an der Trompete versucht - recht spartanisch. Mit treibenden Rhythmen schließt sich danach "L’ Via L’ Viaquez" an, dem der Gebrauch der spanischen Sprache hörbar gut tut. Und wieder folgt ein Mittelteil, der den Hörer aus seiner Euphorie reißt, der wie Santana in Slow-Motion aus den Boxen rollt.

Nachdem "Miranda that Ghost isn’t holy anymore" auf der Basis getragener Trompeten auch als Soundtrack für einen Sergio Leone-Western taugen würde, endet die Platte mit "Cassandra Gemini", einem Mammut-Song, der noch einmal die verschiedensten Stilarten durch zelebriert.

Zwei Wermutstropfen bleiben dennoch nach dem Genuss von "Frances the Mute". Zum einen wird Gitarrist Omar Rodriguez-Lopez einfach zu viel Zeit eingeräumt, seine doch eher uninspirierten Soli zu präsentieren. Zum anderen schließt sich an nahezu jeden Track ein Outro an, das durch schier endloses elektronisches Gefiepe und Gewaber nervt und an Pink Floyd während der experimentellen Phase erinnert. Schlussendlich hätte die Band 77 Minuten musikalischer Länge(n) auch problemlos auf 50 Minuten kürzen können.

So bleibt die Erkenntnis, dass "Frances the Mute" sicher in keinem Fahrstuhl erklingen wird und auch für die Berieselung bei den Hausaufgaben nicht taugt. Wer jedoch bereit ist, sich einzuarbeiten in diese Musik, der wird daran Freude finden.

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