Warum kleckern, wenn man auch klotzen kann? Da wird im Presseinfo aber mal richtig auf die sprichwörtliche Kacke gehauen. Da wird The Immediate gleich mal mit den Beatles, Talking Heads und Pink Floyd in einen Topf geschmissen und verglichen. Na das ist ja mal eine Duftmarke und vor allem eine krude Mischung, die so nicht unbedingt auf den ersten Blick zusammenpassen will. Die Band aus dem Dubliner Umfeld ist im Übrigen auch selbst eine, nennen wir es mal, etwas andere und interessante Zusammensetzung. Die vierköpfige Band kann hier gleich mal mit vier Sängern, drei Schlagzeugern und drei Bassisten aufwarten.
Diese Vielseitigkeit hört man „Towers & Clouds“ auf den elf Tracks, verteilt auf eine Spielzeit von 45 Minuten, durchaus an. Schon der Albumopener „Aspects“ fängt mit einer schönen Melodie an um im nächsten Moment in schönsten Indiegitarrenpop überzugehen. Etwas schräger wird es dann bei „Lonely. Locked up“. Ein pumpender Bass treibt den Song an, die Gitarren und das Schlagzeug scheppern in schönster Indietradition. „Fashion Or Faith“ fängt an wie „London Calling“ von The Clash, geht danach in eine wunderschöne Gesangslinie über um dann im Refrain komplett die Richtung zu wechseln. „Big Sad Eyes“ besticht durch diese Ohrwurmqualitäten, die sich den ganzen Tag in den Gehörgängen festsetzen. Sehr lässiger und schluffiger Track, inklusiver Bläsersektion. Danach geht es wieder etwas schneller zur Sache. „Don´t You Ever“ dürfte der ideale Tanzflächenfüller für die Indiediscotheken dieser Welt werden, fetzt und hat das entsprechende melodische Gespür. „Stop and Remember“ schlägt danach eine ähnliche Richtung ein. Bei „You, Reflected“ packen die Jungs dann die ganz großen Melodien aus, hat schon fast einen melancholischen Einschlag. Dass es noch größer geht, zeigt das anschließende „Let This Light Fill Your Eyes“, den Song kann man durchaus als Hymne bezeichnen. Bisher gab es auf dem Album keinen einzigen Ausfall zu beklagen und daran ändert sich auch mit dem wunderschönen „A Ghost in this House“ nichts. Das Niveau wird mit „In Towers & Clouds“ und „Can´t Stop Moving“ auch bis zum Schluss gehalten. Beeindruckend!
Fazit: The Immediate haben hier ein vorzügliches Album abgeliefert. Große Melodien und großer Pop hat sich der Vierer auf die Fahnen geschrieben und doch klingen sie nie angepasst und berechenbar. Auf dem Album passiert so viel, dass es an jeder Ecke, bei jedem neuen Durchlauf immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt. „Towers & Clouds“ dürfte sich mit seiner individuellen Klasse aus der großen Masse des Genres herausheben. Wer ein Faible für Indiepop hat, der wird um diese Scheibe sicherlich nicht herumkommen. Alle anderen sollten sich mal eine Pause vom Formatradio gönnen und das Album antesten und staunen, was in der Popmusik alles möglich ist. Begeisternd und mitreißend!