Erinnert sich noch wer an „This Is Rocket Science“ aus dem Jahre 2004? Nein? Gut, schämen muss man sich nicht dafür, denn das Erstlingswerk der Schweden ist bei uns leider etwas untergegangen, fokussierte sich doch hier die Aufmerksamkeit eher auf die Kollegen von Mando Diao oder The Hives. The Doits mit diesen Bands zu vergleichen wird der ganzen Geschichte allerdings auch nicht gerecht, denn die vier Schweden fahren doch eine etwas andere Schiene und machen ihre eigene Kiste. Unterstützung erhielten die Jungs von keiner geringeren Combo als von The Hellacopters. Zusammen tourten diese beiden Bands, brachten eine Split Single raus und Nick Royale zeichnete sich sogar für den Mix des Debut-Albums aus. Insgesamt beste Voraussetzungen sich eine größere Fangemeinde zu erspielen.
„Lost, Lonely & Vicious“ knüpft nun da an, wo der Vorgänger aufgehört hat. Mit knapp 43 Minuten ist der Zweitling nun etwas länger, aber sonst bleibt alles wie gehabt. Die Jungs fahren weiter auf dem Retro-Zug und vermischen wieder jede Menge Einflüsse. Mal hört man die Attitüde der New York Dolls, dann meint man aus der Ferne ein Riff von Tom Petty zu erkennen, auch bei den Stooges haben die vier sicherlich auch schon mal aufmerksam hingehört, aber auch die großen Pop-Melodien aus den 60ern oder 70ern kommen hier nicht zu kurz, ach ja und Soul hat die ganze Geschichte auch, kurzum Roch and Roll ist das Gebot der Stunde.
„Solid Ground“ und „Lose All The Time“ rocken zu Beginn schon mal ordentlich, aber schon bei „Take You Out“ gibt es dann einen dieser entspannten Songs, irgendwo zwischen 60ies Pop und 70ies Südstaatenrock. „I Could Never Make You Stay“ geht fast schon als Klammerblues durch, zu dem auch gut und gerne meine Eltern vor ein paar Jahrzehnten die Tanzfläche unsicher gemacht hätten. Bei „Gets To The Weaker One“ denkt man schon, dass gleich Brian Setzer um die Ecke biegt. Insgesamt bietet die Platte also die komplette Bandbreite als der Rock und der Roll langsam laufen lernten und in die Pubertät kamen.
Jo, „Lost, Lonely & Vicious“ hat Schmiss, Schwung, rockt, rollt, macht Spaß, ist so gar nicht neuzeitlich und das ist auch gut so. Allerdings hat die Scheibe ein ziemlich großes Problem – die Produktion. Das klingt mir alles zu brav, was haben sich die Jungs nur dabei gedacht? Ich bin mir aber auch so was von sicher, dass die hier vorliegenden Tracks auf den Brettern, die die Welt bedeuten, abgehen werden wie Hölle. Leider ist dies auf der Platte nicht der Fall und so hören sich manche Songs doch beliebig und austauschbar an, was meiner bescheidenen Meinung nach aber nicht an den Stücken selber liegt, die sind nämlich richtig gut. Nein, die ganze Produktion klingt doch etwas bieder, ein wenig mehr Mut hätte der ganzen Geschichte hier gut zu Gesicht gestanden. Insgesamt überwiegt hier aber die Freude über die guten Songs, der Spaß ist den Schweden bei deren Arbeit auf jeden Fall anzuhören und der überträgt sich auch auf den Zuhörer.