Rezensionen

The Divine Comedy: Victory For The Comic Muse

(Parlophone / EMI)

Autor: schlimm / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The Divine Comedy - Victory For The Comic MuseDiese Band hier war schon immer etwas anders. Gegründet wurde sie auf dem absoluten Höhepunkt des Britpop. Obwohl gegründet ist wohl das falsche Wort, denn eine Band gab es da gar nicht, nein Neil Hannon spielte das Debut-Album alleine ein. Man schrieb das Jahr 1993 als besagter Neil Hannon unter dem Namen The Divine Comedy seine Musik in die große und weite Welt hinaustrug. An der Bandbesetzung hat sich in der Zwischenzeit nicht viel geändert, Musiker kamen und gingen, Mr. Hannon ist, war und wird immer alleine The Divine Comedy sein. Ist vielleicht auch ganz gut so, denn der Mann kann wohl nur alleine sein Vision der Popmusik umsetzen.

Mit „Victory For The Comic Muse” kommt nun schon das achte Wunderwerk in die Läden. Bei The Divine Comedy ist es wie bei einem sehr, sehr guten Freund, den man lange nicht gesehen hat. Man weiß was einen erwartet, man entdeckt vielleicht noch ein paar neue Seiten, aber tief in seinem Herzen weiß man, dass sich nichts verändert hat, dass man sich immer noch eine Menge zu sagen hat und dass innerhalb kürzester Zeit dieses vertraute Gefühl wieder da ist und man sich (im Idealfall) immer noch liebt. So geht es mir auch mal wieder mit dem vorliegenden Werk. Auch diese Platte weiß zu überzeugen, ja zu begeistern, hat sie doch wieder alle diese Zutaten, die ich auch an den vergangenen sieben Studioplatten so geschätzt und geliebt habe.

Der Silberling beginnt mit „To Die A Virgin“ recht schmissig, erinnert stark an David Bowie zu seinen besten Zeiten. „Mother Dear“ ist auch recht forsch, allerdings gibt es hier durch den Einsatz eines Banjos schon fast eine Country Atmosphäre. Bei Track drei „Diva Lady“ handelt es sich um die erste Singleauskopplung, hat eigentlich alles, was ein Hit braucht. Im Übrigen hat der Song enormes Tanzpotenzial, natürlich für die Verhältnisse von The Divine Comedy. Danach schließt sich einer dieser abgrundtiefen, todtraurigen Songs an, wie sie wohl nur ein Neil Hannon vortragen kann. „A Lady Of A Certain Age“ stürzt den Zuhörer unweigerlich in tiefe Depression, wunderschöner Song. „Light Of Day“ überzeugt durch seinen starken und emotionalen Refrain. Die erste Hälfte wird dann mit dem Instrumental „Threesome“ beendet. Ist zwar ganz nett, aber gebraucht hätte ich das jetzt nicht unbedingt.

Höre ich da bei „Party Fears Two“ etwa so was wie einen Polka Rhythmus? Überzeugt mich jetzt nicht ganz. „Arthur C. Clarke´s Mysterious World“ ist Hannon Standard und das bedeutet – musikalisch höchstes Niveau und absolut überzeugend. Bei dem anschließenden „The Plough“ wird dann wieder mit dieser Dramaturgie gearbeitet, die nur The Divine Comedy aufzubauen weiß, geschrieben für die Bretter der Welt, würde sich in jedem Musical mit seiner barocken Atmosphäre gut machen- ganz, ganz großes Gefühlskino. „Count Grassi´s Passage Over Piedmont“ mit seinem vorgetragenen Sprechgesang ist jetzt nicht so ganz gelungen, nervt bisweilen sogar ein bisschen. Den würdigen Albumabschluss bildet dann „Snowball In Negative“.

Wer das Gesamtwerk von The Divine Comedy mag, der wird auch dieses neuerliche Werk lieben, Hannon kann einfach kein schlechtes Album aufnehmen. Welches letztendlich sein bester Longplayer ist muss jeder für sich selber entscheiden. Mit „Victory For The Comic Muse” ist auf jeden Fall eine weitere große Platte dem Gesamtwerk hinzugefügt worden, die musikalisch auch wieder um einige Nuancen erweitert wurde, ohne auf altbewährte Stilmittel (Streicher/Orchester) zu verzichten. Schön, dass es noch Musik von der Insel gibt, die nicht in den großen Topf von New Wave of New Wave gehört, wo sich eine Band wie die andere anhört.

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